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3 (1842)
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Fechter und guter Schütze, so wie durch sein furcht-loses und zuversichtliches Auftreten, die allgemeineAufmerksamkeit in hohem Grade auf sich. Diefrohe Nachricht, daß der Kurfürst von Brandenburgdem jungen Fürsten das schöne und längst gewünschteInfanterie-Regiment seines verstorbenen Vaters ver-liehen habe, so wie der Entschluß, recht bald inpreußische Militärdienste zu treten, bewog ihn zurRückreise. Leopold ging über Wien, wo er mitgroßer Auszeichnung empfangen und auf Be-trieb seiner Mutter vom Kaiser für volljährig er-klärt wurde, und kam den 24. Februar 1695 nachDessau. Hier eilte er zuerst zu seiner geliebtenAnna, und begrüßte dann erst die harrende Mut-ter. Die Freude derselben war nur von kurzer Dauer;denn der junge Fürst erklärte, daß er die Regierungnicht übernehmen, sondern damit warten werde, biser 21 Jahre alt sei, daß er sich aber trotz aller Ein-sprüche mit Anna Föse ehelich verbinden werde.Wie fest dieser Entschluß stand, wurde der FürstinnMutter bald einleuchtend; denn Leopold erstach ineiner Aufwallung von Eifersucht einen jungen, vonweiten Reisen zurückkehrenden Vetter seiner Gelieb-ten, ohne daß seine Neigung zu ihr dadurch nurim Geringsten vermindert wurde, da er von ibrerSchuldlosigkeit sehr bald überzeugt war. Die über-nommene Dienstpflicht im brandenburgischen Heere,und der mit neuer Heftigkeit ausbrechende Krieggegen Frankreich, rief jedoch den Fürsten auf dasFeld des Waffenruhms, der seine ganze Seele mitglänzenden Bildern erfüllte, und die sanfte, beschei-dene Anna jetzt in den Hintergrund drängte. ImJuli reiste Leopold nach den Niederlanden, wosein Regiment bereits im Felde stand, und begannhier seine kriegerische Laufbahn unter dem KönigeWilhelm von England, welcher die verbündetenTruppen in Person befehligte. Die Belagerungvon Namur und mehrere in der Nahe Statt sindendeGefechte gaben dem jungen Fürsten Gelegenheit,seine militärischen Eigenschaften im vortheilhaftestenLichte zu zeigen, und er machte sich durch Muth,Kraft und unermüdliche Thätigkeit so bemerkbar, daßer schon im März 1696 zum Generalmajor ernanntwurde.

Der zu Ryswick (1697) geschlossene Friedenführte Leopold nach Dessau zurück, wo er ein Jahrspäter die Regierung förmlich übernahm und, derMißbilligung vieler Fürsten zum Trotz, die schöneAnna Föse zu seiner rechtmäßigen Gemahlinn er-hob. Diese Ehe war eine vollkommen glücklicheund wurde 1761, nachdem bereits zwei Söhne dar-aus entsprossen, durch kaiserliche Urkunde als rechts-giltig, die Kinder als ebenbürtig und erbfolgefähiganerkannt, die Mutter selbst aber in den ehrenvoll-sten Ausdrücken zur Reichsfürstinn von Anhalt er-nannt. Während dieses Zeitraumes widmetesich Leopold der Regierung seines Landes mit vie-lem Eifer, mehr aber noch der Ausbildung seinesin Halberstadt siebenden Regiments. Er führtebei demselben die eisernen Ladestöcke, den Gleichlrittund eine sehr strenge Dienstordnung ein, und übtees fast täglich in den Waffen, namentlich in einemschnellen und sehr geregelten Feuer, wodurch derGrund zu dem nachherigen preußischen Militärsystemgelegt wurde, das sich bis 1866 ohne wesentlicheVeränderung erhielt. Viele seiner Anordnungenhatten zwar nur den Schein einer nutzlosen Solda-

tenspielerei, die noch dazu mit schonungsloser Harteund vieler Willkür verbunden war. Aber, indemLeopold alle die kleinen unsichtbaren Fäden dermilitärischen Disciplin mit starker Hand immer fe-ster zog, erlangte er eine so unumschränkte Gewaltüber alle Offiziere und Soldaten, daß er nachher,selbst im wildesten Kampsgetümmel, aus die pünkt-lichste Vollziehung aller seiner Befehle mit Zuver-sicht rechnen konnte, und die Geschichte aller Zeitenhat genugsam bewiesen, daß dieß eine der vornehm-sten Bedingungen des Sieges ist. Die Ereignissevon 1866 widersprechen diesen Behauptungen kei-neswegs, sie liefern nur den Beweis, daß es au-ßerdem noch andre Mittel zum Siege giebt, die manaber durch das starre Formenwesen und die über-Hand genommene Paradetändelei gleichsam verdrängt,wenigstens nicht beachtet, und noch weniger verbrei-tet hatte. Mehrere Kränkungen, die Fürst Leo-pold von dem, an der Spitze des gesammten bran-denburgischen Heerwesens stehenden, FeldmarschallBarfuß zu erdulden hatte, konnten weder seinenEifer für den Kriegsdienst, noch seine Anhänglich-keit an den Kurfürsten vermindern, den er 1761als den ersten König von Preußen freudig begrüßte,und seine Achtung bald in noch höherem Grade er-warb.

Der zu befürchtende Ausbruch eines Kriegesmit Frankreich wegen der spanischen Erbfolge eröff-nete dem kampflustigen Leopold glänzende Aus-sichten auf neuen Kriegsruhm, und er wird nunbald historisch bedeutsamer. Preußen hatte sich mitOestreich, Großbritannien und Holland eng verbun-den, den Uebergriffen Frankreichs Schranken zu sehen,und die Truppen dieser Mächte standen schon 1761zum Theil an den Landesgränzen. Auch Fürst Leo-pold erhielt Befehl, mit 12 Bataillonen Infan-terie nach den Niederlanden zu marschiren, wo erim Mai eintraf; doch brachen die Feindseligkeitenhier erst im folgenden Jahre aus. Bei den Be-lagerungen von Kaiseiswerth, Venlo, Roermund undden damit in Verbindung stehenden Gefechten, ent-wickelte Leopold abermals eine unermüdliche Thä-tigkeit, und zeichnete sich ebensowohl durch umsich-tige Anordnungen, als durch große Entschlossenheitund seltene Kühnheit aus, wofür ihn der König mitdem Orden des schwarzen Adlers belohnte. Bald nachEröffnung des Feldzuges 1763 wurde er zum Ge-nerallieutenant befördert, und erhielt zugleich denAuftrag, 6666 Mann vom Niederrhein an die obereDonau zu führen, wo Prinz Ludwig von Badeneinem französisch dänischen Heere gegenüberstand.Letzterer marschirte mit der Hauptmacht nach Augs-burg, und ließ den Feldmarschall Grafen Styrummit den preußischen und sächsischen Truppen auf demlinken Donauufer zurück, wo derselbe am 26. Sptbr.bei Höchstädt in Front und Rücken mit Uebermachtangegriffen wurde. Leopold wies gleich anfangseinen Angriff der französischen Cavalerie sehr nach-drücklich ab, doch kam er später bei dem Rückzügegegen Nördlingen so in's Gedränge, daß seine eigeneCavalerie gänzlich in die Flucht geschlagen wurde.In diesem kritischen Augenblicke entfaltete er einseltnes Anführertalent: seine Infanterie bildete schnelleinige Vierecke, trug spanische Reiter vor sich her, er-duldete das feindliche Geschützfeuer mit großem Gleich-muth, bot der wiederholt ansprengenden französischenCavalerie 1^ Stunde lang trotzig die Stirn, und über-