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litärs, und Gelehrte dienten nur zur Unterhaltung alsHofnarren. Der Fürst Leopold von Dessau, dererste Feldherr des damaligen preußischen Heeres, denPrinz Eugen nur seinen Bullenbeißer nannte, wardsein Vorbild; nach ihm richtete er sich und seine ganzeArmee, vom General bis zum gemeinen Soldaten.Selbst dessen Rohheit und Unwissenheit wurde als einnothwendiger Zug des militärischen Charakters nach-geahmt. Man sah Alles, was ein tüchtiger Unter-offizier, nach damaliger Zeit, nicht zu wissen brauchte,als überflüssig an, und es wurde einem General ebenso wenig übel gedeutet, wenn er kaum seinen Na-men schreiben, als daß er nicht auf dem Seile tan-zen konnte. Wer mehr schreiben konnte und mußte,wurde Tintenklecker und Schmierer genannt.Die Bibel, das Kriegs-Reglement und der Ka-lender enthielten alle nöthige Kenntnisse. Der Königgab hierzu das Beispiel, indem er Narren als Ge-lehrte und Gelehrte als Narren behandelte. DieWissenschaft, ohne Nutzanwendung auf's Leben, warihm ein Gräuel, wie der unnütze Hofprunk bei sei-nem Sinn für das Einfache, Nützliche und Solide.Durch das Anhören der philosophischen Streite amHofe seiner Mutter, durch die langweiligen Verse derHofpoeten seines Vaters, hatte er einen unüberwind-lichen Abscheu vor aller Philosophie und Poesie gefaßt.Daher verachtete er die Akademie der Wissenschaften,welche übrigens auch sehr wenig leistete, nicht ein-mal das Schäumen des Champagners erklären konnte,so sehr, daß nur der Kalendermacher in Ehren bliebund er ihr einen Gecken zum Präsidenten gab. Daherwollte er auch bei Hofe keine andre Gelehrte, alssolche, welche die Zeitung vorlesen und erklären, aberauch zugleich die Rolle des Hofnarren spielen konnten.Nach aufgehobener Mittagstafel pflegte der Kö-nig, bei günstigem Wetter, entweder auszugehen oderauszureiten, aber nur von einem Pagen und eini-gen Reitknechten begleitet; in Potsdam und Wuster-Hausen ging er gewöhnlich spazieren, und nur bei un-freundlicher Witterung fuhr er in einem offnen, zwei-spannigen Wagen mit seinen 3 Prinzen oder einigenOffizieren aus. Auch in Berlin machte er täglichWanderungen zu Fuße und zu Pferde, wobei er sichgern mit den Leuten unterhielt, sie bei den öffent-lichen Bauten zum Fleiße aufmunterte, manchem HilfeSuchenden Gehör gab und Recht verschaffte, die Spa-ziergänger nach ihrer sonstigen Beschäftigung fragte,und die Müssiggänger zuweilen kräftig zur Arbeit an-trieb. Denn so gern er es auch sah, wenn sich die Bür-ger ein Vergnügen machten; so mochte er doch denMüssiggang nicht dulden, und verjagte daher einsteine Gesellschaft von der Kegelbahn mit dem spani-schen Rohre. — Auch mochte er es nicht dulden, wennman ihm absichtlich aus dem Wege ging; ein Tanzmei-ster mußte deßhalb, zum Beweise seiner Aussage, ein-mal auf der Straße eine Sarabande vor ihm tanzen.Selten ging es ohne Abenteuer ab, und man er-zählte sich mancherlei Anekdoten, von denen einigespäter Friedrich dem Großen fälschlich beigelegtworden sind. Einst verklagte ein Buchbinder den berli-ner Stadtrath bei dem Könige, welcher ihn darauf so-gleich zum Rathsherrn machte, aber mit dem Be-fehle, ihm die Unregelmäßigkeiten des Magistratsanzuzeigen. Da dieß nicht geschah, rief ihm derKönig, als er ihn nach einiger Zeit wieder sah, dieWorte zu: „Ihr seid alle Schelme; wenn ihrnicht mit regiert, so raisonnirt ihr, und
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wenn ihr dann mit regiert, so macht ihr'snicht besser, als die Andern." — So war esimmer!— Um 3 Uhr ward die Parole ausgegeben,wozu sich der König regelmäßig einfand.
Nach der Tafel beschäftigte sich Friedrich Wil-helm auch mit der Malerei. Sein Lehrer war MeisterHänschen (Johann Adelsing), welcher ihm die Por-traits der Bauern, Bedienten und großen Grenadierevorzeichnen und die Farben reiben mußte. Die Gre-nadiere mußten dem Könige sitzen, und wenn dasPortrait blässer oder röther war, als das Original,so überstrich er das Gesicht des Grenadiers, wie dasPortrait, mit rother oder weißerFarbe und sagte: „Nunist eines dem anderen ähnlich."— Einst wollte eran einem Portrait des Kronprinzen vonPesnedie ihmmißfällige französische Halsbinde abändern, verunstal-tete aber dadurch dasBild, daß Pesne untröstlich war.Dennoch behauptete der König, wiewohl nur im Scher-ze, daß er sich im Nothsalle mit seiner Malerei Et-was verdienen könne, und verkaufte zum Beweise ei-nige seiner Gemälde an einen ihm bekannten Hof-lieferanten, das Stück für 100 Thlr. Als dieseraber die Bilder mit der Ueberschrift aushing: „Vonder Hand Sr. Majestät des Königs gemalt," kaufteer sie sogleich um einen viel höhern Preis zurück. —Selbst bei den Schmerzen des Podagras, welchesihn seit 1729 oft plagte und am Ausreiten ver-hinderte, daß er fahren mußte, malte der Könighäusig, wenn auch nicht mit der stoischen Gelas-senheit, mit welcher der Philosoph Posidonios,von demselben Uebel gequält, vor Pompejus überdas höchste Gut sprach. Denn da geschah es oft,daß er seinen Lehrer, wenn ihm ein Pinselstrich miß-lang, mit Schlägen und Stößen traktirte. — Nachder Tagesordnung begab sich Friedrich Wilhelm imSommer um 7, im Winter um 5 Uhr in seine Abend-gesellschaft, das sogenannte Tab ackscol leg ium, des-sen Mitglieder größtentheils Militärs, auch merkwür-dige Fremde und Lustigmacher waren. In Pots-dam lud der König selbst Bürger, in Wusterhausenauch den Schulmeister zuweilen dazu ein. Der Letzterehatte sich dadurch in große Achtung gesetzt, daß esdem Könige nicht gelang, seine Schüler zu dem Aus-rufe zu bewegen: „Unser Schulmeister ist ein Esel!"indem sie ihrem Schulmeister mehr Gehorsam als demKönige schuldig zu sein glaubten. — Jeder Gast erhieltTaback und Pfeife, einen Krug Bier und ein Glas;später gab es Brod, Butter und Käse, zuweilenauch Schinken und Kalbsbraten; ja manchmal trak-tirte der König seine Gäste mit Fischen und Sallat,Speisen, die er sogleich selbst zurichtete. Jeder bedientesich selbst nach Belieben, weil die Dienerschaft nichtzugelassen wurde. Alle Mitglieder mußten rauchen,und der Fürst von Dessau, welcher nicht rauchte, mußtewenigstens eine unangezündete Pfeife in den Mundnehmen. Man unterhielt sich nach den Zeitungen übermancherlei Gegenstände und spielte manchen Schnackund Schabernack, besonders mit dem HofnarrenGundling, zur Unterhaltung des Königs. Zur Ab-wechselung erlaubte der König auch eine Partie Schach,oder ein andres Vretspiel, nur nicht Karten. Da erin dieser Gesellschaft als ein bloser Privatmann er-scheinen wollte, hatte er auch jede zeremonielle Be-grüßung verboten, so daß Niemand aufstehen durfte,wenn er eintrat oder wegging.
(Beschluß folgt.)