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3 (1842)
Entstehung
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ein Rad, und Gleim, von Ungeduld getrieben,verläßt seinen Gefährten, eilt in gerader Linie demheimathlichen Thurme zu, und kommt gegen Abendzu Sinsleben an. Er hört die Glocken von Erms-leben lauten, und ach! erfahrt auf seine Frage,daß sie den Obereinnehmer Gleim von Ermslebenbegraben! Welch schmerzliches Wiedersehen nun mitder geliebten Mutter! Gleichwohl verweigert er hart-näckig den Vater noch einmal zu sehen, geht allein,in Gedanken und ohne Thränen, hinter demLeichenzuge her, und tröstet, nach Hause zurückge-kommen, seine trostlose Mutter. Zum Andenkenseines am 26. April 1735 gestorbenen Vaters ließer ein Trauergedicht drucken. Leider folgte diesemdie untröstliche Gattinn schon am 20. Juli desselbenJahres nach! So waren die zahlreichen Geschwistergänzlich verwais't, und mußten daher in der ältesten,an den königlichen Amtsuerwalter Fromme verhei-rateten Schwester, die mütterliche Versorgerinn dank-bar ehren. Durch Unterstützung seiner Gönner, na-mentlich des erwähnten Geheimraths Reinhardt,und des Regierungsraths Rüdiger, in deren Fa-milien er als Kind vom Hause behandelt wurde,konnte jedoch unser Wilhelm seine Schulstudienungestört fortsetzen, und im Jahre 1738 beendigen.Ausgezeichnet durch die glücklichsten Anlagen, durchFleiß und musterhaftes Betragen verließ er die Schuleam 11. Nov. dieses Jahres mit einer lateinischenAbschiedsrede lle erullitione ima^inarm, und einerpoetischen Lob - und Dankrede in mehr als 500Alexandrinern, in welcher er seinen WohlthäternReinhard und Rüdiger öffentlich Dank abstat-tete. Diese Poesien sind zwar im Geschmacke derdamaligen Zeit, zeugen aber von jugendlicher Wärme,und vorherrschender Offenheit und Herzlichkeit, wieer denn auch stets mit liebender Erinnerung an sei-ner Schulzeit hing, und diese durch manches FaßWein bethätigte, welches er später seinem alten Rec-tor Schütz (51751) schickte.

In großer Dürftigkeit und mit einigen Schul-den, über die er in Briefen an seine älteste Schwe-ster klagt, bezog er die Universität Halle, und wieer dort leben mußte, bezeugt ein Ausgabebuch, inwelchem für das Iabr 1739 die Einnahme mit60 Thalern, für das Jahr 1740 nur mit 56 Tha-lern aufgeführt ist, unter den Ausgaben aber sichdie Ansätze von 2 Thlr. 12 Gr. für halbjährige Miethe,und zwei Groschen für Pfeifen, Taback, Zuckerund Milch, bei Gelegenheit eines Besuches ausAschersleben, finden! Später stoß ihm aus ei-nem kleinen antiquarischen Bücherhandel mancherVortheil zu. Den Gedanken dazu erweckte in ibmdie ausgebreitete Vücherkenntniß, die er sich durchOrdnen der Bibliothek des alten Kanzlers Ludwigerworben hatte. Gleim hatte sich dem Studiumdes Rechts gewidmet, Heineccius, Vöhmer,Baumgarten und Meier waren seine Lehrer,und besonders hat Baumgarten und später nochChristian Wolf einen entschiedenen Einfluß aufseine Bildung gehabt. Die Musen wurden jedochbald seine Lieblingsbeschäftigung, die ihn mit Gleich-gestimmten zusammenführte. In einem Buchladenwurde er durch die Frage nach B odmers Gedan-ken über die Beredsamkeit mit Uz bekannt, undschnell und innig befreundet. Zu den beiden Freundengesellten sich Rudrick aus Danzig und Götz ausWorms, und bildeten mit ihnen einen Musen-

verein, aus welchem von Gleim zuerstder Ver-such in scherzhaften Liedern" hervorging. Die Freundeschlössen sich von den damals streitenden zweiParteien, der bodmerschen und der gottsche-dischen, der ersteren an.

(Fortsetzung folgt.)

Friedrich Wilhelm I.,

König von Preußen.(Fortsetzung.)

So verbannte er in kurzer Zeit den Luxus

von Hof, Stadt und Land. Bald hatte sich inBerlin der äußere Glanz in solide Wohlhaben-heit verwandelt. Der Hof übt stets im Guten,wie im Böfen, einen großen Einfluß auf das Volkaus, und trägt durch sein Beispiel nicht wenig dazubei, es zu veredeln oder zu verderben.

Schon als Kronprinz hatte sich FriedrichWilhelm an eine genaue Emtheilung und Benu-tzung der Zeit gewöhnt, aber noch strenger ward dieTagesordnung nach seiner Thronbesteigung. MitReinigung des Körpers und Gebet begann sein Ta-gesgeschäft am frühen Morgen; denn schon um 5 Uhrim Sommer und um 7 Uhr im Winter kamen dieKabinetsräthe und Sekretäre und trugen ihm dieeingegangenen Gegenstände vor, während er Theetrank und sich ankleiden ließ. Der König diktierehierauf den Bescheid oder schrieb ihn eigenhändig anden Rand. Alle Befehle und Anordnungen gingenvon seinem Kabinete aus. Nach dieser 2 bis Kün-digen Arbeit erhielten die Minister und höheren Of-fiziere Audienz; um IN Uhr begab sich der Königregelmäßig auf den Paradeplatz, von da in seinenMarstall, welcher nicht mehr als einige 86 Reitpferdeund wenige Postzüge Kutschpferde zählte. Auf diesemWege nahm er Bittschriften an, und redete mit Allenfreundlich, welche Etwas anzubringen hatten. Ausdem Marstall ging der König in das Schloß zurück,wo sich nach 11 Uhr diejenigen geheimen Räthe ein-fanden, denen er Befehle ertheilen wollte, und um12 Uhr setzte er sich gewöhnlich an die Mittagstafel,zu welcher zahlreiche Gäste eingeladen wurden. Siedauerte, bei vertraulicher Unterhaltung, 1^ 2 Stun-den, je nachdem dem Könige und seinen Gästen derRheinwein schmeckte, und die Unterhaltung lustig war.Hatte der König besonders gute Laune, so ließ erhierauf noch Ungarwein herumgeben. Seine übleLaune konnte nichts leichter gänzlich umstimmen, alsder Erwerb großer Leute für seine Grenadiere, wiedas noch 1734 der Fall mit 2 großen Ungarn war,welche ihm der Graf Vlumenthal zum Geschenkmitgebracht hatte. Der Nachmittag und Abendwar der Erholung gewidmet, aber gleichfalls nach be-stimmter Ordnung, und nicht ohne dabei thätig zusein und Etwas zu lernen. Die Thätigkeit, Stren-ge, Pünktlichkeit und Ordnung des Königs wurdenbald bekannt, und die Unterthanen, wie die Beam-ten, fürchteten das Wort, ja den Wink desselben.

Da seit dem Beginn des brandenburgischen Staa-tes die Kriegsmacht demselben das größte Ansetzn verlie-hen hatte, so mußte auck der Vorzug des Militärsin der Meinung des Fürsten den schnurrbärtigenGrenadier zum ersten Mann des Staates und dasMilitär zum ersten Stand der Ehre machen. Daherbestand der Umgang des Königs fast einzig aus Mi-