Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen
 

12

L

G l b i

« g.

Fabrik- und Handelsstadt, unter dem 54« 10' n. Br,und 36" 4' ö. L., 1 Meile vom frischen Haff undDrausensee, an dem schiffbaren Flusse gleichesNamens, welcher aus dem Drausensee kommt,hierauf die Thine und Fisch au aufnimmt unddann durch die Stadt stießt, wo er die VorstädteGrubenhagen und Speicherstadt von der ei-gentlichen Stadt scheidet, und sich durch den BachHummel verstärkt, liegt im Kreise Elbing,Regierungsbezirk Danzig der Provinz Preußen,(sonst Westpreußen), 4 Meilen von Marienburg,12 M. von Danzig, 14 M. von Königsberg und74 M. von Berlin, und zählt gegen 20,0U0 größ-tenteils evangelische Einwohner mit ungefähr 2200Häusern. Hohe Mauern und Wälle umgaben zwareinst die Stadt, sie ward aber schon seit 1772 nichtmehr unter die festen Plätze gerechnet, und seit je-ner Zeit sind nach und nach die Mauern und Wälleabgetragen und die Festungsgräben ausgefüllt wor-den, so daß jetzt keine Spur der ehemaligen Festungs-werke mehr vorhanden ist. Sie hat 5 Land- und2 Wasserthore, 11 äußere und 3 innere Vorstädte,und zerfällt in die Altstadt (westlich) und dieNeustadt (östlich) mit breiten und regelmäßigenStraßen, vielen hübschen Häusern und Gebäuden,besonders am Altmarkte, und nächtlicher Beleuch-tung. Die Evangelischen haben 5 Kirchen, die Re-formirten 1, die Katholiken 1 und die Mennoniten 1;die Juden 1 Synagoge. Untcrrichtsanstalten sind:1 evangelisches Gymnasium mit beträchtlicher Biblio-thek, 1 Hebammeninstitut, 1 Bürgerschule, verschie-dene Elementar-, Töchter-, Frei- und Armenschu-len. Die vortrefflichen Armenanstalten begreifen 6Hospitäler, 1 Waisen-, Speise- und Arbeitshaus,1 Konvent für alte Frauen, 1 weibliches Dienstbo-ten-Stift und 1 großartige Industrie-Verpflegungs-und Erziehungsanstalt, welche 1810 von dem EngländerRichard Cowle (-j- 1821) errichtet worden ist.

Die Altstadt besteht aus 5 gleichlaufendenStraßen, deren jede gegen Osten nach der Neu-stadt oder dem Mühlendamm ausläuft. Der alteMarkt durchschneidet sie alle in einem rechten Win-kel und auf demselben stand das Rathhaus und diekatholische Kirche bis 1777, wo beide abbrannten.Seit 1782 steht das neue Rathbaus zwischen derAlt- und Neustadt und dem Mühlendamme aufdem Neumarkte, jetzt Friedrich-Wilhelmsplatzgenannt. Die übrigen öffentlichen Gebäude sindhier: die katholische Pfarrkirche zu St. Nicolai, dieevangelische Hauptkirche zu St. Maria, mit demehemaligen Kloster, das Gymnasium, das reicheHospital zum b. Geist, mit der Garnisonkirche,und die beiden Kirchen der Reformirten und Men-noniten. In der Neustadt befindet sich die evan-gelische Kirche zu den h. 3 Königen und das ehe-malige neustädter Rathhaus, jetzt ein Arbeitshaus.Die inneren Vorstädle sind: der innere Mühlen-damm, wo das Hospital und Waisenhauszu St. Elisabeth und die Freimaurerloge «unztÄn-tm cnneolli» zur gekrönten Eintracht, liegen; der in-nere Vorberg und die Speicherstadt oderSpei-cherinsel an der Elbing, vom Stadtgraben einge-schloffen. Die äußeren Vorstädte heißen: die La-stn die, größtentheils von Matrosen und Schiffernbewohnt, der Kuhdamm, der Anger mit der

evangelischen Kirche und dem Hospitale zum h. Leich-nam; der äußere Mühlendamm; das neueGut; derGeorgendamm; die neustädter Vor-stadt nebst den Scheunen, der evangelischen Kirchezu St. Anna, dem Georgshospital und der Pest-bude; der marienburgsche Damm; der Schif-fer-Vorberg; der Grubenhagen und derSchiffsholm, deren Bewohner sich mit Garten-bau beschäftigen.

Die Hauptnahrungszweige der Einwohner sind,außer Bierbrauerei, Branntweinbrennerei, Gastwirth-schaft, dieZuckerrafsinerie, die Weberei, Gerberei, Seifen-siederei, Segeltuch-, und Kraftmehl-, Stärke-, Tuch-, Ei-chorien-, Vitriolfabriken, seit kurzem auch eine Runkel«rübenzuckerfabrik, Schiffsahrt und Handel. Der letzterebeschäftigt sich besonders mit Federn, Holz undHolzwaaren, Getreide, Borsten, Pferdehaaren, Wolle,Wachs, Garn, Seife, Fische, Obst, Pot- undWaidasche, Butter, Packleinwand, Kolonialwaaren:c.Zu den Handlungsgebäuden und Anstalten gehörendas Bank-Comptoir (Kommandite von Danzig), dieBörse, 2Krahne, 2 öffentliche Waagen, die Bag-ger-, Härings-, Potasch-, Pack- und Salzhöfe,die Repperbahn, die Magazine an den Ufern derElbing, die Schiffswerfte :c. Seit 1828 bestehtauch ein Gewerbeverein. Ferner hat die Stadt1 Buchdruckern, 1 Buchhandlung, 6 Apotheken, 5Mahl- und 2 Walkmühlen, ILoh-, l Oel- und 1Windmühle. Elbing ist der Sitz des Landrath-amtes, eines Land- und Stadtgerichts, eines eng-lischen Konsuls, eines niederländischen Vice-Konsuls :c.,und hat auch jetzt noch eine kleine Garnison. DieStadt besitzt ibre eigne Feuerversickerungsgesellschaft,und ihr Hafen wird, wie der Kraffuhlkanal, wel-cher eine halbe Stunde von der Stadt die Elbingmit der Nogat verbindet, seit mehrern Jahren vonstädtischen Beamten verwaltet. Es erscheint hier eineZeitung und ein Anzeiger.

Wie die Lage Elbings für den See- und Land-handel sehr vortheilhaft ist, so ist auch die Umge-gend, abwechselnd mit Höhe und Niederung sehrfruchtbar, und der Obstbau in der Niederung sobeträchtlich, daß die Stadt gleichsam in einemWalde von Obstbäumen liegt. Sie bietet also auchangenehme Partiecn im Freien und gewährt durchihre Lage, unweit dem frischen Haffe, zugleich an-genehme Ausflüge zu Waffer. Für gesellige Ver-gnügungen im Sommer und Winter ist gleichfallsdurch verschiedene Gesellschaften, das Cassino und dieRessource, gesorgt. Das 3 Meilen entfernte Städt-chen Tolkemit am frischen Haff, von Holzhandel,Fischerei, Störfang und Eaviarbereitung sich näh-rend, ist merkwürdig, wie Halle und Leipzig durchLeichenstreichen, durch einen so reichen Dros-selfang, daß oft viele Tausende dieser Vögel ver-sendet werden.

Elbing, polnisch Elbiag oder Elblag, ent-stand 123? durch den Landmeister HermannBalk. Da er mit dem von dem Markgrafen Hein-rich dem Erlauchten von Meißen zurückgelasse-nen Kreuzheere die Eroberung Pogesaniens unter-nehmen wollte, beschloß er zu diesem Zwecke da,wo die Elbing aus dem Drausensee kommt, diesergleichsam eine Vormauer der Landschaft bildete, eineneue Burg anzulegen.

(Beschluß folgt.)