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sich regelmäßig Rechnung von derselben vorlegen (siedürfte täglich nicht viel über 33 Thlr. kosten); er trank,neben einem Glase guten Rhein- und Ungar- Wein,Bier wie ein schlichter Bürger, und sah vor allenDingen, wie jeder gute Wirth, auf eine strenge,geregelte Hausordnung, welche er für das erste Staats-grundgesetz hielt. Dadurch vermehrte er aber auchdie Staatseinkünfte um die Hälfte, hatte stets Mit-tel für seine Zwecke, und ward der Begründerder preußischen Staatswirthschaft und Kriegsmacht.Den unnöthigen Kronschmuck verkaufte er undverwendete den Erlös zur Errichtung neuer Regi-menter, sowie zur Tilgung der hinterlassenen Schul-den seines Vaters. Die leeren Staatskassen fülltensich durch das Aufhören unnützer Ausgaben, undnoch im Jahre 1713 konnte der König 299,999 Thlr.an den Czaaren Peter, und eben so viel an denKönig von Polen für die Erwerbungen in Pom-mern bezahlen. Die seidnen Tapeten, Polsterstühleund Teppiche wurden entfernt; nur hölzerne Tischeund Bänke sah man in seinen Wohnzimmern. Be-suchten aber hohe Herrschaften den König, so durftees an nichts fehlen, und königliche Pracht herrschtein den Gemächern, wie auf den Tafeln. Krystalleneund silberne Kronleuchter, goldne und silberne Ta-felaufsätze und andre Kostbarkeiten prangten überall,Küche und Keller lieferten das Ausgesuchteste im Ue-berflusse. Friedlich Wilhelm war überhaupt eingroßer Liebhaber von massivem Gold- und Silberge-geräth und wendete große Summen darauf.
Die Kleidung des Königs war eben so ein-fach, wie seine ganze häusliche Einrichtung. Gleichnach der feierlichen Bestattung seines Vaters vertauschteer die große Staatsperücke und das französische Ga-lakleid mit dem Haarzopfe und dem engen Soldaten-locke; doch trug er noch bis 1719 abwechselnd bürger-liche Kleidung und Uniform, seitdem fast immer dieObersten-Uniform des potsdam'schen Grenadierregi-ments. Den Kopf bedeckte ein dreieckiger Hut mitschmaler Goldborde :c.; sein Degen glich ganz demder andern Offiziere. So ging er auch auf der Jagd,wie jeder andre Jäger. Sein gutes Hauskleid schonteder König so sehr, daß er im Kabinete Ueberärmelanzog und eine Schürze vorband. Nur bei Feierlich-keiten erschien er in festlicher Kleidung, aber auchdieser höchste Staat war nur eine Uniform von blauemSammet, rothgefüttert und mit silbernen Litzen. Da-gegen liebte er die Sauberkeit und Reinlichkeit in Allemüber Alles, wusch sich täglich 5 mal und nahm deß-halb Holländer, deren Lebensweise ihm überhaupt sehrgefiel, als Kastellane in seine Dienste. Auch die Kö-niginn und die Prinzessinnen durften sich nur einfachkleiden; die letzteren trugen in ihren Kindecjahrennur Kleider von gewöhnlichem inländischem Rasch.Schminke war durchaus nicht erlaubt. Von präch-tigen, auffallenden Kleidern und Trachten, besondersden französischen, war er ein erklärter Feind. Um diegeheimen Räthe zur Ablegung ihrer gestickten Kleiderund großen Perücken von selbst zu nöthigen, ließ erseine Hofnarren dergleichen Haarschmuck und Kleideran Galatagen anlegen. — Als 1719 die großenTressenhüte und Haarbeutel, mit welchen der franzö-sische Gesandte und sein Gefolge sich öffentlich zeigte,bei Hofe und in Berlin Nachahmung fanden, so ließer bei der großen Musterung in der Nähe von Ber-lin die Profoße, welche damals noch, wie Büttel undNachrichter, für unehrlich galten, in dieser neuen
französischen, übrigens noch verzerrten Tracht, auf-treten; ja er gab Befehl, daß denjenigen, welche fürehrlos erklärt wurden, die Haarzöpfe abgeschnittenwurden und Haarbeutel und Profoßentracht angelegtwerden mußten.
(Fortsetzung folgt.)
Schweidnitz,
sonst Hauptstadt des gleichnamigen Fülstenthumsund starke Festung in Niederschlesien, jetzt befestigteKreisstadt 2. Klasse im Regierungsbezirk Breslau,eine der ältesten und merkwürdigsten Städte der Pro-vinz, im fruchtbarsten, bevölkertsten und reizendstenTheile Schlesiens, rings von Bergen und nahenDörfern umgeben, an der Weißritz oder dem schweid-nitzer und Bögen-Wasser, 779 F. über der Ostsee,1 Stunde vom Fuße des Riesengebirges, 2,^ St. vomZobtenberge, 4^ St. von der böhmischen Gränze,6^ Meile von Liegnitz, 7 M. von Breslau, größ-tentheils massiv und im italienischen Geschmacke ge-baut, hat 6 Thore, 1 Pforte oder Laufbrücke, 1 Vor-stadt, einen ansehnlichen viereckigen Marktplatz, 4Kirchen (2 katholische und 2 evangelische), 1 evange-lisches Gymnasium seit 1797, mit einer Vorberei-tungsschule, 2 evangel. und 2 kathol. Bürgerschulen,1 Kloster der Ursulinerinnen zum Unterricht der weib-lichen Jugend, 2 Hospitäler, 1 Waisen- und Witt-wenhaus, 1821 vom Kaufmann Laube gestiftet,1 Armen- und Arbeitshaus, 1812 im Kapuziner-kloster errichtet, 1 Korrektionshaus im ehemaligenIesuitencollegium, seit 1892,1 Sparkasse, 1 Leihhaus,
1 Leinwandhaus, I Malz- und Brauhaus, 1 gro-ßes Salzmagazin ic., und zählt in 799 Häusern un-gefähr 9599 Einwohner, ohne das Militär. DieStadt ist der Sitz eines Stadt- und LandgerichtsI.Klasse im Minoritenkloster, eines Landrathamtes,eines Inquisitoriats im Kloster der Dominikaner,eines Hauptsteuer- und eines Postamtes. Die Mi-litärbehörde besteht aus der Kommandantur, 1 Re-gimentsstabe, 2 Bataillons Infanterie und 4 Ar-tillerie-Compagnien. Militärgebäude sind 2 Kaser-nen, 1 Zeughaus, 1 Arsenal, Magazine:c.
Nahrungszweige der Einwohner sind Bier- undEssi'gbrauerei, Branntweinbrennerei, Gerberei, Pfef-ferkuchenbäckerei (der karrirte Pfefferkuchen heißtschweidnitzer Pflaster), Fabrikation von gesuchtenHandschuhen aus Ziegenfellen, Band- und Leinwe-berei, Strumpfwirkerei, Tuchmacherei, Färberei undStärkefabrikation. Bedeutend sind die wöchentli-chen Garn-, Leinwand und Getreide-, die 2 Vieh-,
2 Woll- und 4 Jahrmärkte. Es giebt hier auch ei-nige ansehnliche Handlungshäuser, welche große Ge-schäfte mit Leinwand und Wollenzeugen ins Aus-land machen. Auch findet man 2 Buchhandlungen,
3 Buchdruckereien, 2 Steindruckereien, Kupferdrucke-reien, 3 Leihbibliotheken, 2 Apotheken «. Am Was-ser liegen 13 Mühlen, 2 Walken, 1 Papiermühleund 1 Kupferhammer.
Unter den Kirchen stehet oben an die katholischePfarrkirche zu St. Stanislaus und Wen-zeslaus, von Herzog Bolko II. 1339 im alt-deutschen Style erbauet, ein hohes und langes,aber schmales Gebäude, voll zierlicher Schnitz- undSteinbildwerke; über demselben steigt der Thurm,aus Quadersteinen, mit 3 Kuppeln, 243 F. hoch