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Im Lager von Orchie lebte er im vertrautesten Um-gange mit dem Herzog von Marlborough, demPrinzen Eugen, dem Fürsten Leopold von Des-sau und dem General Derfflinger und andernausgezeichneten Feldherren. — Das wichtigste Er-eigniß dieses Feldzuges für den Kronprinzen wardie große Schlacht bei Malplaquet (11. Septbr.1709), in welcher er unter den Augen Marl-boroughs und Eugens viele Proben von Uner-schrockenheit und Kaltblütigkeit in den größten Ge-fahren ablegte, und mit den preußischen Truppen bei-der großer Feldherren ungetheiltes Lob einerntete.Daher hielt er das Andenken an diese blutige Schlachtstets in hohen Ehren, und feierte den 11. Septemberimmer als einen festlichen Tag. Von Marlbo-rough mit 2 Feldstücken, 3 Standarten und 2 Fah-nen, welche die Preußen von den Feinden erbeutethatten, für den König beschenkt, kehrte er hieraufüber Hannover, wo ihn seine Gemahlinn empfing,nach Berlin zurück, wo der von ihm hochverehrteEugen im April 1710 den Hos besuchte und mitgroßen Festlichkeiten und werthvollen Geschenken be-ehrt ward.
Wahrend der Kronprinz mit Aufstellung einerbewaffneten Neutralitat gegen Schweden beschäftigtwar, und das ganze Land durch Krieg, Pest undschlechte Verwaltung litt, brachte die glückliche Nie-derkunft der Kronprinzessinn mit einem Prinzen wie-der festliche Tage und ließ alle Noth und Sorge aufeinige Zeit vergessen. Leider starb aber der Prinzschon nach 11 Monaten wieder! — Die oranischeErbschaft rief den König 1711 nach Holland. DerKronprinz begleitete ihn dahin und nahm lebhaftenAntheil an den Verhandlungen. Der Charakterund die Lebensweise der Holländer sprachen ihn sehr an,und daher ließ sein Aufenthalt in Holland einen bleiben-den Einfluß auf ihn zurück. — Nach der Rückkehrhatte der Kronprinz wegen des nordischen Kriegeseine Zusammenkunft mit Peter dem Großen zuCrossen, und wußte auch gegen diesen das Inter-esse des Staates gehörig zu vertheidigen. Um dieseZeit verursachten die heimlichen Feinde des thätigenund umsichtigen Kronprinzen, indem sie dem Kö-nige die schon früher ihm mißfällige Aushebung dergroßen Grenadiere verdächtigten, eine für des Kron-prinzen zärtliche Liebe zu seinem Vater eben soschmerzliche, als für seine Gesundheit nachtheiligeSpannung, welche jedoch der Graf Dohna durchOffenbarung der Kabale und der Gefahr für desKronprinzen Leben bald wieder glücklich hob. Nochals König pries Friedrich Wilhelm den GrafenDohna als den Retter seines Lebens. — Um sei-nen Verlaumdern jede Ursache zur Anklage zu neh-men, vermied er seitdem jede Einmischung in Anord-nungen, über welche der König bereits verfügt hatte.Je schmerzlicher das Hinscheiden zweier Prinzenbeim Mangel an einem dereinstigen Thronerben fürden König und Kronprinzen gewesen war, destogrößer mußte die Freude über die abermalige Geburteines Prinzen am 24. Januar 1712 sein, und zwarFriedrichs des Großen, wiewohl ohne Anzei-chen seiner künftigen Größe; diese warb jedoch durchdes Königs Freudenbezeugungen, und die prachtvol-len Feierlichkeiten bei der Taufe des Prinzen, sowie durch die hohen Pathen, Kaiser Karl VI., Kö-nig Friedrich August II. von Polen und denEzaar Peter den Großen, gewissermaßen angedeu-
tet. — Aber gerade in diesem Jahre ward, auf desKronprinzen Verlangen, sein Hofstaat bedeutend ein-geschränkt und die Gehalte herabgesetzt: er hattenur einen Kammerherrn mit 151 Thlr. und zweiKammerjunker mit 121 Thaler Besoldung. — MitPeter dem Großen, welcher auf seiner Reise nachKarlsbad im Oktbr., wie auf der Rückkehr, Ber-lin besuchte, ward der Kronprinz, trotz der Verschie-denheit des Alters, durch das einfache, aber that-kraftige Wesen und Leben desselben, sehr befreundetund begleitete den Ezaaren zu allen Sehenswürdig-keiten, welche dessen Interesse erregten. Bei derfortwährenden Kränklichkeit des Königs nahm sickder Kronprinz der Regierung mit großem Eifer an;und war daher auch mit allen Geschäften vertraut,als ihn der Tod desselben am 25. Februar 1713 inseinem 25. Jahre auf den väterlichen Thron rief.
Friedrich Wilhelm I., wie er, von Körpergesund und verhältnißmäßig groß und stark, in sei-nem Aeußeren eine wahrhaft königliche Gestalt hatte,war auch von Gemüth und Geist wohlwollend undkräftig, hatte aber beide nicht genug gebildet undveredelt, daß er die Ausbrüche des Zornes hätte be-herrschen, die Dinge in ihrem Wesen erkennen unddas Nützliche mit dem Schönen vereinen können, umin der ganzen Würde und Hoheit des weisen Herr-schers zu erscheinen. Der verschwenderische Hofprunk,in welchem er aufgewachsen war, und welcher seinemHange zur soliden Einfachheit nur Zwang angethanhatte, war ihm dadurch zum Ekel geworden und ver-mehrte ganz natürlich bei ihm die entgegengesetzteRichtung. Daher trug er auch kein Bedenken, sichvon allen damaligen Hofsitten, ohne Rücksicht aufdie Meinung der Welt, in Kleidung, Hofhaus-halt, Beschäftigung, Umgang, Vergnügen,Art des Reifens, überhaupt in seiner ganzenLebensweise so weit zu entfernen, daß er vielen.Fürsten ein Aergerniß ward. Er verfolgte dabeiaber auch zugleich den großen Zweck, das Wohl sei-nes Staates zu begründen, und erreichte denselbenvollkommen. Durch seine Einrichtungen legte ernicht nur den Grund zur spätern Macht des Staa-tes, sondern auch überhaupt, indem er dadurch undmehr noch durch sein Beispiel auch bei den Unter-tbanen den Geist der Thätigkeit, der Ordnung, derSparsamkeit, der Frugalität und der Häuslichkeitweckte, zu dem moralischen, ökonomischen und poli-tischen Wohlstande des Landes, welcher bald daraufunter ihm und seinem großen Nachfolger so großeWirkungen hervorbrachte. Was er sein wollte, daswar er ganz, und was er ausführen wollte, führteer kräftig und ganz durch. Er hatte den einfachen,aber so oft verkannten Grundsatz erkannt: im Kleinenzu sparen, um im Großen zur rechten Zeit Etwasaufwenden zu können, und überhaupt kein Geldauszugeben, welches man nicht hat.
Sogleich nach seines Vaters Leichenbegängniß,welches er jedoch mit kindlicher Frömmigkeit nochganz im Sinne des Verewigten anordnete und fei-erte, schaffte er den ganzen überflüssigen Hofstaat ab,und behielt für den Dienst seiner Person nur einenKammerherrn, 2 Pagen, 2 Kammerdiener, einigeReitknechte, 2 deutsche Köche, 1 Haushofmeister und1 Kellermeister. Auf gleiche Weise ward der Hof-staat der Königinn und der königlichen Kinder be-schränkt. Friedrich Wilhelm begnügte sich mitder Tafel eines wohlhabenden Edelmannes, und ließ