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3 (1842)
Entstehung
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ihm tief verehrte Mutter äußerte; ja er sprach esoffen aus, daß dieselbe Alles gethan habe, um ihnzu verziehen. So erzählte er, seine Frau Mut-ter habe ihn einst angetroffen, wie er den jungenHerzog von Kurland auf den Boden geworfen, undbeide Hände in dessen Haaren gehabt habe; anstattihn zu bestrafen, habe sie blos voll Wehmuth aus-gerufen:Mein lieber Sohn, was machen Sie da?"Ein anderes Mal hatte er den Unterhosmeister vonBrand von einer steinernen Treppe herabgestürzt,daß er sich den Hals verrenkt; es geschah wei-ter nichts, als daß dem Kronprinzen vor dem ver-sammelten Hofe vorgestellt wurde, er hätte es sollenbleiben lassen. Uebrigens bereuete er häusig die Aus-brüche seiner Heftigkeit, bat um Verzeihung und ver-sprach sich künftig zu bessern, (s. Bor. Bd. II. S. 178.)Die Königinn hatte unter diesen Umständenfür des 14jährigen Kronprinzen feinere Ausbildungden Wunsch, ihn eine Reise nach Holland machenzu lassen; er ward aber nicht erfüllt. Hieraufglaubte sie durch die erwachende Liebe seine aufwal-lende Heftigkeit mildern zu können und ertheilte ei-ner ihrer Hofdamen den bedenklichen Auftrag, demGrafen Dohna zu sagen:daß er den Lie-besneigungen des Kronprinzen nicht entgegen seinsollte, da die Liebe den Geist bilde und die Sittenmildere." Seine erste Neigung siel auf die jungeMarkgrasinn von Anspach, welche ihn jedoch, daer 5 Jahre jünger, als sie war, wie einen Knabenbehandelte und dadurch nachtheilig auf sein Gemüthund Betragen wirkte. Man urtheilte indessen zudieser Zeit sehr günstig über das äußere Erscheinendes Kronprinzen, und er gesiel den Fremden ebenso sehr durch seine männliche Gestalt und Haltungals»durch seine Freundlichkeit und Wißbegierde. SeineGewandtheit bewies er bereits 1700 bei einer Mas-kerade, wo er einen Taschenspieler vorstellte. Da-mals ward ihm auch das Vergnügen der Jagd ver-gönnt und ihm das Jagdschloß Wusterhausen,3 Meilen von Berlin, zum Sommeraufenthalt ein-geräumt, welches auch später sein Lieblingsort imHerbste war. Damit der Kronprinz die Einrich-tungen und Bedürfnisse des Heeres besser kennen,und seine schon erworbenen Kenntnisse im Großenanwenden lerne, gab ihm jetzt der König ein In-fanterie-Regiment und ernannte ihn zum Oberstendesselben. Seit dieser Zeit ließ ihn der König auch,um ihn mit der Staatsverwaltung vertraut zu ma-chen, an den Versammlungen des Staats- undKriegsrathes Theil nehmen. Mit gleicher Sorg-falt, wie bei seinen Kadetten, bekümmerte «sich um die Wirthschaft und Uebung seines Regi-mentes, und erkannte schon damals die Brauchbar-keit redlicher und sachverständiger Männer. DenAuditeur Ereuz wählte er sich als einen solchenzu seinem Sekretär. Die Stabskompagnie kam alsseine Garde nach Wusterhausen, und da war es,wo die Vorliebe für große Leute, welche er oft mitgroßen Summen anwerben ließ, zuerst in ihm er-wachte und sein ganzes Leben hindurch sein Stecken-pferd blieb. Mit diesen Werbungen war aber derkönigliche Vater unzufrieden und sie zogen dem Prin-zen manche Unannehmlichkeit zu; daher mußten sichdie großen Grenadiere während des Königs Anwe-senheit in Scheunen und Ställe verstecken. Auchmißsiel der Königinn das soldatische Wesen, welchesder Prinz von dem Grafen Dohna angenommen

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hatte, in einem solchen Grade, daß 1703 seineStelle dem Grafen Fink von Finkenstein über-tragen wurde, welcher sich dem Könige durch seinefeinere französische Bildung empfohlen hatte. End-lich kam auch 1704, auf Bitten der Königinn und desKronprinzen, bei der Anwesenheit Marlboroughsin Berlin, die Reise desselben nach Holland undEngland zur Ausführung. Mit schwerem Herzennahm sie indessen, ihr baldiges Dahinscheiden gleich-sam ahnend, von ihrem Liebling Abschied. Schonstand er im Begriff, mit dem Herzog von Marl-borough nach England überzusetzen, als er dietraurige Nachricht von dem Tode seiner Mutter zuHannover (den 1. Febr. 1705) erhielt, wohin sie sichzum Besuch begeben hatte, und sogleich trat er seineRückreise nach Berlin an, wo hierauf die feier-liche Bestattung mit einem Aufwande von 200,000Thlrn. Statt fand.

In demselben Jahre erwählte die Universitätzu Frankfurt a. d. Oder den Kronprinzen zu ihremRector, und da sie im April ihre 200jährige Ju-belfeier beging, so begab sich der König mit seinemganzen Hofe dahin und wohnte allen feierlichen Auf-zügen und Festlichkeiten bei. Von der UniversitätOxford empfing der Kronprinz damals auch den ju-ristischen Doctorhut. Nachdem dieser 1706 sein18. Lebensjahr angetreten hatte, verlobte ihn imJuni sein Vater mit der 19jahrigen PrinzessinnSophia Dorothea, Tochter Georg Ludwigs,Kurfürsten von Hannover und nachmaligen Königsvon England, dessen Vater, Herzog Ernst August,Vater der Mutter Friedrich Wilhelms war.Die Prinzessinn vereinte mit den Reizen körperlicherSchönheit auch alle Vorzüge des Geistes und Tu-genden des Herzens und war in jeder Hinsicht lie-benswürdig. Nach der feierlichen Verlobung be-gab sich der Kronprinz, in Begleitung des Gene-rals von Tettau zur Armee nach den Niederlan-den, und ward vom Herzog von Marlboroughim Lager vor Brüssel mit Auszeichnung empfangen.Er wohnte der Belagerung dieser Festung und derEinnahme von Menin bei, und erwarb sich durchMuth und Tapferkeit die Achtung des Feldherrn,der Ofsiciere und Soldaten. Gegen Ende des Feld-zuges reiste er dann über Hannover nach Berlin,wo im November die hochzeitlichen Feste 3 Wochenlang mit aller Pracht und jeglicher Lustbarkeit ge-feiert wurden. Sein Hofstaat ward so bedeutendvergrößert, daß die königliche Kammer in diesemJahre 38,397 Thlr. für ihn in Rechnung brachte.Noch vor Ablauf des Jahres wurde das königlicheHaus durch die Geburt eines Prinzen beglückt, deraber leider schon im Mai 1708 wieder starb. Zugleicher Zeit erkrankte auch der König sehr schwer,und mußte im Juni die Heilquellen in Karlsbadbrauchen. Da übertrug er dem Kronprinzen durcheine besondere Vollmacht die Geschäfte der Regierung,was demselben Gelegenheit gab, die ganze Staats-verwaltung und die dabei eingerissenen Mißbräuchegenau kennen zu lernen.

Im April 1709 ging der Kronprinz wieder zurArmee nach den Niederlanden, und der König gabihm in seiner Instruktion sprechende Beweise vondem Zutrauen, welches er zu seiner Einsicht in diepolitischen Verhältnisse, wie zu seiner politischen Cha-rakterfestigkeit hatte, und der Kronprinz rechtfertigtees durch die pünktlichste Besorgung aller Aufträge.