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3 (1842)
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3
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L

ihm um so leichter, je mehr der Prinz der allzu großenPracht^ mit welcher man ihn umgab, schon vonNatur abgeneigt war, und davon als Knabe im Scher;und Ernst nicht unzweideutige Beweise gab. Seinegroße Lockenperücke warf er gewöhnlich, wenn er vonder Cour kam, von sich und trat sie mit Füßen,ja einmal warf er sogar seinen neuen Schlaftockvon Bcocat ohne Weiteres in den brennenden Ka-min. Später machte er sich selbst mit den Perückender Kammerherren diesen Spaß. Als er einst Mehrerederselben, welche mit ihren Alongenperücken ge-schmückt waren, um den wärmenden Kamin imVorzimmer antraf, übergab er seine Stutzperücke,die er in der Uniform trug, dem Feuer mit denWorten:Ein Htt, wer es mir nicht nach-thut!" Und die erschrockenen Kammerherren brach-ten wirklich den gebieterischen Worten desselben ihretheuern Perücken zum Opfer. Um seine weißeGesichtsfarbe zu braunen, bestrick) er sich das Ge-sicht mit Oel und stellte sich dann in die Sonne.

Der Graf Dohna erhielt eine ausführlicheInstruktion über die Grundsätze, nach denen derKurfürst Friedrich seinen Nachfolger erzogen wis-sen wollte. Diese betraf zunächst die Bildung desGemüths zur Tugend und zum Abscheu des Lasters,so wie zu wahrer Gottesfurcht als der wirksamstenBewahrerinn vor dem Mißbrauche der souveränenMacht, mit Aufmunterung dazu durch die Beispieleguter und schlechter Fürsten, nebst Morgen- undAbendgebeten auf den Knien, Bibellesen, Erklärenund Auswendiglernen geeigneter Stellen, durch Unter-richt im Christenthum und in den Glaubensartikeln derreformirten Kirche, durch fleißiges Besuchen der Kirche,aufmerksames Anhören der Predigten, durch Ver-meidung alles verderblichen Umganges und endlichdurch Weckung einer edlen Ehr- und Ruhmbegierde.Auf gleiche Weise sollte dem Prinzen schuldige Ehr-furcht und williger Gehorsam gegen seine fürstlichenAeltern eingeflößt werden. Die wissenschaftlichenGegenstände waren die lateinische und französischeSprache, die allgemeine und besondere Geschichte,die Genealogie und Geographie, die Mathematiknebst Zeichnen, und endlich die Kriegswissenschaftenin Verbindung mit den nöthigen Uebungen in derWohlredenheit. Dabei sollte der Oberhofmeister fürdie Gesundheit, Kräftigung und Gewandtheit desKörpers Sorge tragen, den Prinzen des Morgensim Sommer um U, im Winter um 6.^ Uhr auf-stehen, und Abends um 9, längstens um IN Uhrzu Bette gehen und ihn niemals allein und ohnegute Aufsicht lassen. Um den Prinzen zum stetenFleiße aufzumuntern, sollten regelmäßige Prüfun-gen, selbst in Gegenwart des Kurfürsten, angestelltund seine Fortschritte durch Vergünstigungen oderGeschenke belohnt werden. Bei verhängten Strafensollte eine Milderung, oder Zurücknahme nur durchdes Oberhofmeisters Vermittelung eintreten, so wiedie Bedienung und der Hofstaat des Kurprinzeneinzig und allein von ihm abhängen. Die Be-stallung des Grafen Dohna ward mit einem glän-zenden Feste, in Gegenwart des ganzen Hofstaates,wobei der geheime Rath und Staatsminister Fuchseine französische Rede hielt, feierlich vollzogen. Durchdes Ministers Dankelmann Einfluß ward seinSohn Kammerjunker, und der Legations-SekretärCramer, ein gelehrter Mann, Lehrer des Kurprin-zen bis zum Sturze Dankelmanns, worauf durch

den Grafen Dohna der Franzose Rebeur an seineStelle kam, welcher aber durch seine Pedanterei demKurprinzen das Studium verleidete. Die Kur-fürstinn merkte sehr bald den Mißgriff, vermochteaber dennoch nicht Rebeur zu entfernen. Sie be-schäftigte sich daher selbst häusig in Lützenburgmit ihrem Sohne, und las fleißig mit ihm in Je-ne lons Telemach. In der Unterredung zeigteder Prinz eben so viel richtiges Urtheil als edlenSinn für das Gute. Für den höhern Umgangblieb die französische Sprache die Hauptsache: deutschhörte der Prinz nur von seiner Dienerschaft und aufdem Lande von den Bauern und Jägern. So wares ganz natürlich, daß er deutsch eben so wenigrichtig sprechen und schreiben lernte, als andre deutschePrinzen und Prinzessinnen jener Zeit. Uebrigensbeschäftigte er sich auch mit Malen und machte imTanzen solche Fortschritte, daß er mehrmals in denglänzenden Hofballeten mittanzen konnte.

Mit seiner Mutter und Großmutter machte er1699 eine Reise nach Holland, und blieb bei Wil-helm III. im Haag, während die Kurfürstinn dieBäder in Spaa und Aachen gebrauchte. Unter denvielen dort anwesenden jungen Fürsten gewann derKurprinz vor allen die Zuneigung Wilhelms, sei-nes Oheims, in einem solchen Grade, daß dieserschon damit umging, ihm die Thronfolge in Eng-land und die Erbstatchalterschaft in Holland zu ver-schaffen. Der Prinz selbst merkte diese Absicht des-selben und suchte sich daher seine Gunst immer mehrzu. erwerben. König Wilhelm wollte ihn schondamals mit nach London nehmen; der GrafDohnaaber, mit diesem Plane nicht bekannt und bei sei-ner schweren Verantwortlichkeit höchst besorgt, ver-eitelte ihn in der Ausführung, und brachte den Prin-zen sogleich wieder zur Kurfürstinn zurück. Hieraufbegleitete er seinen Vater zur Krönung nach Königs-berg und nahm an allen glänzenden ZeremonienTheil. Er empfing dabei vom Könige zuerst denRitterschlag als Ordens-Ritter des schwarzen Adlersund huldigte seinem königlichen Vater durch Knie-beugen.

Schon früh zeigte der Prinz eine entschiedeneNeigung zur Sparsamkeit, und er hielt seit 1698mit großer Ordnung ein Tagebuch über seine Ein-nahmen und Ausgaben. Die ersteren bestanden, au-ßer einer bestimmten Einnahme von 9270 Thlrn.seit 1699, aus den Geschenken in Dukaten, welcheer zum Geburtstage, zu Weihnachten und nach glück-lich überstandener Prüfung erhielt. Unter den letz-teren fanden sich häusige Unterstützungen der Ar-muth und Geschenke an Dienstleute, an Klopffechter,hüpfende schweizer Mägdlein, die kurfürstliche Schwei-zergarde und Engländer, welche ihre Nationaltänzeaufführten. Außerdem verwendete er viel aus eineKompagnie Kadetten, welche der König aus vorneh-men Knaben hatte errichten lassen, um ihm Lustam Kriegswesen beizubringen und Uebung im Erer-ziren zu verschaffen. Mit dieser paradirte der Kron-prinz besonders in Lützenburg nach der Rückkehr vonder Krönung. Hierauf erhielt er auch vom 14. April1791 an den ersten Reitunterricht auf der Reitbahnder königlichen Ritterakademie. Noch mehr alsdes Kronprinzen Sparsamkeit beunruhigte die Kö-niginn sein ungestümer Sinn; sah ihm aber ausübergroßer Zärtlichkeit zu viel nach, was der Kron-prinz später selbst in seinen Urtheilen über seine von