Die Jungfrau:
Nein, so ist's mir, wenn Du mich halst im Arm,Wenn Dich, mein Stern, dies Aug' kann glänzen sehen,Und wenn entzückt, an Deinem Herzen warm,Geliebte ■ Mann, die Sinne mir vergehen.
Der Jüngling:
O überirdisch' Glück, — o Himmelslust!Nun wieder hat der Sehnsucht Schmerz ein Ende,Halt' ich umschlungen Dich an meiner Brust,Schau in dies Auge, fass die lieben Hände!
Die Jungfrau:
Und dies Dein Auge, Freund, so klar, — so hell,Voll Jugendfeuer, — Jugendglanz, — so offen, —Das meines Daseins einz'ger Lebensquell,Wie tränkt es täglich mich mit Trost und Hoffen!
Der Jüngling:
So lass' denn Aug' in Aug' mit diesem BlickDer Liebe Labung uns gemeinsam trinken!Mag drob die Welt fernab, in's Nichts zurück,So weit sie mag, — rings um uns her versinken!
Sie hal en sich noch ein Weilchen umschlungen, während sanfteMusik ertönt Dann hört man draussen wieder Vogelstimmchen.
Der Jüngling:
Doch horch, Geliebte, horch! wie's schmettert draussen!Es rufet uns hinaus in Luft und Licht!Jetzt ist's nicht Zeit, im Schatten hier zu hausen,Der Frühling naht! — Sonn' meine, zög're nicht!
Die Jungfrau:
Der Frühling naht, sagst Du; er naht zu früh!Gieb acht, ob er zuletzt es nicht muss büssen!Ich weiss ein Lied, das saget, wann und wieOft tück'scher Winter straft solch frühes Grüssen!
Der Jüngling:
So singe mir das Lied! — ich lausche still,
Dass ich einsauge alle seine Töne!
Und lernbegierig ich erfahren will,
Ob je erliegen kann des Lenzes Schöne!
Die Jungfrau:
Nun denn vernimm, — ich will das Lied Dir singen!Doch zürne nicht, wenn's traurig sollte klingen!
Das Lied:
Da draussen im Walde, da treibt es und spriesst es,Aus knospenden Zweigen da klingt es und grüsst es:Der Frühling — der Frühling ist nah'!
Es winket und lachet von sonnigen Auen,Es strahlet herab von den Bergen, den blauen:Der Frühling — der Frühling ist da!