164 Kluge und nützliche Staatskunst, oder pol. Maximen.nerley weiß schadet und nachtheilig ist, weder sein eigenes Gewissen beschwe-ret, seinen Zustand aber bis auf den letzten Punct seiner zeitlichen Glückse-ligkeit hauptsächlich anbauen und befestigen kan? ja, diesen kan man billigeinen wahren Politicum oder rechten Weltklugen heissen.Ich sage allein zum Beschluß, daß dieses nicht die Grundregel vielerfalschen Weltleuthe und machiavellischen Partisanen sey, da sie nemlich nichtdie Tugend und ein aufrichtiges Gewissen zur Richtschnur ihrer Handlungenund Werken erwählen, sondern die ihren Glückszustand und Lebenslauf mitboßhaften Practiquen, arglistigen Künsten und verbothenen Streichen (un-ter dem scheinbaren Vorwand der Aufrichtigkeit und betrüglichen Larve derTugend) auszuführen suchen; die alles verrichten, es sey erlaubt oder ver-botten, es sey böß oder gut, billig oder unrecht; und die alle ihre Thaten inihrem unmäsigen Privat-Interesse oder Eigennutz stellen. Wann aber schonalles ihm zu gewissen Zeiten glückt, so pflegen doch ihre krumme Streich-eine unglückliche Endschaft zu nehmen. Das ärgste Gift der sinnlichenBegierden ist der unersättliche Gelthunger, der ungebührliche Eigennutz,und die grosse Gewinnsucht. Und diese verruchte Fehler mögen wohl die Ur-sach seyn, wodurch die meisten Menschen verlohren gehen.Wann aber also die zeitliche zergangliche Wohlfahrt, die sterblicheHocheit, die irrdischen Güter und alle Welteitelkeiten unsere Gemüther undBegierden also an sich ziehen; wie soll man dann nicht um das unvergänglicheunzerbrechliche ewige Gut trachten? und nach einer ewig=ewigfortdaurendenGlückseligkeit streben? Eben einem solchen kan man mit Grund vor den aller-klügesten Staatisten oder weisesten Politicum ansehen, welcher sich dieser christ-lichen Maximen vor allen andern bedienet. Darum soll ein sittlicher Staats-verständiger fromm und tugendsam seyn. Ich sage mit Fleis, frommund tugendsam, dann mit diesen zweyen Wörtern allein habe ich alles gesagt.Die Tugend, Frömmigkeit und guten Sitten sind die Folge und Verknüp-sung aller wahren Vollkommenheiten, und den Mittelpunct aller Glückselig-keit, denn sie machen die Menschen verständig, witzig, klug, aufmerksam, eingezogen, heldenmuthig, edel, glücklich, und bahnet ihnen den geraden Weg zurewigen Glückseligkeit, welches billig unser vornehmster Entzweck, ja unserebestandige Bemühung feyn solle. Dann eben nach aller Mühe, Leyd, Elend,Lust und Freude, ja nach aller zeitlichen Glückseligkeit kommt doch endlich dieZeit, die Stunde, und der fürchterliche Augenblick unserer Abreise in dasEwig-Ewige, so hat alsdann alles Glück und Ehre einE N D E.B&W
Druckschrift
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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