oder politische Maximen.163zu gründen, ja eine Freyheit zu prätendiren, ohne Documente aufzulegen.Eben warum solte ein aufrührischer Kopf einige Maximen in einem widri-gen, unrechten und weitlaͤuftigen Verstand nehmen [mich berufend auf allediejenigen, was in dem Vorbericht gesagt worden], da wir die Welt oh-nedem noch wenig kennen, folglich wir auch nicht gnug vor denen Nach-stellungen und Fallstricken vorsichtig seyn können. Ja, würde man michJa, würde man mich zornig machen, so wolte ich noch hinzu setzen, daßalles, was uns von den Eigenschaften und Beschaffenheiten der Welt undihrem Wesen bewust ist, ein Nichts seye, gegen dem, was wir noch nichtwissen. Ist diß aber nicht eine verdrießliche Sach? gewiß, es ist eine Lä-sterung gegen das ganze menschliche Geschlecht. Wir Menschen sind dieallervollkommensten Creaturen, und sollen die Welt [das ist, uns selbstenunter einander] nicht kennen. Wie! solten wir Menschen die Welt nichtkennen, da wir Menschen die Welt selbsten auf dieser Schaubühne vor-stellen und ausmachen?Haben dann nicht die alten Recht, deren ordentliche Rede ist, wannsie sagen: Jetzo ist die Zeit weit schlimmer, und die Welt mehr falschund boßhaft, als zu der Zeit, da wir jung waren? Hat nun dieses nichtallein in ihrer Einbildung Grund, so habe ich nicht zu viel gesagt, daß wirnemlich die Welt noch nicht nach ihrer wahren Beschaffenheit kennen, unddaß die meisten Listigkeiten, Verblendungen, Nachstellungen, Verführun-gen, Betrügereyen und Kunstgriffe uns noch unbekannt sind. Dieses alleszu probiren, bedarf ich keine Beweisgründe zu allegiren, da die tägliche Er-fahrung [bey vielerley Handlungen der Welt] unseren Satz bestättiget. Esist wohl wahr, daß die Zeit allezeit böse gewesen, dann nur in der Jugendläst man die Täge saus grosser Unachtsamkeit und Unbesonnenheit] ohneAufmerksamkeit vorbeyrauschen und hinlaufen, die man bey reifferen Jah-ren mehr betrachtet. Und hierauf eben gründet sich vermuthlich das Urtheider Alten, daß sie aber theils recht haben, will ich nicht in Zweifel ziehen.Nur was wir bey der Welt seltsam bemerken, ist, daß ein jeder mitEFleis sucht, die Zukunft seines Lebens auf eine gewisse Staffel der immer-währenden Befriedigung und Wohlseyn zu stellen; Aber wie? geschicht esnicht mehrentheils, was die Franzosen sagen: l'homme en esperant toû-jours d'avoir mieux; vit tant, qu'il devient vieux. Doch ist derjeni-ge klug gemug, welcher in der Welt einen spitzfindigen Gebrauch und einepolitische Lebensart besitzen kan, wodurch er zwar dem Nächsten auf kei-nerley.
Druckschrift
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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