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Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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116Kluge und nützliche Staatskunst,§. 93Es ist eine herrliche Sache, wenn man das Uebel von sich ab-zuweisen, und abzuwenden verstehet, und dieses ist eine Maxime vongrossen Nutzen, allen denjenigen, nemlich welche herrschen wollen.Ein Politicus hüte sich, daß er andere zu viel intereßire, insondersseine Freunde, indem es viel besser ist, nach meiner Meinung, daßandere uns verbunden sind und Dank wissen müssen, als daß wir an-dern grosse Obligation schuldig sind. Er suche, daß alle seine Werkeund Handlungen prävaliren und bey der Welt gelten können. Fer-ner soll man sich hüten, andere zu erhöhen, wenn man dadurch denUntergang seines eigenen Ruhms und Ansehens beförchtet. Es istauch eine grosse Vorsichtigkeit, daß man sich nicht an die Menschenbetriege, weilen sie uns meistentheils anders vorkommen, als sie ei-gentlich in sich beschaffen sind (§.73.); allein der spanische Staats-scribent GRACIAN hat hierinn wohl recht (wie ich schon oben ein glei-ches angemerket: §. 73.] wenn er spricht: daß es besser seye, sich andem Preise, als an der Waare selbsten betrogen zu haben. Grac.el oraculo y arte de prudencia. max. 157.94Es ist eine schöne Eigenschaft und löbliche Tugend, wenn mandie Narren dulten kan, ja eine grosse Weisheit. Es wird abereine grosse Gedult aller Thorheiten zu ertragen erfordert (§. 58. 90.);insonderheit von denen, welchen man in nichts verbunden ist. Da-her geschicht es, daß man von Freunden und Verwandten öfters vielleichter ihre Geckereyen, Thorheiten, Grobheiten und Insulten über-sehen muß, als von fremden und unbekannten. Indessen die Thor-heiten oder Boßheiten seyen so grob als sie nur mögen, so muß manmöglichst suchen, selbe zu verbeissen und zu simuliren (§. 57.); wennsie geschehen von denen, welchen man verknüpft oder verobligirt ist,und die Zeit und Gelegenheit mit Gedult erwarten, dessen Gemüthauf