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SIEGBUEG.
sind verschnittene und ungleiche Verzierungsstücke aufgenagelt, wie wir dies freilich auch
am Heriberlsschrein, am Benignusschrein und an der arca minor quadrata sahen.
Bemerkenswert!] ist dieser Schrein durch sein Alter: nach der Form der Basen und
Würfelcapitelle dürfte er der Zeit nach, zwischen die Tragaltäre und die grossen Schreine
zu stellen sein. 6 *
2. 2a. 2b.
Der jüngste und letzte der Siegburger Schreine ist der 4' 10" lange Kasten, worinsich einzelne Gebeine der Heiligen Apollinaris, Alexius und Winibaldus 62 befinden. Indemselben beruhen zwei Pergamenlurkunden, von denen die erstere aus dem Jahre 1394besagt, dass der Thesaurarius von Siegburg, Kutger von Elzfeld, aus der im Chore derKirche zu Kemagen stehenden Tumba des h. Apollinaris die Reliquien der vorgenanntendrei Heiligen nach Siegburg gebracht habe, woselbst sie der Abt Pilgrim von Drachenielsin einen Kasten verschluss und der Abt Wilhelm Spies von Büllesheim den jetzigen Schrein(huic nove capse) vom Magister Hermann von Aldendorp ums Jahr 1446 dafür anfertigen liess.
Wie die älteren Schreine besieht auch dieser aus einem mit vergoldeten Kupferplattenverkleideten Gehäuse von Holz. Die Nischen der vier Seiten sind nunmehr ihres ehemaligenSchmuckes beraubt, doch wissen wir, dass vorn der Bischof Apollinaris und der h. Alexiusin Pilgercoslüm standen, hinten ein knieender Abt, wol Wilhelm Spies von Büllesheim, mitdem Spruchband: Miserere mei deus, zu Füssen des die Jungfrau segnenden Heilandes an-gebracht war, zu beiden Seiten die Apostel, in deren Mitte einerseits ein Bischof, wolAnno, andererseits ein Abt, vielleicht Benedictus oder Pilgrim von Drachenfels, sich befanden. 63
Ausser dem durchbrochenen gothischen Kamme und neun Bergkrystallknäufen, den ver-zierenden Edelsteinen, Glasflüssen, silbervergoldeten Rosetten und Bändern (2b am Sockel),beanspruchen unsere Aufmerksamkeit jene, in den Hintergründen der Schmalseiten und aufden Dachflächen durch aufgelegte und vermittelst der Eckrosetten befestigten Bänder, rautenförmigeonstruirten Felder mit den abwechselnden getriebenen Figuren des Doppeladlers und derfranzösischen Lilie (2a). Vielleicht bezeichnen dieselben die Wappenfiguren der Donatoren. 64
61. Was zu der Tradition passt, Anno habe die Eeliquien des h. Honoratus nach Siegburggebracht. Die verschiedenen Eeliquien dieses Schreines befinden sich hauptsächlich insieben kleineren Büchsen, von denen die ältesten mit orientalischen Geweben überzogenund dadurch interessant sind, dass sie, ähnlich den Bullen der Urkunden, runde Löcherim Boden zeigen, -welche zum Durchlass von Schnüren bestimmt scheinen, an denen in-wärts die Eeliquien, auswärts die bezeugenden Siegel der Vergeber derselben befestigtwaren. Unseres Wissens sind bisher ähnlich eingerichtete Eeliquiare nicht beobachtet wor-den. Wir werden dieselben in den Supplementen unseres Werkes nebst den in den Sieg-burger Schreinen vorfindlichen Geweben publiciren. Der Honoratusschrein bewahrt einsolches, einen orientalischen Purpur mit gegenüberstehenden gelben Elephanten.
62. Gelenius, p. 748, über IV. Fasti Dec. 18.
63. Sebastianus, p. 47.
64. Eine ähnliche rautenförmige Feldertheilung zeigt der Sebaldusschrein und derjenige derEeichsreliquien im germanischen Museum zu Nürnberg; vergl. Anzeiger der deutschenVorzeit 1861, Beil. zu Nr. 12.— Auch im Appollinaris-Schreine befinden sich vier älterefigurirte Gewebe.