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SIEGBURG.
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Taf. XLV.
Schrein, enthaltend die Gebeine des h. Anno, Gründers der Abtei Siegburg. Derselbe,dem etwas altern Heribertschrein in der üblichen rechteckigen Sarcophagform mit einemGiebeldache gleich gebildet, hat eine Länge von 5' , eine Breite von 16" und eineGesammthöhe von 2' 4".
Leider erscheint dieses wol einst herrlichste Werk der romanischen Goldschmiedekunstdurch die an ihm im vorigen Jahrhundert geschehene Beraubung des grössten Theiles seinesSchmuckes nur noch als eine Ruine ehemaliger Pracht. Sämmllichen die vier Wände um-gebenden Nischen mangeln ihre Statuen, den Dachseiten ihre bildlichen Darstellungen, 9und selbst ein Theil der Inschriften ist abgerissen worden, so dass wir jetzt kaum mehrals das den hölzernen Sarg umgebende prächtige Gerüste besitzen. Auf einem vortre-tenden Fusse erhebt sich dasselbe , an jeder Langseile sechs kleinere von Dreibogen über-wölbte Nischen, an den Schmalseiten eine grössere derselben, auf jeder Dachseite fünf Felderbildend. An den vier Ecken formiren vier Pfeiler mit Edelsteinen und Filigranverzierung,verbunden mit den beiderseits anstossenden Säulen der Bogennischen, kräftige Träger. Alledie Nischen trennenden Säulen bestehen aus emaillirten Schäften der verschiedensten Farbenund Muster, vergoldeten Basen mit Eckblältern, vortrefflich ciselirten Capilellen vergoldetenGusses mit phantastisch gebildeten Pflanzen- und Thier-Ornamenten (Taf. XLIV. 2). Einin vergoldetem Silber getriebenes, durch Blatt-Ornamente verziertes Band, das auch die Ab-schrägungen unter und über den vier Wänden des Schreines deckt, bekleidet die innernBogenwölbungen, deren äussere Flächen vergoldete Inschriften in blauem Emaillegrunde ein-nehmen, welche den ehemals in den Nischen befindlichen Statuetten entsprechen.
Wir theilen diese Inschriften mit, wie sie sich nunmehr noch am Schreine befinden,indem wir eingeklammert die verlorenen Theile derselben nach frühern Abschriften ergänzen.* °
Die Vorderseile zeigte ehemals die Gestalt Anno's, umgeben von zwei Engeln, dasModell der Abteikirche in der Rechten hallend. Darüber in den Medaillons in HalbfigurenGolt Vater, mit der Rechten segnend, in der Linken ein Buch tragend, und symbolischeHier steht dieses Distichon:
Alme Paler Patriae, plebem sacer Anno tuereQuosque foves membris, his fer opem meritis. 11
Auf der gegenüberstehenden Seite stand nach Gelenius der Erzengel Michael, dem die
Engelfiguren
9. Die leeren Flächen dieses wie der andern Schreine sind jetzt mit hunt unterlegten Glas-scheihen ausgefüllt.
10. Die älteste Abschrift der Inschriften befindet sich in Gelenius Farragines Band XL p. 515»aus -welchen sie Alfter in seinem Sammelwerke (Nr. XLVIH. Blatt 101 ff.) abschrieb.Von Alfter entnahm sie Hüpsch: Epigrammatophie n, p. 12. — Die Abschriften, welcheMüller, Organ für christl. Kunst, 1856, p. 128, zu Bock's geringfügigen und thatsächliehvielfach unrichtigen Mittheilungen im Organ 1853 gab, entstammen dem Anmerk. 8 an-führten Büchlein des Minoriten Sebastianus.
11. So das Original; Gelenius 1. c. hat „miseris".