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AACHEN.
stets so bewusst und unterschiedlich von der lombardischen corona ferrea in Mailand undder grösseren jetzt in Wien befindlichen Kaiserkrone als Corona argentea aufgefasst undgenannt worden, so würde dieser Bedeutung gegenüber der Richard'sche Hof sich weder inUnkenntniss befunden haben, als er anstatt einer corona argentea eine Corona aurea anferti-gen Iiess, noch der Verfasser der Urkunde sich solch gewichtigen Irrthuras schuldig machen,die von Richard nach Aachen geschenkte corona argentea ausdrücklich eine corona aureazu nennen, falls sie keine solche gewesen wäre. Zudem kann auch hier von keinem Irrthumdie Rede sein; denn es kennt das Mittelalter und auch die Urkunde ganz wol den Unterschiedvon aurea und deaurata, wenn auch oberflächlicher Weise manches vergoldete Kunstwerkgolden genannt wird. Wilhelm's von Holland Krone wird auch silbern genannt, und werwürde desshalh glauben, dass sie darum gar nicht vergoldet gewesen wäre. Aber oberfläch-liches Hinweggehen über Richard's Krone können wir eben dem Verfasser der sorglichenRichard'schen Urkunde nicht vorwerfen. Er sagt: coronain auream cum rubiuis smaragdissalfiris margaritis et aliis preciosissimis lapidibus pulcherrime ornatam. Et unum par Rega-lium vestium de armis suis cum uno seeptro et uno pomo deauratis etc., und bestimmtdann, wer alles mit Aufsicht und Siegel dafür einstehen solle. Wenn nun dieser Verfassergenau die Steine der Krone angibt, zwischen der corona aurea und seeptrum et pomumdeauratum in einem Satze so genau unterscheidet, so kann man ihm nicht zumuthen, dasser die vergoldete Krone nur nach dem goldigen Aussehen schlechtweg eine goldene genannthabe. Erhebt aber der Unterschied, den die Urkunde zwischen corona aurea und demseeptrum deauratum macht, es zur Gewissheit, dass Richard's Krone eine goldene undkeine corona argentea war, so kann ihm auch unsere Krone nicht angehören und beiRichard's Krönung überhaupt von keiner Corona argentea die Rede mehr sein. Wir werdendesshalb glauben, dass unsere Krone nicht die goldene Krone Richard's, sondern die silberneWilhelm's von Holland sei. Diese Krone, wie diejenige Richard's, konnten aber für dieReichs-insignien nicht von Redeutung sein. Letztere waren wohlverwahrt vorhanden und litten unterdiesen beiden Herrschern keinen Schaden. Die Krone, womit die Kaiser vor Wilhelm undRichard in Aachen gekrönt wurden, wird auch nachher, soweit Partheiungen es nicht verhin-derten, zur Krönung gedient haben. Und schwerlich hat desshalb unsere Krone mehr als einHaupt gekrönt — denn der auf Wilhelm und Richard folgende Rudolf war schon wieder imResilze der echten Reichsinsignien — es sei denn_ das Carls des Grossen, welches sie gewiss
höhler Haltbarkeit in die carolingische Krone habe fügen lassen. So schätzenswcrlli dieChronisten sein mögen, so gefährlich ist ihre Benutzung ohne jedesmalige historische Kritik.Ist doch auch der Glaube gang und gebe gewesen, die Reichsinsignien rührten aus demGrabe Carl's her, obgleich es im Leben Ludwig's d. Fr. vom Astronomus, c. 27, heisst, dassCarl Alles, was zum königl. Schmucke gehörte, dem folgenden Gescblechtc überHess und so-mit gar nicht mit ins Grab bekam, c. 63 vermacht dann Ludwig d. Fr. die Insignien anseine Nachkommen. Und dass die Insignien, welche Otto 111. besass und deren Heinrich It.sich bemächtigte, nicht die aus dem Grabe waren, stellt so lange fest, als man nicht Ottov. Lanmel's Zeugniss über die Graböfl'nung, wonach Otto III. Alles im Grabe bcliess, umstösst.