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GERRESHEIM.
4.
Buchdeckel einer Pergamenthandschrift der Lectiones quatuor evangeliorum aus derAbtei S. Trou im Luxemburgischen, jetzt in dem Landesarchiv zu Düsseldorf aus dem Anfang des13ten Jahrhunderts. Der mittlere Theil zeigt uns in getriebenem Kupferbleche auf einer IIolz-unterlage die in so früher Zeit seltene Darstellung des jüngsten Gerichtes. Christus erscheintmit zornigem Ausdrucke auf dem Himmelsbogen ruhend, die Bösen und Guten mit denWorten trennend: Venite benedicti patris mei! Discedite a me malcdicti in ignem aeternum.Ueber ihm heben zwei Posaunenengel, von denen einer zerstört, das Gericht an. Aus ihrenPosaunen scheint Feuer zu strömen. Die Menge derer, welche unten das Gericht abwarten,ist wenig charakterisirt, die Arbeit überhaupt ziemlich roh. Getrennt durch ziemlich breiteStege vergoldeten Kupfers umgeben diese Mitteldarstellung die Brustbilder der zwölf Apostelund die Symbole der vier Evangelisten in email champleve. Die Figuren und Inschriftenwerden aus dem stehengebliebenen vergoldeten Rupfer gebildet, die Hintergründe sind blauoder grün, die Schriflbänder und Gewänder meist weiss.
GERRESHEIM,
ein berühmtes im Jahre 870 von Gericus und seiner Tochter Begenbierg gegründetes adelichesDamenstift bei Düsseldorf, dessen Gründung wir urkundlich aus der auf dem Concil 874 zuCöln stattgefundenen Bestätigung 1 und einer Urkunde kennen, worin die Stifterin ihr ganzesErbgut als Schenkung darbringt. 2 Der erste Kirchenbau muss rasch dem Untergange ver-fallen sein; denn wir erfahren 970 schon von einer Weihe der erneuerten Kirchen- undKlostergebäude. 3 Dass es dem Stifte in jener frommen Zeit an Schenkungen nicht fehlte,dürfen wir aus der reichen Entwickelung der vielen andern Stiftungen schliessen; wie diesehatte es seinen Vogt zur Begelung der Bechtspflege und übte das Patronat über mancheKirchen. 4 Besonderen Beichthum zog das Stift aus seinen Zollgerechtsamen und es rnussbis zum 14. Jahrhundert in einer Zunahme dieses Beichthumes gebliehen sein; denn im13. Jahrhundert entstand jene herrliche im spätromanischen Stile gebaute jetzige Stiftskircheund in derselben Zeit ist aus den Umwohnern bereits eine städtische Zusammengehörigkeitgeworden. 5 Wie gerade der Beichthum im 16. Jahrhundert die Demoralisation der Klösterherbeiführte, so wird auch in Gerresheim der arge Zustand daraus erwachsen sein, der denVisitator, den päpstlichen Nuntius Gröpper, 1574 mit Entsetzen erfüllte.'• Agnes von Mans-feld, die Geliebte Gebhard's Truchsess, war Nonne zu Gerresheim.
1. Harzheim, conc. germ. tom. II. p. 361. Ledeb., Archiv. V. p. 298.
2. Lac. I. 68.-
3. Lac. I. 111.
4. Lac. II. 62. 63. 78. 928. I. 67. III. 18. 169.
5. Lac. II. 649. Die Kirche erhält noch eine besondere Bedeutung durch ihre ausserordentliche
Aehnlichkeit mit derjenigen zu Werden.
6. von Mering, Geschichte der Burgen, Rittergüter, Abteien etc. 10. Heft. p. 114.