Druckschrift 
2 = Abth. 1, Bildnerei (1860)
Entstehung
Seite
36
Einzelbild herunterladen
 

36

ESSEN.

ist mit Edelsteinen, Filigran und auf der Querstange mit einigen Emaillentäfelehen (emailcloisonne) verziert. Die Spitze der Schwertscheide ist, wahrscheinlich zum Schutze be-schädigter Stellen, wie denn auch die Scheide an andern Stellen beschädigt und eingedrückterscheint, mit späteren, der gothischen Zeit angehörenden vergoldeten Silberblechen beschlagen.Auf den untern Beschlägen erscheinen einerseits in gravirter Arbeit mit NamensbeischriftenCosmas und Damianus, andererseits ein Schriftband mit den Worten: gladius cü quo fuerütdecollati pront not, zu lesen: gladius cum quo fuerunt decollati palroni nostri. Die Längeder Scheide beträgt 2' 1", die des Griffes 5". Besondere Erwähnung verdient es noch, •dass dem Künstler dieser herrlichen Schwert-Scheide wohl einige der Arabesken des EssenerLeuchters (Taf. XXVIII C.) vorgeschwebt zu haben scheinen.

Tafel XXVIII.

Siebenarmiger Bronzeleuchter vom Schlüsse des ersten oder vom Anfange des zweitenJahrtausends, in der symbolischen Form des siebenarmigen Leuchters im Tempel zu Jerusalem.Die Höbe des Leuchters beträgt ohne den marmornen Sockel, auf welchem er sich befindet,8' 2". Der ottonisch-byzantinischen Geschmacksrichtung glanzvoller Pracht entsprach auchdieses vollendeteste Werk des Erzgusses jener Zeit, indem sich Spuren ehemaliger Vergoldungentdecken lassen, und es wohl keinem Zweifel unterliegt, dass die an einzelnen Knäufen her-vorstehenden Zungen (siehe a) dazu dienten, grosse Edelsteine oder Glasflüsse aufzunehmen.Wenngleich die Vollendung der Formen einerseits, andererseits der fast an maurische Vor-bilder erinnernde Stimmig der Blätter 62 (siebe a u. b) Bedenken erregen, ein so vollende-tes Werk des Erzgusses in so früher Zeit entstehen zu lassen, so verschwinden dieselbendoch, wenn wir aufs Neue in Erinnerung bringen, dass Essen von Hildesheim aus gestiftetward, in Hildesheim aber zur selben Zeit Bischof Bernward die Kunst Metalle zu schmelzenund zu bearbeiten auf eine Hölfe brachte, welche die Bewunderung seiner Zeitgenossen her-vorrief' 3 und bei Anschauung der noch in Hildesheim befindlichen Werke jener Zeit unserhöchstes Erstaunen erregt. 64 Wird dadurch die Zeitstellung dieses Gusswerkes weniger un-erklärlich, so gewährt doch auch der Vergleich einzelner Arabesken unseres Leuchters bei Cmit den Arabesken der in Hildesheim befindlichen kleinen Leuchter Rernwards 65 und denSculpturen in der Michaeliskirche daselbst thatsächliche Anhaltspunkte der Gleichzeitigkeit.Ueberdies ist auch kein Grund vorhanden, die um den untersten Knauf herumlaufende In-schrift anzuzweifeln. Sie lautet:

E<MAH , BILDABBffnSSÄ-MEFIERIIVSSlTETXZPCO^«3

G2. So sehr die Blauformen an sarazenische Motive erinnern, darf man doch auch nicht unberücksich-tigt lassen, dass an den Säulen der Crypta, die v. Quast in seiner bereits angeführten Ab-handlung mitgetheilt, ähnliche Blattformen vorkommen. Wie auch anderwärts, z. B. oslr.Jahrb. II. 209.

63. Leben Bernwards, p. 10, herausgegeben und übersetzt von II. Hüfler, in den Geschichtsschreiberndeutscher Vorzeit. Berlin, Franz Duncker. 27. Lieferung.

G4. Schhaase IV. 506—509. Kratz: Der Dom zu Hildesheim 18-10.

65. Kratz: Taf. 4.

I