18
KEMPEN.
Stabwerk mit Bändern aufgehangen gedacht, und wiederholen sich im oberen Theile derbeiden Wangenstücke, getragen von einem Engel unter dem mittelsten Baldachin, und be-schränkt auf das Kreuz des Kempener Wappens in den oberen Ecken des Mittelfeldes dervorderen Ansicht der Bückwand.
2. 2a. 2b. 2c. 2d. u. 3 — 39.
Wenn der im Vorigen beschriebene Celebrantenstuhl von Kempen als das grössteMeisterwerk der Calcarer Holzschnitzschule ausgegeben werden muss, so sind auch die Kem-pener Chorstühle, von deren zwei gegenüberstehenden Doppelreihen wir in dieser Abbildungeine vor uns sehen, besonders ausgezeichnet vor allen anderen. Die beiden Gestühlc entspre-chen sich bis auf die Verschiedenheit des Bildwerkes ganz genau, sind U' 6" hoch und12' 3" lang und in Eichenholz geschnitzt. Die Hinterwände bestehen aus durchbrochenemStabwerk, werden oben von den reichgeschnitzten Baldachinen überragt und seitwärts vonWangenstücken geschlossen, deren Aussenseiten sich wie beim Celebrantenstuhl an die Kirchen-pfeiler lehnen und deshalb nur von Innen künstlerischen Schmuck haben. Die Wangen-stücke der Hinterwand der Chorstühle unserer Abbildung 2. finden wir bei 2 a. ausgestattetmit den Statuen der Heiligen Hubertus und Cornelius. Die Wangenstücke der vorderenSitzreihe bei 2b, bekrönt von wappentragenden Engeln, enthalten die Figuren des S. Victorund des S. Antonius. Die beiden Statuen der hinteren Wangenstücke der nicht abgebilde-ten Doppelreihe finden wir bei 2c; es sind die Heiligen Ilieronymus und Gregorius; Augu-stinus und Ambrosius bei 2d gehören den vorderen Wangenstücken dieser Chorstühle an,welche, wie die bei 2 b von Engeln, die Wappenschilde tragen, bekrönt werden. Zwei dieserWappenschilder zeigen das Kempener Wappen, zwei Leidenswerkzeuge.
Den interessantesten Theil der Kempener Chorstühle bilden, wie auch bei den bereitsbesprochenen, die Consolen der Sitzbretter und die Beiter der Armlehnen. Sie lassen sich inder Anschauungsweise der Thierfabel in derber Weise über die Gebrechen und Laster der Cleri-ker aus, und zwar in gleicher Art, wie dies bei den Chorstühlen von Emmerich, Cleve undCalcar der Fall war. 9 Auch hier finden wir wie dort Storch und Fuchs aus dem Topfeund von dem Teller speisend (die vierte Console der Totalansicht und 4.); die Katze,neben welcher die Schelle liegt, um die Mäuse herbei zu locken (3); ein altes Weib amBackofen (6); einen Mann, der Blumen unter die Säue wirft (18); den Fuchs, der den Entennachschwimmt (16) und endlich den Mann, der Eier drischt (5). Wir waren bei der Erklä-
9. Die Herleilung der Satire aus bestimmten Tliatsachen, wie dies heim Eierdreschen der Fall ist, diedurch den Reineke Fuchs festgestellten Deutungen der Momente, hei welchen der Fuchsauftritt, und der Augenschein setzen es ausser Zweifel, dass die rheinischen Chorsliihle nurvom Standpunkte der Satire erklärt werden dürfen. So sicher man in der Zeit des roma-nischen Stils die Thiervorstellungen symbolisch auffasste, so wenig wird man ihre satirischeAulfassung im 1 ölen Jahrh. läugnen können. Vergl. Text zu Taf. IV, VII und XV, wie Ottein Förstern. Mitthl. VI. Heft I. 48. Cibrario Economia polit. del medio aevo I. 175.Hurler: InnocenzIV. 192 und Steinbilder an golh. Bauten, im Organ für chrisll. Kunst. 185S.No. 3