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X. Kapitel: Kriegs-Psychosen.
Band Vil-
li au-fendeNo.
1.
XCVL
XdVIT.
XCVIII.
Charge.
Alter zur Zeit
des Krieges.
Civilberuf.
Reservist.
27 Jahre.
Zimmermann.
Anamnestische Daten.
Hereditäre
und individuelle
prädisponirende
Momente.
3.
Erbliche Anlage nichtnachweisbar.
Machte die Feldzügevon 1866 und 1870/71mit, arbeitete danneinige Monate in Russ-land und kehrte imNovember 1871 zuseinen Eltern zurück.
Zeit,
zu welcher die
Geistesstörung
unzweifelhaft
hervortrat.
4.
Sommer 1872.
Krankengeschichte.
5.
Nach der Rückkehr aus Russlaud fiel seinenEltern sofort eine Veränderung in seinem seelischenVerhalten auf. Sein Zusiand war wechselnd, ver-schlimmerte sich aber mit der Zeit immer mehr, sodass im August 1872 seine Aufnahme in eine Irren-Anstalt geboten erschien. Hier bestand anfangsDepression bis zu völliger Apathie, dann tratnach einigen Monaten ein relativ freierer Zustandein, er beschäftigte sich mit etwas Tischlerei, war zu-gänglicher. Diese Besserung war jedoch nur vonkurzer Dauer. Bald traten Wahnvorstellungen inverstärktem Maasse hervor, er verweigerte dieNahrung, blieb im Bette, weil er glaubte, zu schwach zum Aufstehen zu sein. Ende des Jahres 1873 folgte ein Zu-stand heftiger Erregung. Er zertrümmerte, was er erreichen konnte, wurde feindselig gegen seine Umgebung. Da-bei war er sehr verwirrt; die geistige Schwäche nahm sehr schnell zu. In die Mittheilungen über seinemelancholischen Wahnvorstellungen mischte er Ereignisse aus dem Feldzuge hinein, schauerliche Begräbnisse, Scenenvon den Schlachtfeldern, Furcht vor den Gefallenen, welche nicht ordentlich begraben seien und ihn verfolgen.
Ausgang.
Be-merkungen.
6. "
Hauptmann.30 Jahre.
Unbekannt.
Bis zum Kriege undwährend desselben ge-sund.
Sommer 1873.
Gleich nach der Rückkehr aus dem Felde fielan ihm übergrosse Redseligkeit auf. Im Sommer1873 trat psychische Alteration unzweifelhaft hervor.Da Pat. immer aufgeregter wurde und Grössen-wahn erkennen Hess, wurde er in eine Irren-Anstaltgebracht. Dort verblieb er 4 Monate. Nach seinerRückkehr in die Garnison erschien er anfangs auf-geregt, bald aber verfiel er in Melancholie. Im-----------------
Herbst fing er an, heiterer zu werden, im Oktober meldete er sich wieder gesund und schien so völlig geheilt, dasser im März 1875 unter allseitiger Zustimmung heirathete. Auch im Sommer 1875, namentlich nach einem 6wöchent-lichen Aufenthalt in einem klimatischen Kurort, schien keine Spur der früheren Krankheit mehr vorhanden zu sein.Im Beginn des Winters 1875/76 klagte er über dumpfen Kopfschmerz, verlor das Selbstvertrauen, erschiendeprimirt, sein Ideenkreis wurde beschränkt. Einige Zeit darauf wurde er erst heiter, dann aufgeregt,Zeichen von Grössenwahn traten wieder auf, Tobsuchtsanfälle stellten sich ein. Als er aus dem Dienste schied,wurde sein Leiden als voraussichtlich zur Paralyse führend angesehen.
Feuerwerks-lieutenant.
32 Jahre.
Aus gesunder Familie.
Bis November 1870 imVollbesitze körper-licher und geistigerGesundheit.
Frühjahr1875.
Als Pat. im November 1870 bei dem Munitions- Dementiapark der Belagerungs-Artillerie vor Paris mit an- paraly-strengender Thätigkeit betraut ward, fiel es allmälig tica.auf, dass wenn die Verhältnisse drängend wurden,ihm zuweilen die nöthige Klarheit und Be-stimmtheit fehlte. Man hielt dies damals für eineFolge geistiger Ueberanstrengung. Als er nach Be-endigung des Feldzuges zu seiner Frau zurückkehrte,bemerkte diese sofort eine erhebliche Veränderungan ihm: seine Sprache war auffallend lang-sam, er war vergesslich, unmotivirt heftig, nachlässig im Dienst und in der äusseren Haltung.Dabei klagte er über rheumatische Schmerzen in den Beinen. Der Arzt, welcher ihn unmittelbar nach dem Kriegean den Pocken behandelte, bemerkte Ungleichheit der Pupillen, schwere Sprache, Vergesslichkeit, selbstin Bezug auf die gewöhnlichsten Dinge und erklärte die als rheumatisch geschilderten Schmerzen für neuralgische.Eine Badekur zu Warmbrunn blieb ohne Erfolg. Im Winter 1871/72 machte Pat. auf seine Vorgesetzten den Eindruck,dass seine Geisteskräfte, insbesondere sein Gedächtniss abnähmen. Im Frühjahr 1873 fiel Schwerfälligkeit im Denkenund Energielosigkeit im Handeln auf. Allmälig zeigte sich eine stetig zunehmende Gedächtnissschwäche, ver-bunden mit häufigen Schwindelanfällen, grosser geistiger Abspannung und schweren Artikulationsstörungen.Im Frühjahr 1875 hatten sich alle Symptome so gesteigert, dass er zur ferneren dienstlichen Thätigkeit unfähig war.Im April 1875 machten Tobsuchtsanfälle die Ueberführung in eine Irren-Anstalt erforderlich.
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