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X. Kapitel: Kriegs-Psychosen.
Band VII.
Lau-fende
No.
1.
Charge.
Alter zur Zeit
des Krieges.
Civilberuf.
lxxxvii.
Proviantamts-koutroleur.
Anamnestisehe Daten.
Hereditäre
und individuelle
prädisponirende
Momente.
3.
Zeit,
zu welcher die
Geistesstörung
unzweifelhaft
hervortrat.
4.
Krankengeschichte.
Ausgang.
Be-merkungen.
I
I
Soweit bekannt, ausgesunder Familie, vonheiterem Temperament.
LXXXVI1I.
Musketier.26 Jahre.
Sommer 1871.
Schon im Februar 1871 klagte Pat. über grosse Er-mattung, Kopfschmerz und sah leidend aus. Einenihm zur Erholung Ende April 1871 ertheilten Urlaubin die Heimath konnte er nicht ausnutzen, da erschon Anfang Mai zurückberufen und zu neuer an-strengender Thätigkeit beordert wurde. Im Juni 1871kehrte er aus Frankreich zurück, abgemagert, schlaff,schwerfällig, reizbar in der Stimmung. Nach undnach nahmen seine geistigen Fähigkeiten ab.Auch trat eine linksseitige Augenmuskellähmungein. Er unterzog sich langdauernder ärztlicher Be-handlung, versuchte im Januar 1873 wieder Dienstzu thun, erwies sich aber als körperlich und geistigunfähig dazu. Es traten Ha llucinationen und Ver-folgungswahn auf, die Geisteskraft erloschimmer mehr, auch somatisch kam der Patient sicht-lich herunter.
Aus gesunder Familie.
Vor dem Kriege einwohlgenährter, kräf-tiger Mann, ruhigenTemperaments, ohnehervorstechende Nei-gungen. War niemalserheblich krank, demAlkohol nicht ergeben.Machte die Feldzügevon 1866 und 1870/71mit.
1872.
Erst im Frühjahr 1872 fiel seinen Angehörigensein verändertes Wesen auf, welches zur Aufnahmein eine Irren-Anstalt führte, in der er bis zum Jahre1877 verblieb. Seine Vorstellungen bewegten sichzum Theil um Eindrücke aus dem letzten Feldzuge,die darauf schliessen liessen, dass er sich zurück-gesetzt und Anrecht auf eine Dekoration zu habenglaubte. Nach der Entlassung aus der Irren-Anstaltlebte er still für sich, ohne geselligen Verkehr zusuchen, unthätig, gleichgiltig gegen seine An-gehörigen und früheren Freunde. Seine Gleich-giltigkeit steigerte sich zu Misstrauen, sein Ver-sinken in sich zu Mangel an Aufmerksamkeit undGedächtnissschwäche. Zugleich mit diesen psy-
Tod im Juli1873 an
Masern.
chischen Veränderungen gingen körperliche Krank-heitssymptome Hand in Hand, der Appetit verlor sich, die Nächte wurden schlaflos, das ganze Aussehen wurde krank-haft; eine Depression der höheren geistigen Thätigkeiten bildete sich immer mehr aus. Im Jahre 1884 zeigte sich Pat.als ein untersetzt gebauter Mann mit ziemlich gut entwickelter, jedoch schlaffer Muskulatur und massigem Fettpolster.Aeusserlich wahrnehmbare Fehler waren neben geringer Elastizität der Haut und stärkerer Krümmung der Mittel- undkleinen Finger jeder Hand nicht vorhanden. Die Gesichtsfarbe war blass, fahl und gelblich, der Gesichtsausdruck mattund apathisch, der Blick gedankenlos und unsicher. Der Gesammteindruck war der eines geistig sehr beschränktenMenschen, wenn er auch auf die ihm vorgelegten Fragen sachgemäss antwortete. Hierbei befleissigte er sich möglichsterKürze, so dass Alles über sein Vorleben ihm abgefragt werden musste, er ging von selbst nicht aus sich heraus undsprach nicht in erzählender Weise zusammenhängende Sätze. Es ist nicht zu bemerken, dass die Erinnerung an seinefrüheren Erlebnisse und die Personen, die ihm früher nahe standen, auch nicht die Erwähnung seines im Feldzugegefallenen Bruders sowie auch nicht Gespräche über seinen jetzigen Zustand und den Zweck der Untersuchung ihnaus seiner Apathie aufwecken und ein regeres Interesse bei ihm hervorriefen.