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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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467
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Bund VII. IV. Geistesstörung ohne nachweisbares Vorausgehen einer bestimmt en körperlichen oder geistigen Einwirkung.

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Lau-fende

No.

1.

Charge.

Alter zur Zeit

des Krieges.

Civilberuf.

Anamnestische Daten.

Hereditäre

und individuelle

prädisponirende

Momente.

LXXXV.

Unteroffizier.27 Jahre.

Erbliche Anlage nichtnachweisbar.

Versuchte, das Prä-paranden - Examen zumachen; als dies miss-glückte, meldete er sich1862 zum Eintritt inden Militärdienst. Nachfünfjähriger Dienstzeitkehrte er nach Hausezurück, machte einenvergeblichen Versuch,Invalidenbenefizien zuerhalten auf Grundeiner angeblichen Er-krankung im Feldzuge1866 und blieb dannbis zuseiner Einziehungim Jahre 1870 bei einerEisenbahn beschäftigt.

Zeit,

zu welcher die

Geistesstörung

unzweifelhaft

hervortrat.

Während desKrieges.

Krankengeschichte.

LXXXVI.

Wehrmann.

32 Jahre.Arbeiter.

Erbliche Anlage nichtnachweisbar.

Verheirathet, Vaterzweier gesunder Kinder.Soll stets fleissig, spar-sam und friedlich ge-wesen sein.

Die ersten Symptome psychischer Erkrankungsollen sich auf einem Marsche gezeigt haben. Ausdem Feldlazareth, in welchem Pat. Aufnahme fand,wird der Zustand dahin geschildert, dass er mitweit geöffneten Augen, stierem Blick, starren Pu-pillen und festgeschlossenem Munde auf der Seiteliege, die Hände wie zum Beten gefaltet, der Pulsklein und zitternd, die Haut kühl, in der Gegenddes linken Auges Blutunterlaufungen, die Konjunk-tiven gelblich-grün. Er antwortete auf keineFrage, nahm fünf Tage lang weder Speisenoch Trank zu sich, schlief gar nicht, auch fehltenwährend dieser Zeit die natürlichen Entleerungen.Allmälig gelang es, ihm einige Antworten zu ent-locken; er hielt sich für einen grossen Sünder, habegegen alle Gebote gesündigt, bot Zeichen von Ver-folgungswahn dar. Nach und nach wurde eretwas ruhiger. In der Irren-Anstalt, in welche erim April 1871 übergeführt ward, blieb sein Zustandandauernd unverändert. Er war völlig theilnahmlos,antwortete kaum auf wiederholte Fragen und dannohne Verständniss. Im Juni 1872 wurde er aufAnsuchen eines Verwandten beurlaubt und erholtesich körperlich wie geistig in solchem Grade, dass erim Juli 1873 definitiv entlassen werden konnte.

Ausgang.

Be-merkungen.

(i.

Ende 1871.

Juli

Im

1873 ge-bessertentlassen.

War nach seiner im April 1871 erfolgten Rück-kehr aus Frankreich misstrauisch, eifersüchtig,sprach viel und arbeitete wenig, stellte schliess-lich die Arbeit ganz ein, weil er für so wenig Geldnicht arbeiten wolle, beging allerhand Unge-reimtheiten. Im Oktober legte sich die Erregung,jedoch blieb er arbeitsscheu, schlaflos und gedächt-nissschwach. Bei der im Januar 1872 erfolgtenAufnahme in eine Irren-Anstalt wurde er als einschlecht genährtes, schlaffes_ Individuum befunden;die Kopfbildung zeigte nichts Abnormes, das Anschlagen gegen den Kopf nirgends schmerzhaft. Die rechte Pupilleetwas weiter als die linke, beide reagirten träge, der rechte Mundwinkel stand etwas tiefer als derlinke, die Zunge wurde grade und zitternd hervorgestreckt. Der Brustkorb schmal, der Unterleib aufgetrieben,sonst bei der physikalischen Untersuchung keine Abnormitäten zu finden. Beim Ausstrecken der Hände bestand einleichtes Zittern, die Wirbelsäule gegen Druck leicht empfindlich, keine Störungen der Hautsensibilität. Pat. war still,scheu, einsilbig, räumte ein, bei seiner Rückkehr aus Frankreich erregt gewesen zu sein, fühlte sich jetzt aber völliggesund. Ueber seine persönlichen Verhältnisse gab er ziemlich gut Auskunft, der Schlaf war anscheinend ruhig,Appetit gut, Verdauung träge, Temperatur und Puls normal. Während der Zeit seines Verbleibens in der Anstaltwurde Patient noch stiller und scheuer, verweigerte zuweilen die Nahrungsaufnahme und beging Ungereimt-heiten. Dabei kam er körperlich sehr herunter. Auch stellte sich ein eitriger Ausfiuss aus dem linken Ohre ein.Mit der Zeit jedoch, unter dem Gebrauch von Eisen, Abführmitteln, Bädern, Anhalten zur Arbeit im Strohsaal und imFreien, besserte sich sein körperliches Befinden wesentlich, und auch sein psychisches Verhalten wurde freier.

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