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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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X. Kapitel: Kriegs -Psychosen.

Band VII.

Lau-fende

No.

1.

Charge.

Alter zur Zeit

des Krieges.

Civilberuf.

Anamnestische Daten.

Hereditäre

und individuelle

prädisponirende

Momente.

3.

Zeit,

zu welcher die

Geistesstörung

unzweifelhaft

hervortrat.

Krankengeschichte.

Ausgang.

Be-merkungen.

G.

LXXXII.

Hauptmann.36 Jahre.

Familienverhältnisseunbekannt.

Vor dem Kriegeleichte spez. Affek-tionen; scheinbar völ-lige Herstellung.

Frühjahr1873.

Nach dem Feldzuge stellten sich Akkommo-dationsstörungen ein; im Winter 1872 fand einapoplektiformer Anfall statt, welcher den Pat.eine Stunde lang der Besinnung beraubte. Im Früh-jahr 1873 fiel Stottern und Stocken der Spracheauf, sowie fortschreitende Gedächtnissschwäche.Er besuchte eine Wasserheilanstalt, wo nach einemerneuten Anfalle heftige Aufregung und Ver-wirrtheit sich einstellten. Im August 1873 wurdePat. in eine Irrenanstalt aufgenommen. Neben derimmer zunehmenden Sprachstörung machte sichdort ataktischer Gang geltend, es traten Tobsuchts-anfälle ein und, einige klare Zwischenpausen abge-rechnet, verfiel der Kranke psychisch immer mehr,war theilnahmlos gegen seine Umgebung und be-schäftigte sich nur mit schwachsinnigen Wahnvor-stellungen, die zeitweilig den deutlichen Charakterdes Grössenwahnes annahmen.

Paralyse.

Tod im

November1874.

LXXXIIT.

Kanonier.

(Wehrmann).

29 Jahre.

Soviel bekannt, ausgesunder Familie.Selbst früher gesundund kräftig. Regel-mässiger Lebens-wandel.

Hat schon den Feld-zug 1866 als Reservistmitgemacht.

Während desKrieges.

In Frankreich bildete sich bei dem Pat. unterden Einflüssen des Kriegslebens und unter Gemüt hs-bewegungen, welche durch Verhältnisseinnerhalb seiner Familie bedingt waren, einmelancholischer Zustand aus. Er verhielt sichin seinen Wahnvorstellungen meist in der Defensivegegen vermeintliche, gegen ihn gerichtete Ansprüche.Im Mai 1871 erfolgte seine Ueberführung in eineIrrenanstalt. Wenn auch hier scheinbar Besserungeintrat, so war diese doch nicht von Belang nochDauer. Die Verwirrtheit nahm zu, es trat ein fort-schreitender Verfall der geistigen Kräfte einund führte schliesslich zu unheilbarem Blödsinn.

Blödsinn.

LXXXIV.

Jäger.

24 Jahre.

Müller.

Erbliche Anlagenicht nachweisbar.Selbst früher gesund.

Machte mehrereBelagerungen undSchlachten mit.

Frühjahr

1871.

Im Dezember 1870 erkrankte Pat. an Kopf- Im Aprilschmerzen und leichten Schwindelanfällen, 1872 un-wurde in ein Feldlazareth aufgenommen und von dort geheiltam 19. Februar 1871 nach Deutschland evakuirt. entlassen.Hier traten Mitte März die ersten Zeichen geistigerStörung auf; der Kranke wurde still und in sich ge-kehrt, schreckhaft, murmelte oft unverständlicheWorte vor sich hin. Am 30. März wurde er einerIrren-Anstalt übergeben. Dort befand er sich in einem

gleichgültigen, theilnahmlosen Zustande, welcher----------------

bisweilen von Erregungsperioden mit Hallucinationen unterbrochen wurde. Später besserte sich der Zustandetwas, doch blieb Patient schlaff und wortkarg, lächelte viel, war freundlich und fügsam und gelangte schliesslich in denGenuss voller Freiheit, ohne dieselbe zu missbrauchen. Bei der im April 1872 erfolgten Aufnahme in eine andere Irren-Anstalt wurde Patient als ein mittelgrosser, gut genährter Mann, von frischer Gesichtsfarbe befunden. Die Kopf bildungzeigte keine Abnormitäten, der Gesichtsausdruck war stumpf, die Pupillen reagirten gut, die rechte war etwas weiterals die linke, die Zunge wurde fest und grade hervorgestreckt, die physikalische Untersuchung der Brust- und Unter-leibsorgane ergab nichts Abnormes. Störungen der Sensibilität waren nicht vorhanden. Patient sprach sehr wenig,sein Gedächtniss schien ungeschwächt, er beschäftigte sich mit leichten Arbeiten. Wegen eines schwer heilenden Fuss-geschwüres blieb er lange Zeit an das Bett gefesselt. Er verhielt sich apathisch, lächelte und lachte häufig mitten imGespräch ohne Grund, gab zu einer Zeit, wo sein Bewusstsein freier zu sein schien, auf die Frage, warum er in dieAnstalt gekommen sei, zur Antwort:Ich weiss nicht, der Lazarethgehülfe hat mich hierhergebracht"ich war soschwach und matt, ich hatte das kalte Fieber." Der ruhige apathische Zustand wurde nur selten durchschnell vorübergehende Erregtheit unterbrochen.

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