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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
Seite
465
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Band VIT. IV. Geistesstörung ohne nachweisbares Vorausgehen einer bestimmten körperlichen oder geistigen Einwirkung.

465

Lau-fendeNo.

1.

Charge.

Alter zur Zeit

des Krieges.

Civilberuf.

2.

Anamnestisehe Daten.

Hereditäre

und individuelle

prädisponirende

Momente.

3.

Zeit,

zu welcher die

Geistesstörung

unzweifelhaft

hervortrat.

4.

Krankengeschichte.

5.

Ausgang.

Be-merkungen.

6.

LXXIX

Sergeant.32 Jahre.

LXXX.

Lieutenant.29 Jahre.

Erbliche Anlage nichtnachweisbar. Selbstkörperlich gut, geistigaber mangelhaft ent-wickelt. Lernte schwer.

Machte die Feldzügevon 1866 und 1870/71mit, erwarb den Civil-versorgungsschein,wurde dann bei einerEisenbahnverwaltungangestellt.

Ende 1874.

Aus gesunder Familie.Zeigte selbst schon imJahre 1869 Zer-streutheit und Un-fähigkeit zu ange-strengter, auf einen be-stimmten Gegenstandkonzentrirter Thätig-keit.

Machte die Belagerungvon Strassburg mit.

LXXXT.

Unteroffizier.

23 Jahre.Tuchmacher.

Erbliche Anlage nichtnachweisbar. Selbstfrüher gesund.

Wurde schon nachanderthalbjährigerDienstzeit Unteroffizierund machte als solcherden Krieg gegen Frank-reich mit.

Musste den Dienst bei der Eisenbahnverwaltungwegen geistiger Schwäche bald aufgeben. Erwar unfähig zur Arbeit und vergesslich. GegenWeihnachten 1874 traten die Symptome psychischerErkrankung in voller Prägnanz hervor: Patientschlief schlecht, trieb sich zwecklos umher,machte unsinnige Einkäufe, war dabei apathisch,litt an Muskelschwäche, artikulirte und gingschlecht, kurzum er bot das Bild eines paralytischErkrankten dar. Im Mai 1875 machte die Geistes-störung rapide Fortschritte. Es trat Grössenwahnauf, Sprache und Gang wurden immer schlechter,es zeigten sich Erregungszustände, namentlichSchreiparoxysmen. Schliesslich trat unter Hinzutretenvon apoplektiformen Anfällen völliger Kräfte-verfall ein.

Paraly so.

Tod imJuni 1876.

Nach dem Feldzuge fiel Pat. alsbald in eine zu-nehmende geistige Schwäche, welche sich derartigsteigerte, dass er im Winter 1871 72 zu jeder dienst-lichen Thätigkeit unfähig wurde. Seit Anfang 1874sind mit ihm verschiedene Heilverfahren ohne wesent-lichen Nutzen vorgenommen worden. Wenn er auchanfangs noch Ideen in ganz primitiver Weise miteinander zu verbinden wusste, so war doch schon dieProduktion von weitergehenden Schlussfolgerungenunmöglich, das Gedächtniss nahm mehr und mehrab, die Artikulation wurde immer schwerer,die Sprache stotternder, auch der körperlicheErnährungszustand sank.

Ina Herbst 1871 fiel seinen Bekannten eineVeränderung in seinem Wesen auf. Er war stillund in sich gekehrt, behauptete, wiewohl körper-lich kräftig, nicht mehr am Webstuhle arbeiten zukönnen, ging mehrere Male angeblich in die Fremde,kam aber immer bald wieder zurück. Nächte langging er im Hofe oder im Zimmer auf und ab.Er nahm mit Vorliebe kalte Bäder, glaubte in Folgesexueller Exzesse Schmerzen im Hinterkopf und imKreuz bekommen zu haben und hatte in einem Buchegelesen, dass dies Leiden durch kalte Bäder zu

Dementia

paralytica.

heben sei. Inzwischen sprach er davon, wieder als"Soldat einzutreten, las viel in der Bibel, ging häufig in die Kirche. Bei seiner Aufnahme in eine Irren-Anstalt wirder als ein kräftig gebautes Individuum von normaler Schädelbildung und freiem Gesichtsausdruck geschildert. ImBereiche der Motilität und Sensibilität keine nachweisbare Störung. An den innern Organen keine Abnormitäten zufinden. Schlaf und Verdauung gut. Sein Benehmen in der Anstalt war zuerst ruhig und zurückhaltend, aber geistigdurchaus unklar; er glaubte, dass er General, Christus etc. sei. Sein ruhiges, verschlossenes Wesen wurdenur selten durch Erregungszustände verändert. Die Intelligenz sank immer mehr, das Verhalten blieb ruhig,Patient wurde mit Arbeit beschäftigt.

Sauitilts-Kericht über die Deutschen Heere 1870/71. VII. Bd.

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