Band VII.
III. Geistesstörung nach anderweitigen bestimmten geistigen oder körperlichen Einwirkungen.
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Art und Verlauf der Geistesstörung.
6.
Pat. betheiligte sich nach der Explosion beim Retten der Verunglückten, zeigte sich darauf sehrerregt und erfüllt von dem ganzen Vorfall, schlug sich selbst zum Eisernen Kreuz vor etc.Die Chefärzte zweier Feldlazarette, denen er nach einander überwiesen wurde, konstatirten übereinstimmend,dass jener Vorfall seinen ganzen Ideenkreis beherrsche. Nach dem Kriege steigerte sich die Erregtheit.Durch die Nothweudigkeit häufigen Quecksilbergebrauchs wurde überdies sein Körper geschwächt.Im Januar 1874 begab sieh Pat. nach Rom, von wo er in körperlich und geistig jammervollem Zustandezurückgebracht wurde.
Ausgang.Bemerkungen.
Wurde, als an G e i s t e s -Verwirrung leidend,invalidisirt.
Nach der Heimkehr zeigte sich Pat. in seinem ganzen Wesen vei - ändert. Er war zu keinergeordneten Thätigkeit zu bringen, wurde zanksüchtig, erregt, schlaflos, aggressiv gegen seineUmgebung, so dass er einer Irren-Anstalt übergeben werden musste.
Litt seitdem an periodisch auftretenden Tobsuchtsanfällen, welche durch Gliederzitterneingeleitet wurden und sich namentlich durch Toben und Lärmen ohne aggressiven Charakter kund-gaben. Dabei trat Temperaturerhöhung ein; Pat. wurde schlaflos, hallucinirte, hatte Wahn-vorstellungen. Die Anfälle traten in unbestimmten Intervallen auf, hatten keinen epileptoiden Charakter;das Gedächtniss war auch in den freien Intervallen geschwächt.
Pat. machte, als sein Regiment 1870 ins Feld rückte, schwere innere Kämpfe darüber durch,dass er beim Ersatzbataillon verbleiben musste. Niedergeschlagenheit wechselte mit Aufregungab. Als später andere Offiziere des Ersatzbataillons dem mobilen Regiment nachgeschickt wurden,affizirte dies das geistige Leben des in Rede Stehenden derartig, dass eine krankhafte Aufregung undAbnormität der Willensäusserung in Worten und Handlungen unzweifelhaft hervortrat. Sein Benehmenblieb dauernd ein abnormes; religiöse Schwärmerei und Verfolgungsideen traten auf. ImJahre 1873 verfiel er in einem Badeort, wohin er sich zu seiner Erholung begeben hatte, in Tob-sucht und musste in einer Irren-Anstalt untergebracht werden. Hier wurden Hallucinationen,Verfolgungswahn, Tobsucht konstatirt; dazwischen stellte sich unmotivirt heitere Stimmungein. Im Laufe der Zeit besserten sich die Symptome.
Wegen sekundärenWahnsinns invali-disirt.
Wegen innererDienst-beschädigung invali-disirt.
Gegen Ende des Jahres1874 aus der Anstalt alsgeheilt entlassen, je-doch mit dem Bemerken,dass die Dispositionzur Wiedererkran-kung bei beson-deren psychischenEinflüssen als vor-handen anzusehen sei.
Nachdem Patient während des Waffenstillstandes wegen Zuwiderhandelns gegen ein erlassenesVerbot mit fünf Tagen Arrest bestraft worden war, trat eine schon früher bei der Truppe an ihm beob-achtete Trägheit im Sprechen und Zurückgezogenheit in verstärktem Maasse hervor. DieVerkündung der Strafe erschreckte ihn sichtlich und kränkte sein anscheinend damals lebhaftesEhrgefühl. Die auffallende Veränderung in seinem Benehmen veranlasste seine Ueberweisung in einFeldlazareth. Nach der Rückkehr von dort zur Truppe verschlimmerte sich sein Zustand, er sassstundenlang auf einer Stelle und stierte vor sich hin. Iu Folge dessen wurde er nach Deutschlandzurückgesandt und in ein Reservelazareth aufgenommen. Dort beging er verkehrte Handlungen,trieb Unfug aller Art, verletzte das Schamgefühl, so dass seine Ueberführung in eine Irren-Anstalt erforderlich ward. In dieser verhielt er sich abwechselnd frech und übermüthig, dannwieder still und bescheiden, war zuweilen laut und schreiend, suchte andere Kranke zuärgern etc. Er wurde schliesslich ungeheilt entlassen, jedoch im April 1874 in einer Pflege-Anstaltuntergebracht. Auch hier blieb sein Benehmen ein wechselndes: zeitweilig führte er sich gut undbeschäftigte sich mit schriftlichen Arbeiten, dann wieder trat ein hoher Grad von sittlicher Ver-kommenheit zu Tage; Ehr- und Schamgefühl waren sehr mangelhaft; er benahm sich ruhm-redig, suchte seine Umgebung nach Möglichkeit zu ärgern und zu kränken. Es folgte sodann einmelancholisches Stadium, an welches wieder Erregungszustände sich anschlössen. Dabeibeständige Neigung zu Fluchtversuchen.
Samülts-IJericlt über die Deutschen Heere 1870/71. VII. Bd.
Befand sich 1878, alsan Moral insanityleidend, noch in derAnstalt.
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