Band VII.
III. Geistesstörung nach anderweitigen bestimmten geistigen oder körperlichen Einwirkungen.
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geistigen oder körperlichen Einwirkungen.
stehenden Krankengeschichte LXI die psychische Affektiondurch einen Krampf an fall eingeleitet.
Auch der in zahlreichen amtlichen Berichten und litte-rarischen Veröffentlichungen — vorzugsweise im Hinblickauf die Armee vor Paris — betonte, körperlich und geistigaufreibende Einfluss des entbehrungsreichen und verant-wortungsvollen Vorpostendienstes bei länger dauernderBinschliessung bezw. Belagerung fester Plätze, hat an ver-schiedenen Stellen dieses Berichtes') zur Erklärung patho-logischer Erscheinungen herangezogen werden müssen. DieEinstimmigkeit, mit welcher gerade dieses Moment desKriegslebens auf chirurgischen und inneren Stationen alsetwas Besonderes und Eigenartiges bezeichnet ward, recht-fertigt es, dass dasselbe auch hier, von den „Kriegsstrapazenüberhaupt" gesondert, unter den spezielleren Ursachender Kriegs-Psychosen erörtert wird. Immerhin bemerkens-werth mag erscheinen, dass bei keinem der fünf psychischAffizirten, welche in der nachstehenden Kasuistik als in
>) Vergl. insbesondere II. Bd., S. 100; III. Bd. AllgemeinerTheil, Kapitel 1, Abschnitt 2; VI. Bd., S. 187; VII. Bd., S. 1G9.
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Folge des Vorpostendienstes erkrankt aufgeführt sind, einprädisponirendes Moment bekannt geworden ist. Auch derauf Seite 309 dieses Bandes unter No. XI beschriebeneFall kann hierher gerechnet werden, bei diesem führteanscheinend der Vorpostendienst zunächst den Ausbruchvon schwerer Epilepsie herbei, welcher später eineGeistesstörung sich zugesellte.
In dieser Gruppe sind ferner diejenigen drei Kranken-geschichten (LXI1, LXIV und LXV) untergebracht, welchesich auf solche Heeresangehörige beziehen, die einem da-mals noch immobilen oder überhaupt immobil gebliebenenTruppentheil angehört haben.
Die Krankengeschichte No. LXH1 ist deswegen vonInteresse, weil sich in diesem Falle bei einem wederhereditär noch individuell nachweislich belasteten Manne,dessen früher anscheinend lebhaftes Ehrgefühl aus-drücklich hervorgehoben wird, schweres moralischesIrresein entwickelte.
Weitere Zusammenstellungen über die Kranken dieserGruppe siehe in der Rekapitulation am Schlüsse dieses Kapitels.
Nach dem nebenstehend erwähnten Ereigniss veränderte sich alsbald die Geiuüthsstimmung desPat.Derselbe zeigte völlige Gleichgültigkeit gegen alle Gefahr, auch stellten sich häufig wiederkehrendeAnfälle von heftigem Kopfschmerz ein; es wurde ihm nach seiner Angabe „ganz finster im Kopf."Die beabsichtigte Ueberweisung in ein Lazareth unterblieb, weil auf Reklamation des Vaters seine Ent-lassung in die Heimath erfolgte. Fünf Wochen nach seiner Entlassung brach ohne besondere Gelegen-heitsursache wirkliche Geistesstörung aus, die sich in derFolge als Mania intermittens charakterisirte.Die Anfälle traten häufiger ein, wenn der Kranke angestrengt ai'beitete, sich häufig bückte odersonst den Blutandrang nach dem Kopfe begünstigte. Da er in den Tobsuchtsstadien sich und Anderenin hohem Grade gefährlich war, erfolgte seine Aufnahme in eine Anstalt, woselbst mehrere Tobsuchts-anfälle, dazwischen auch solche epileptoider Art, beobachtet wurden.
Als Patient nach Rückkehr aus dem Kriege seinen Civilberuf wieder aufnahm, wurden sofortSymptome von Geistesstörung an ihm bemerkt. Namentlich trat weitgehende Unzufriedenheit zu Tage;er glaubte sich beim Militär zurückgesetzt, beklagte sich, dass er nicht das Eiserne Kreuz erhaltenhabe etc. Schliesslich kam es zu plötzlichem Ausbruch von Tobsucht. In einem Krankenhause, wohiner zunächst gebracht wurde, traten zunächst excessiver Bewegungstrieb, Zerstörungssucht, sehr lebhafteIdeenflucht — bei welcher jetzt religiöse Wahnvorstellungen eine Hauptrolle spielten — namentlichNachts hervor, während er bei Tage in sich versunken dasass, auf nichts reagirte. Nach erfolgterUeherführung in eine Irren-Anstalt folgte dem Erregungsstadium ein melancholischer Zustand mitgrosser Willensschwäche. Im April 1872 trat wesentliche Besserung hervor. Patient begann sichzu beschäftigen, wurde mittheilsam, klares Krankheitsbewusstsein stellte sich ein.
Im Jahre 1878 befandPat. sich noch in derAnstalt; Lähmungser-scheinungen waren bisdahin nicht aufgetreten.
Im Mai 1872 geheiltentlassen.