Band VII.
II. Geistesstörung nach körperliehen Erkrankungen.
451
Art und Verlauf der Geistesstörung.
6.
Im Oktober 1872 war der Blick unsicher, die Artikulation erschwert, der Gang plumpund schwankend, die Handschrift unsicher; häufiges Zähneknirschen. Auch bildete sich raschzunehmende geistige Schwäche aus, so dass der Kranke, abgesehen von dem Fehlen von Grössen-vorstellungen, das Bild der Dementia paralytica darbot. Später kam ein apoplektiformer Anfallzur Beobachtung, welcher eine dreitägige Parese der rechten Körperhälfte bedingte. Es traten sodannAngst- und Wuthanfälle, desgleichen Nahrungsverweigerung hinzu.
Die körperlichen und geistigen Kräfte des Patienten Hessen bald nach seiner Rückkehr aus demKriege eine Abnahme erkennen, auch verschlechterte sich sein Ernährungszustand. Doch brachte ernoch den Winter 1872/73 mit landwirtschaftlichen Studien zu und verlobte sich im Winter 1873/74.Im Jahre 1874 zeigten sich Symptome geistiger Alteration. Patient wurde verschlossener als je,auffahrend, misstrauisch; es stellte sich Trägheit der Gedanken und Bewegungen ein;stundenlang sass er unbeweglich. Die trotzdem stattfindende Heirath schien vorübergehend günstigenEinfluss auszuüben. Bald aber schien der Kranke unter der Gewalt eines unwillkürlichen Triebeszu stehen; er trieb sich stundenlang umher, zerbrach Stühle und Tische, soll nach seiner Frau mit einemMesser geworfen haben, so dass er wegen „Melancholie mit Zerstörungstrieb" einer Irren-Anstaltüberwiesen werden musste. Dabei kam er körperlich mehr und mehr herunter; der aus dem Feldzugemitgebrachte Lungenkatarrh blieb bestehen.
Ausgang.Bemerkungen.
7.
Tod im Mai 1873.
Tuberkulose.
In der Heimath wurde bald die Aufnahme in eine Irren-Anstalt erforderlich, da sich Ver-folgungswahn, Hallucinationen und Verblödung zeigten.
Gegen Ende des Krieges zeigte Pat. ein eigenthümlich gedrücktes Wesen; seine Körper-haltung war gebeugt, Abnahme des Intellektes wurde bemerkt. Nach seiner Entlassung in dieHeimath nahmen die Krankheitssymptome zu: er wurde unberechenbar in seinen Absichten, zeitweiligstill und lebensüberdrüssig, zeitweilig wüthend und tobend. Körperlich machten sich dieBesiduen des Rheumatismus geltend durch Auftreibung des rechten Fussgelenkes; derBronchial-katarrh ging über in Tuberkulose.
Allmälig wurde die Sprache lallend, die Muskelkraft nahm ab, Pat. klagte überSchmerzen und Schwäche in der Wirbelsäule. Er alterte unverhältnissmässig schnell, gingunsicher, schwankte bei Schluss der Augen, hatte Zittern der Gesichtsmuskeln, sprach schliesslich kaumverständlich und lebte in Ideen von ausgesprochenem Grössenwahn.
Tod am 10. März 1874an Lungenschwindsucht.
Wegen chronischenGelenkrheumatis-mus, Lungen-schwindsucht undMelancholie in-validisirt.
Progressive Para-lyse.
57*