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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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Rand VII.

II. Geistesstörung nach körperlichen Erkrankungen.

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Art und Verlauf der Geistesstörung.

6.

Mit den gastrischen Störungen traten psychische Alterationen auf. Sonst heiter, gesprächig,theilnehmend, wurde Pat. heftig, hypochondrisch, verschlossen; Abnahme des Gedächtnissesmachte sich bemerkbar. Die Entwickelung der Krankheit war eine sehr langsame, so dass erst imWinter 1874/75 die Ueberführung in eine Irren-Anstalt erfolgte. Dort verhielt er sich theilnahmlosund gedächtnissschwach, allmälig kindisch. Der rechte Mundwinkel hing etwas herab,Reaktion der Pupillen träge, die rechte Pupille beträchtlich enger als die linke, die Händezitterten, Gang steif.

Ein Jahr nach seiner Entlassung vom Militär, im August 1872, war Pat. nach einem gerichts-ärztlichen Attest geistesgestört; im September 1872 fand seine Aufnahme in eine Irren-Anstalt statt, wosich Zusammenhanglosigkeit im Denken und Handeln und kindisches Benehmen doku-mentirten.

Gegen Ende des Krieges stellte sich ein Zustand nervöser Abspannung ein, welcher auf demRückmarsch zu Ohnmachtsanfällen und derartigem körperlichen Schwächegefühl führte, dass Pat.mehrere Tage dem Regiment zu Wagen folgen niusste. Nach der Rückkehr in die Heimath nahm dieallgemeine Abgeschlagenheit, Unlust zu Beschäftigungen, Theilnahmlosigkeit, Gedächtnissschwäche, Ver-langsamung des Denkvermögens so sehr zu, dass Pat., zumal auch die Sprache erschwert war, einensechsmonatlichen Urlaub antreten niusste, welchen er grösstentheils in einer Kaltwasseranstalt zu-brachte. Noch während dieses Urlaubs aber (im März 1873) wurde seine Aufnahme in eine Irren-Anstalterforderlich. Hier wurde diffuse Atrophie der Hirnrinde, partielle im Gebiete des Glosso-pharyngeus und Vagus diagnostizirt. Die somatischen Symptome der Krankheit äusserten sichzunächst in paretischer Schwäche der Blase, des Darmes, des Muskelsystems, der Pupillen, im Ver-luste des Hunger- und Durstgefühls, in Beeinträchtigung des Schlingvermögens, Unregelmässigkeit undVerlangsamung des Respirationsaktes. Die psychischen Symptome stellten einen Zustand hochgradigerSchwächung und Abstumpfung dar, welcher allmälig zu gänzlichem Verfall führte.

Ausgang.Bemerkungen.

ProgressiveParalyse.

Das Leiden wurde nichtals die gewöhnliche pr o -gressive Paralysebetrachtet, sondern alsjene seltenere Form, beiwelcher ein Exaltations-stadium mit Grössen-wahn nicht vorkommt,vielmehr die Depressionvorherrschend bleibt.

Im Laufe der Krankheit zeigten sich wieder deutliche Spuren von Geistesstörung. Der vorher be-scheidene Mann wurde prätentiös, aufbrausend, und es bildete sich eine periodische Geistes-störung aus, welche anscheinend geheilt wurde, 1873 jedoch nach übermässigem Genuss geistigerGetränke recidivirte.

Trat am 2. Februar 1871 wegen Nachlässigkeit im Dienst eine achttägige Arreststrafe an. Am8. Februar meldete er sich, nachdem bis dahin nie eine geistige Störung an ihm beobachtet worden war,im Arrest krank, wurde darauf zum Arzt geführt und benahm sich dabei sehr auffällig. Der zunächstaufsteigende Verdacht, dass er betrunken sei, wurde widerlegt. Mit der Zeit stellten sich Tobsuchts-anfälle ein; dieselben Hessen sodann nach, kehrten aber im April 1871 wieder. Dabei veränderte sichsein ganzes Wesen. Antworten gab er selten und nur in einer Weise, als bezeige er dem Fragendeneine besondere Gunst. Seine Gedanken wurden verwirrt: er behauptete, einen Kameraden zu haben,welcher 300 Jahre alt geworden sei, glaubte, dass alle seine Verwandten gestorben seien, und dassGeister ihm dies gesagt haben. Der anfangs schwankende Gang besserte sich mit der Zeit. DasInteresse an seiner Umgebung verlor er ganz, verliess das Bett nur auf direkte Aufforderung; sonstlag er ausgestreckt da und sah starr nach der Decke.

Sanituts-Berielit über die Deutschen Heere 1870/71. VII. Bd.

Wurde im März 1874nach einer Irrenbewahr-anstalt übergeführt.

Dieses Falles ist inder Allgemeinen Zeit-schrift für Psychiatrie,Bd. 30 S. 78 Erwähnunggethan.

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