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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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Band VII.

II. Geistesstörung nach körperlichen Erkrankungen.

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Art und Verlauf der Geistesstörung.

6.

Befand sich im Jahre 1875 in einer Irrenanstalt mit unvollkommener Lähmung der rechtenGesichtshälfte, erschwerter Zungenbewegung, anstossender Sprache, unsicherem,schleppendem Gange. Aus Schwäche der Intelligenz erkannte er seine Lage nicht. Selbst-gespräche bekundeten, dass er mit Verstorbenen, z. B. seinem Vater, zu verkehren glaubte. Dabei ver-nachlässigte er seine Person im Anzug und hinsichtlich der Sauberkeit.

Wurde im Februar 1871 seitens einer Etappenkommandantur im Inlande einem Lazareth alsGeisteskranker übergeben. Pat. blickte den Fragenden stier an, antwortete nicht. Seine wunden,mit Blasen bedeckten Füsse bewiesen, dass er eine weite Fusstour gemacht hatte. Im April 1871 be-stand der Stupor fort. Einen zu seinem Besuche eingetroffenen, aus dem Felde zurückgekehrten Bruderbehandelte er wie einen Fremden, schwieg fast auf jede Frage, beschäftigte sich in keiner Weise. Soverliefen auch die nächsten vier Monate. Anfang September veränderte sich sein gesammtes Verhalten:er sprach mit den übrigen Kranken, beschäftigte sich in verständiger Weise mit der Wartung einesSchwerkranken, wurde täglich aufgeweckter und munterer.

Nach Beendigung des Feldzuges in seine Heimath entlassen, bot Pat. das Bild des Marasmus,verbunden mit Schwachsinn. Monate lang lag er im Bett, gab auf Fragen gar keine Antwort odernur unbestimmte mit leiser, klangloser Stimme. Erst nach 5 Monaten verliess er das Bett und wählteals ausschliessliche Lektüre die Bibel. Wiederum nach Monaten begann er, sich mit kleinen Arbeitenzu beschäftigen, blieb aber abgeschlossen und wortkarg, Hess Tage lang das Essen unberührtstehen und schlich sich dann in die Speisekammer, um sich satt zu essen. Mit Wiederkehr der Körper-kräfte stellte sich Launenhaftigkeit, Reizbarkeit und Heftigkeit ein. Im Januar 1873 tratenWahnvorstellungen, Gehörs- und Gesichts-Hallucinationen auf; er querulirte bei Behörden.Ende Juli 1873 wurde er in eine Anstalt aufgenommen, wo er sich ziemlich ruhig verhielt und sich mitleichten Handarbeiten beschäftigte.

Ausgang.Bemerkungen.

Langsam sich ent-wickelnder Blödsinn.

Am 18. September1871 geheilt ent-lassen.

Ende Mai 1875 ge-bessert zu denSeinigenentlassen.

Wurde im Januar 1871 nach Hause entlassen, bald nachher wieder eingezogen, jedoch als nochnicht dienstfähig wieder zurückgeschickt. Seit dieser Zeit prägte sich zunächst ein bedeutender De-pressionszustand aus, der immer mehr iu Schwermuth ausartete. Anfangs seine Familie meidend,trat Pat. bald mit unbegründeten Anschuldigungen gegen seine Frau hervor, die sich später auf sämmt-liche Nachbarn und die behandelnden Aerzte erstreckten. Allmälig gesellten sich Tobsuchtsanfälle hinzu.Im Oktober 1880 zerhackte er seine beiden lebenden Schweine auf seinem Hofe mit einer Holzaxt undwollte ein Gleiches mit Frau und Kindern thun, so dass seine sofortige Einlieferung in eine Anstalt er-folgen musste. Nach einem halben Jahr wurde er von dort versuchsweise entlassen, kurze Zeit nachheraber ebendahin zurückgebracht, wo er nunmehr bis Ende Oktober 1881 verblieb.

Obwohl seitdem ähn-liche Tobsuchtsanfällesich nicht wiederholthaben, wurde Pat. doch1883 noch als gei-stigkrank erachtet.

Klagte nach seiner Herstellung häufig über Benommenheit und Kopfschmerzen und trug,während früher an ihm fast übergrosse Bescheidenheit beobachtet wordeu war, Selbstüberhebung undEitelkeit zur Schau. Im Sommer 1873 stiess eine beabsichtigte Verlobung auf Hindernisse.Wegen abwechselnder Depression und Exaltation unter Symptomen von Grössen- und Verfol-gungswahn erfolgte seine Aufnahme zuerst in ein Militärlazareth, dann in eine Irrenanstalt. Dorttrat bald heftige Tobsucht ein. Die Anfälle wiederholten sich täglich. Während derselben fibrilläreZuckungen der Gesichtsmuskeln, enorme Hauthyperästhesie, Temperaturerhöhung bis 38.0° C,starkes Grimassiren, gezwungene Bewegungen, Hallucinationen des Gesichts und Gehörs, Grössen-ideen. Allmälig zunehmende psychische Schwäche, Schmerzen im Kreuz und in derWirbel-säule, Selbstmordversuche, uuregelmässige Nahrungsaufnahme. Später häufiges Zucken derExtre-mi täten von epileptiformem Charakter. Temperatur in den letzten Wochen des Lebens meist über 38° 0.

Tod im Februar 1876in Folge von Hirn-hautblutung.