Band VIF.
IL Geistesstörung nach körperlichen Erkrankungen.
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i s t i k.
Art und Verlauf der Geistesstörung.6.
Ausgang.Bemerkungen.
7.
Am 9. November 1870 waren Temperatur und Pulsfrequenz normal, Appetit gut; auf Fragen er-folgten richtige Antworten, dazwischen aber erzählte Pat. ungereimte Geschichten. Am 15. Novemberkonnte er das Bett verlassen, benahm sich aber an diesem und den folgenden Tagen auffallend, standstundenlang auf einem Fleck, aufmerksam hierhin sehend oder dorthin horchend, gabauf Fragen theilweise richtige, theilweise verworrene Antworten, schlief sehr wenig, half am Tageden Wärtern arbeiten oder stand wie angegeben da. Später sprach er viel von dem Tode seiner Frauund seinem eigenen Tode, weinte häufig, verhielt sich sonst still. Am 23. November verweigerte erdie Nahrungsaufnahme, war schwach und zitterte.
Als Diagnose findetsich auf dem Journal-blatt vermerkt: Geistes-krankheit nachTyphus.
Zeigte bald nach seiner 1870 erfolgten Einziehung einen Depressionszustand, welcher mit Ge-dächtnissschwäche und Energielosigkeit einherging. Als Pat. nach Heilung vom Typhus zur Truppe zu-rückkehrte, war er um jener Eigenschaften willen zu keinem Dienste zu gebrauchen. In die Heimathzurückgekehrt, litt er wieder an gastrischen Störungen; seine Geistesthätigkeit nahm immer mehrab. Zur Beurtheilung seines Zustandes von Neuem in ein Lazareth aufgenommen, wurde er für geistes-krank erklärt und sein Zustand als wahrscheinlich zu Paralyse führender Blödsinn mitinterkurrenter Manie bezeichnet.
In der Kekonvaleszenz trat apathisches Wesen in den Vordergrund. Pat. gab kaum Ant-wort auf die an ihn gestellten Fragen, verkehrte mit seinen Kameraden fast gar nicht, ging beständiggrübelnd umher. Sobald er sich allein glaubte, kniete er nieder und betete laut. Darüber befragt, gaber anfangs ausweichende Antworten, machte geheimnissvolle Geberden, trat jedoch bald mit Wahn-vorstellungen hervor: er glaubte, der grösste Sünder zu sein und dafür leiden zu müssen; eineErscheinung habe ihm Solches verkündet etc. Später lag er meist auf den Knieen, verlangte religiöseBücher und einen Geistlichen, antwortete in Bibelsprüchen, wollte Busse thun und verweigerte deshalbzeitweise die Nahrung. Störung der Körperfunktionen war nicht vorhanden. — Evakuirt.
Klagte seit der typhösen Erkrankung häufig über Kopfschmerzen, sprach oft faselig, besondersvon gekränktem Ehrgefühl. In dem Atteste vom 31. Oktober 1871, durch welches er wegen seinerkörperlichen Beschaffenheit für invalide erklärt wurde, ist erwähnt, dass seine Stimmung trübe undniedergeschlagen sei, seine geistigen Fähigkeiten darnieder liegen. Nach seiner Entlassung in die Heimathfiel sein Benehmen dort sofort auf. Er war sehr zerstreut, ging ohne Gruss bei seinen besten Freundenvorbei, glaubte sich verfolgt, behandelte seine Mutter schlecht, schrieb häufig lange und sinnloseBriefe an Behörden betreffs seiner Invalidenansprüche, bekam Hallucinationen, auch Tobsuchts-anfälle und" wurde schliesslich in eine Anstalt aufgenommen.
Zeigte in der Rekonvaleszenz stupides Wesen, erinnerte sich an die wichtigsten Momenteseiner Jugendzeit nicht, gab einsilbige, häufig verkehrte Antworten, benahm sich gleichgiltig abergehorsam, eine geistige Schwäche an den Tag legend. Die Körperfunktionen gingen normal vonstatten; der Puls war etwas erregt; zeitweilig Klagen über Schmerzen in den Gliedern. Während desNovember nahm Pat. an Kräften und Körpergewicht rasch zu. Damit hob sich auch die Stimmung unddas ganze geistige Wesen, so dass eine psychische Erkrankung bald nicht mehr nachgewiesen werden konnte.
Anfang Januar 1871geheilt entlassen.
Nach seiner Rückkehr vom Urlaub, im Oktober 1871, sah Pat. noch sehr blutarm aus; gleich-zeitig wurden die ersten Symptome geistiger Schwäche bei ihm wahrgenommen. Er wurde sogleichwiederum beurlaubt und erst 1872 versuchsweise wieder zur Schiessübung herangezogen. Indess stelltesich sehr bald heraus, dass er, obwohl körperlich völlig erholt, seiner geistigen Zerrüttung halber zumMilitärdienst nicht zu brauchen sei. Auch klagte er zuweilen über Kongestionen und dem Sitze nachwechselnde Kopfschmerzen. Seine Gesichtszüge waren für gewöhnlich ernst, wurden aber heiter,sobald man ihn anredete; sein Blick war unstät, das Gedächtniss noch gut erhalten. In seinen Gesprächentrat eine Sucht nach hochtrabenden Redensarten und Fremdwörtern hervor. Er gestikulirte viel, sprachzusammenhanglose Dinge, benahm sich sonst still und friedlich, zeigte aber gänzliche Verworrenheit.