Band VII.
II. Geistesstörung nach körperlichen Erkrankungen.
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oder funktionellen Erkrankungen des Centralnerven-systeins. Abgesehen von den in der zweiten Abtheilungdieses Kapitels schon erwähnten Fällen No. XIV und XV derKasuistik und von den tabischen Psychosen, scheint auchbei dem unter No. XC beschriebenen Kranken ein Rücken-marksleiden bestanden zu haben. Eine andere hierhergehörige Beobachtung findet sich auf Seite 311 (No. IV)dieses Bandes. Epilepsie ging der Geistesstörung vorausoder begleitete diese in den Krankengeschichten LXI,LX1X, LXXII, XCI1I und XCIX dieses Kapitels; Hinweiseauf die in anderen Kapiteln dieses Bandes befindlichenMittheilungen analoger Art siehe bei Besprechung dervorigen und der nächstfolgenden Gruppe.
Wenn einerseits körperliche Erkrankungen Geistes-störungen hervorzurufen oder zu verschlimmern vermögen,so fehlt es andererseits nicht an Beobachtungen darüber,dass psychische Affektionen durch das Hinzutretennamentlich fieberhafter Erkrankungen einer wesent-lichen Besserung, selbst vorübergehender oder dauernderHeilung entgegengeführt werden. Am häufigsten scheintauch dieser Vorgang bei Typhus beobachtet zu sein. 1 ) Inder Kasuistik dieses Kapitels liefert die KrankengeschichteLXXIV ein Beispiel dieser Art, bei welchem eine Lungen-entzündung den günstigen Ausgang der Psychose ein-leitete. Auch Stoevesandt (a. a. 0. Fall 7) berichtetüber einen Deutschen Soldaten, bei welchem im Laufe desKrieges, während er an gonorrhoischem Rheumatismus litt,Wuthausbrüche beobachtet wurden, die sich nach Hinzutrittvon Ruhr verloren, später jedoch reziclivirten.
Weniger auffallend ist es, wenn Seelenleiden, welchewesentlich auf Grund körperlicher Affektionen sich ent-wickeln, mit dem Nachlass der letzteren gleichfallszurücktreten oder vollständig verschwinden. Abgesehenvon all' den zahlreichen rasch und günstig verlaufenen
J ) Siehe hierzu insbesondere: Nasse, Beziehungen zwischenTyphus und Irrsinn (a.a.O.); Wille, Der Typhus bei Geisteskranken.Allg. Zeitschr. f. Psych, etc. Bd. 27, S. 533.)
Psychosen im Fieberstadium akuter Infektionskrankheitengehören hierher insbesondere die Krankengeschichten XXIXund XXX in der tabellarischen Uebersicht dieses Kapitels.Auch auf die bei Besprechung der beiden vorigen Gruppenerwähnten Heilungen traumatischer Reflex-Psychosen nachoperativer oder spontaner Entfernung eines Nervenreizessei an dieser Stelle nochmals hingewiesen.
Ein Moment, welches als Ursache anderer Erkrankungendes Nervensystems mit Vorliebe beschuldigt wird, dieErkältung, fehlt in der Aetiologie der Geistesstörungenso gut wie vollständig, sei es weil Diejenigen, welchedasselbe sonst in erster Linie anzuklagen pflegen, nämlichdie Patienten selbst, bei Aufnahme der Vorgeschichtegeistiger Erkrankungen weniger in Betracht kommen,sei es weil es höchstens in einer Anzahl derjenigen Fälleeine Rolle spielt, welche mit einer körperlichen Erkran-kung beginnen, bei denen alsdann letztere als die nähereund eigentlich wirksame Ursache allein aufgeführt wird.Eine bei Stoevesandt (a. a. 0. Fall 38) erzählte Kranken-geschichte sei daher hier rekapitulirt: Im Biwak vor Metzerkrankte ein Deutscher Soldat mit Reissen im Kopf,Ohrensausen, Schmerzen im rechten Bein. Im Oktober1870 stand er nach einer bei Soissons ebenfalls im Freienverbrachten Nacht vollständig steif auf. Acht Tage daraufbefand er sich in einem Französischen Irrenhause. In derDeutschen Irrenanstalt, nach welcher er von dort aus über-geführt wurde, klagte er, dass die Gedanken ihm vergingen,über Schwindel, Ameisenkriechen, Erlahmung im rechtenBein, woselbst Analgesie und Anästhesie bestand. Danebenwurden choreaartige Bewegungen und ungleiche Facialis-Wirkung konstatirt. Im Februar 1871 wurde Patient, beiwelchem hereditäre Anlage zu Psychosen anscheinend nichtbestand, in geistig und körperlich schwachem Zustandeentlassen. (Tabische Paralyse?)
Zusammenstellungen betreffs der Prädisposition, derZeit des Ausbruches der Geistesstörung und ihres Aus-ganges siehe in der Rekapitulation am Schlüsse diesesKapitels.
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