Band VII.
II. Geistesstörung nach körperlichen Erkrankungen.
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Art und Verlauf der Geistesstörung.
(i.
Ausgang.Bemerkungen.
7.
Im Jahre 1872 Blinddarmentzündung mit Betheiligung des Bauchfells. MechanischeBehinderung der Leibesöffnung, Appetitlosigkeit, Uebelkeit, Magenschmerzen, Meteorismus, Eingenommen-heit des Kopfes, Schwindel, Kongestionen, dabei hochgradige körperliche Schwäche. Unfähigkeit zukörperlicher und geistiger Arbeit, leichte Erregbarkeit und anhaltende melancholischeVerstimmung nahmen derartig zu, dass Patient beständiger Ueberwachung bedurfte. Mit derZeit indess nahm die Darmkrankheit wider Erwarten einen günstigen Verlauf; der allgemeine Er-nährungszustand hob sich; Hand in Hand mit dem körperlichen Befinden besserte sich das psychischeVerhalten.
Zeigte im Lazareth die ersten Spuren von Geistesstörung, Unruhe und leichte Erregbarkeit.Nach Hause entlassen, bot er diese Zeichen in erhöhtem Maasse dar; es stellten sich aktive Melancholie,Hallucinationen, Verfolgungswahn ein, so dass er im Juni 1871 als gemeingefährlich in eineAnstalt aufgenommen werden musste, woselbst er mehrere Monate in apathischer Stimmungzubrachte.
körperlichen Erkrankungen.
abschliesst, sondern sich, freilich in veränderter Form(Wahnideen, Hallucinationen, reizbare Stimmung oder akuteDemenz) fortsetzt, d. h. beiläufig ein Viertel aller Typhus-Psychosen, sollen nach Kraepelin vorzugsweise prä-disponirte Personen betreffen.
Die Aussichten auf Heilung sind nach demselben Autorbei Typhus-Psychosen auffallend geringer als fast bei allenim Zusammenhange mit anderen akuten Krankheiten beob-achteten Geistesstörungen, initial-Delirien nöthigen zueiner weit ungünstigeren Prognose als die in der Fieber-periode auftretenden, besonders langsam aber sei der Ver-lauf und besonders ungünstig die Vorhersage bei den inder Rekonvaleszenz von Typhus auftretenden Psychosen,welchen tiefgreifende, bisweilen irreparable Störungen inder Ernährung und gesammten Konstitution des centralenNervengewebes einen besonderen Charakter verleiht.
Kraepelin unterscheidet vier Hauptformen des Irre-seins nach Typhus:
1) Isolirte Wahnideen oder Hallucinationen;
2) mehr oder weniger akut sich entwickelnde Auf-regungszustände:
3) ruhige, bisweilen stupuröse Melancholie mit Wahn-ideen;
4) starkes Hervortreten psychischer Schwäche (akuteDemenz).
Sanitäts-Bericbt über die Deutschen Heere 1870/71. VII. Bd.
Wurde im Mai 1877geistig voll ig frei be-funden.
Anfang Dezember1871 geheilt entlassen.
Eine nach Typhus und Pocken beobachtete eigenartige,schon auf Seite 243 dieses Bandes erwähnte, nervöse undpsychische Affektion hat Westphal 1 ) beschrieben unterHinweis darauf, dass die geschilderten Symptome demklinischen Bilde der sogenannten fleckweisen grauenDegeneration des Hirns und Rückenmarkes angehören,dass jedoch, da es an Sektionsbefunden mangelt, die Frageoffen bleiben muss, ob wirklich dieser anatomische Vor-gang oder disseminirte kleine Blutungen in dem nervösenCentralorgau das klinische Bild hervorrufen, oder ob pal-pable Läsionen des Centralnervensystems überhaupt nichtvorliegen, vielmehr durch das Infektionsgift allgemeine,dem Nachweise sich entziehende Veränderungen im Nerven-system hervorgerufen werden.
Die psychischen Störungen, welche im Verlaufe destyphösen Prozesses während des Feldzuges zur Beob-achtung kamen, sind im VI. Bande dieses Berichtes (S. 187und 219 ff.) besprochen. Danach scheint es, dass in den Deli-rien der Typhuskranken die kriegerischen Ereignisse einebesonders grosse Rolle gespielt haben. Gegenüber derungünstigen prognostischen Bedeutung, welche Kraepelinden Initial-Delirien beigelegt wissen will (vergl. oben),sei der günstige Verlauf einiger auf Seite 221 des VI. Bandesdieses Berichtes mitgetheilter derartiger Fälle betont.
!) Westphal, Ueber eine Affektion des Nervensystems nachPocken und Typhus. (Archiv für Psych, u. Nervenkrankh. 1872. S. 376.)
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