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X. Kapitel: Kriegs-Psychosen.
Band VII.
Lau-fende
No.
1.
Charge.
Alter zur Zeit
des Krieges.
Civilberuf.
2.
Anamnestische Daten.
Hereditäre
und individuelle
prädisponirende
Momente.
3.
Ort, Zeit und Art der Verletzung.Bemerkungen zur Verletzung.
4.
Zeit,
zu welcher die
Geistesstörung
unzweifelhaft
hervortrat.
5.
XXIX.
Lieutenant.20 Jahre.
Unbekannt.
Zog sich während des Krieges 1870/71 einen rechts-seitigen Leistenbruch zu, in Folge dessen sehr baldchronische Verdauungsstörungen (namentlich hart-näckige Stuhlverstopfung) eintraten.
1872.
XXX.
Wehrmann.30 Jahre.Bergmann.
Erbliche Anlage nichtnachweisbar. — Selbstschwach begabt;Neigung zu Aus-gelassenheit.
Zog sich beim Rückmarsch aus Frankreich 1871durch Verheben eine Entzündung des rechtenHodens und Samenstranges zu und wurde in Folgedessen in ein Lazareth aufgenommen.
Juni 1871.
II. Geistesstörung nach
Nachdem einige in die Augen fallende, daher längstbekannte Beziehungen zwischen Geistesstörungen und körper-lichen Affektionen wesentlich mit dazu beigetragen hatten,die neuere Auffassung der Geisteskrankheiten überhaupt zubegründen, mussten die verborgeneren Wechselwirkungenein stets sich erhöhendes Interesse in Anspruch nehmen.Den Einfluss akuter Krankheiten auf die Entstehung vonSeelenleiden hat neuerdings Kraepelin 1 ) zum Gegenstandeiner zusammenfassenden Studie gemacht. Derselbe willunterschieden wissen:
1) Die während der Entstehung und Dauer einesakut verlaufenden Krankheitsprozesses auftretendenGeistesstörungen (febrile Psychosen), bei welchendie Prädisposition von geringer Bedeutung sei undnur graduelle Unterschiede in dem rasch verlaufen-den Krankheitsbilde sich geltend machen. Alsnähere Ursachen dieser febrilen Psychosen betrachtetKraepelin
a. das Fieber, und zwar sowohl die dadurchbedingte Aenderung der Cirkulation (speziellBlutüberfüllung des Schädels) als die che-mischen Vorgänge;
b. eine spezifische Wirkung infektiöser Fermente;
c. Organaffektionen und Komplikationen.
! ) Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten, XII. Band.
2) Die im Gefolge akuter Prozesse oder in fieber-losen Remissionsperioden beobachteten geistigenAffektionen. (Asthenische Psychosen nachKraepelin, sonst Rekonvaleszenzdelirien,Inanitionsdelirien, Collapsdelirien genannt.)Bei diesen spiele zwar eine schon vor Beginnder akuten körperlichen Erkrankung bestehendeDisposition zu Seelenstörungen eine grössere Rolle.die Hauptsache aber sei hier die durch die Krank-heit geschaffene Disposition, vor Allem dieAnämie und die damit verbundene Erschöpfungdes Nervensystems.
Als diejenige akute Krankheit, welche am häufigstenGeistesstörung im Gefolge hat, wird allgemein Typhusangesehen. 1 ) Kraepelin legt speziell bei den Typhus-Psychosen der Heredität keine zu grosse Bedeutung bei,wenngleich solche Prädisposition bei gewissen Formensehr entschieden ins Gewicht falle. Da im Allgemeinender Einfluss bereits vorhandener Belastung wenig hervor-trete, seien in dem typhösen Prozess selbst die per-niciösen Momente zu suchen. Diejenigen Fälle aber, indenen die psychische Störung mit dem Verschwindendes Fiebers und dem Eintritt der Rekonvaleszenz nicht
s ) Vergl. insbesondere Nasse, Beziehungen zwischen Typhusund Irrsinn. — (Allgem. Zeitschr. f. Psych. Bd. 27, S. 11.)
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