Band VII.
I. Geistesstörung nach Verletzungen.
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Art und V erlauf der Geistesstörung.
Ausgang.Bemerkungen.
Allinälig entwickelte sich ein mit zeitweiligen Tobsuchtsanfällen einhergehender krank-hafter Gemüthszustand, sehr wahrscheinlich unter Mitwirkung andauernder Geniüths-erregungen und zerrütteter Vermögens Verhältnisse. Aufnahme in eine Anstalt wurde erfor-derlich. Den Anfällen gingen stets Verfolgungsideen und grosse Angst voraus; auch Zeichen vonGrössenwahn stellten sich ein.
Nach der Rückkehr aus dem Deutsch-Französischen Kriege zeigte Pat. so viele Sonderbarkeitenund Eigenthümlichkeiten, dass eine Störung seines Seelenlebens nicht mehr zweifelhaft erscheinen konnte.Er bekundete Sinnestäuschungen und Wahnvorstellungen, auf Grund deren er die verkehrtestenHandlungen beging, glaubte sich verfolgt, wollte zeitweilig keine Nahrung zu sich nehmen, wurdeauch erregt und heftig. Im Juli 1872 machte sich seine Aufnahme in eine Anstalt nothwendig. Dortverhielt er sich schweigsam; die geistige Schwäche nahm allmälig zu. Meist sass er mit auf dieBrust gesenktem Haupte, die Ellenbogen auf die Kniee stützend, stumpf vor sich hinstarrend, immer aufdemselben Platze, völlig theilnahmlos da.
War nach der Rückkehr aus dem Kriege auffallend still und in sich gekehrt. Seine An-gehörigen glaubten, er mache sich wegen seiner verstümmelten Hand Sorge um die Zukunft. Als sichspäter der Plan einer Verlobung zerschlug, wurde er ruhelos, herrschsüchtig, auffahrendgegen seinen Vater, welchen er früher stets respektvoll behandelt hatte. Der Zustand verschlimmertesich immer mehr. Oft lief er bis zur körperlichen Ermattung planlos umher, besuchte dabei Restau-rationen, trank Bier und Wein, jedoch nicht im Uebermaass, machte unsinnige Einkäufe etc. ImDezember 1873 Aufnahme in eine Anstalt. Bei der Aufnahme war der Gesichtsausdruck benommen, dierechte Pupille erschien unbedeutend weiter als die linke; der rechte n. facialis agirteetwas stärker als der linke; bei Berührung der Zehen verwechselte Patient dieselben. In derAnstalt hielt sich Patient von den übrigen Kranken zurück, schlief häufig sehr schlecht, war miss-trauisch, klagte über Kopfschmerz. Vorübergehend trat er ein wenig aus seiner Apathie heraus,hatte dann Kopfschmerzen, sprach etwas schneller und lauter; bald jedoch hörte er wieder auf sich zuunterhalten, gestikulirte viel, machte Exerzirübungen auf dem Korridor und im Saal. Abwechselndfolgten Tage aufeinander, an welchen er ruhig und verständig war und solche, an welchen er sichäusserst unruhig, ängstlich und verworren benahm, grimassirte, theilnahmlos mit bekümmertemGesichtsausdrucke dasass.
Bei Invalidisirung desPatienten wurde das als„völlige Verwirrt-heit" bezeichnete Lei-den für unheilbar er-achtet.
Verblödung.
1876: Pneumonie, mitAusgang in Phthisis.
Anfang August 1875ungeheilt aus der An-stalt entlassen.
Patient war bei seiner im Juni 1871 erfolgten Entlassung aus dem Militärdienst anscheinendgesund. Sehr bald jedoch stellten sich Schwäche und rheumatische Beschwerden in dem ver-wundeten linken Arme ein. Er machte Pensionsansprüche geltend, wurde auch für temporär Halb-invalide auf ein Jahr anerkannt, nach Ablauf dieser Zeit aber für wieder völlig erwerbs- und dienstfähigerklärt. Mit seiner Reklamation gegen die Entziehung der Pension wurde er abgewiesen. Bald darauftraten die ersten Symptome des Irrsinns hervor. Er verbrannte seine Papiere, schwatzte sinnlos,demolirte Alles, was er erreichen konnte und wurde in diesem Zustande zu seinen Eltern transportirt.Dort steigerte sich der Irrsinn immer mehr. Der Kranke sang, tanzte, kommandirte und wurdeaggressiv gegen seine Umgebung, so dass die Ueberführung in eine Anstalt erfolgen musste. Baldtraten Symptome geistiger Schwäche und Lähmungserscheinungen hinzu, welche sich nament-lich an der linken Gesichtshälfte sowie durch Sprachstörungen zeigten.