Band VII.
I. Geistesstörung nach Verletzungen.
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dieses Bandes als „sekundäre traumatische Lähmung" er-wähnte Fall XIV hinzuzurechnen.
Wenn auch in den nachstehenden 17 Krankengeschichtenmehrfach Aufregungszustände hervorgehoben sind (sieheNo. XVI, XVIII, XXI, XXII, XXIV und XXV), soscheinen solche doch — im Gegensatz zu dem Verlaufder Kriegs-Psychosen nach Kopfverletzung (vergl.S. 420) — vielfach gefehlt zu haben oder nur sehr vorüber-gehend beobachtet zu sein. Auch da, wo ihrer Erwähnunggeschehen, haben sie anscheinend meist nicht den heftigenCharakter an sich getragen, welcher die Exaltationsphasenbei den Kranken der ersten Gruppe kennzeichnet. Um sostärker und allgemeiner aber drängt sich bei den hier
i s t i k.
besprochenen Krankengeschichten die früh eintretendepsychische Schwäche in den Vordergrund, welche denmeisten dieser Fälle bei aller sonstigen Verschiedenheitder Symptome ein gemeinsames eigenthümliches Geprägegiebt.
Körperliche oder geistige in Betracht kommende Mo-mente, welche nach der Verwundung eingewirkt haben,ohne mit dieser in direktem Zusammenhange zu stehen,sind in den Krankengeschichten XXI, XX11I, XXIV undXXVI hervorgehoben.
Betreffs der Ausgänge, der Prädisposition und der Zeitdes Hervortretens der Seelenstörung siehe die „Rekapi-tulation" am Schlüsse dieses Kapitels.
Art und Verlauf der Geistesstör un;
6.
Ausgang.Bemerkungen.
7.
Nach Heilung der Schusswunden konnte Fat. vom Januar 1871 an zwar wieder an dem Feld-zuge Theil nehmen, bemerkte jedoch sogleich eine „eigenthümliehe Schwäche beider Beine", so dasser nicht im Stande war, andauernd zu marschiren. Diese Schwäche steigerte sich im Laufe der nächstenJahre und nahm im Jahre 1874 einen lähmungsartigen Charakter an. Bei einer im Januar 1876 statt-gehabten militärärztlichen Untersuchung wurde diese lähmungsartige Schwäche und eine auffallendeAbmagerung beider Beine konstatirt und auf eine durch den Schuss bedingte Erschütterung desRückenmarkes, eventuell auf einen Bluterguss in das Mark selbst oder zwischen seine Häute, zurück-geführt. Gleichzeitig bemerkte der untersuchende Arzt eine gewisse Apathie und Indolenz desKranken, erklärte jedoch ausdrücklich, dass zur Zeit nichts für eine etwa gleichzeitig bestehende Hirn-affektion spreche, dass vielmehr das Benehmen des Untersuchten aus einer trostlosen Resignation angesichtsseines unheilbaren Zustandes wohl zu erklären sei. Bald nach seiner im Frühjahr 1876 erfolgtenInvaliditätserklärung erhielt Pat. eine Anstellung im Civildienst, blieb jedoch körperlich leidend, auchtrat allmälig solche Abnahme der Geisteskräfte hervor, dass im Dezember 1880 seine Entlassungerfolgen musste. Der Zustand verschlechterte sich weiterhin derartig, dass der Kranke im Oktober1884 für blödsinnig erklärt und einer Irren-Anstalt überwiesen wurde.
Verblödung.
Tod im Januar 1885durch allgemeine Ent-kräftung nach voll-ständigem Schwin-den der Geistes-fähigkeiten.
Mit den zunehmenden körperlichen Beschwerden bildete sich zunächst wachsende Nervosität aus,welche sich in unmotivirter Gereiztheit kund gab. Pat. wurde verdriesslich, launisch, einsilbig, in seinenStimmungen wechselnd, in seinem Verhalten gegen Bekannte veränderlich. Schliesslich zeigten sichGehirn und Rückenmark in scharf charakterisirter Weise erkrankt. Eiu obermilitärärztliches Attestaus dem September 1884 giebt folgende Schilderung:
„Pat., von Hause aus sehr kräftig, hat an Körporfülle bedeutend eingebüsst; die früher blühendeGesichtsfarbe ist blass, die Muskulatur schlaff. Am rechten Oberarm findet sich vorn unmittelbar unter-halb des Gelenkkopfes mehr nach der Innenseite zu eine grubenartige Vertiefung von der Ausdehnung,dass man die Kuppen des Zeige- und Mittelfingers hineinlegen kann (Einschuss). Der Knochen fühlt sicham Grunde derselben uneben höckerig an, der Knochenschaft ist verschmälert, die Narbenhaut ist in der Tiefe an den Knochenangeheftet und gespannt. Wie vom Knochen, so sind auch vorn besonders von dem zweiköpfigen und inneren Armmuskel Stücketheils durch die Schussverletzung direkt, theils durch den späteren Eiterungsprozess verloren gegangen, hinten geringere Muskel-theile., Ueber der hinteren Achselfalte ist eine etwas vertiefte Weichtheilnarbe (Ausschuss), darunter an der Hinterseite desArmes noch eine zweite längliche Narbe, die von einem künstlichen Einschnitt herrührt.
Der Arm ist dem Umfange nach schwächer als der linke, er misst oben in der Mitte 25, links 28.5 cm, rechts unten (Vorder-arm) an der breitesten Stelle 27, links 31 cm. Er kann nur im stumpfen Winkel über die Horizontale erhoben und nur mitMühe nach der Keuzbeingegend hingewendet werden. Die Muskelkraft fehlt, was besonders an dem schwachen Drucke der Handzu merken ist, die nur mit Anstrengung und unter Zitterbewegung zur Faust geschlossen werden kann. Die früher von derNarbe ausstrahlenden Schmerzen sind geschwunden, während Patient zusammenzuckt und abwehrend über Schmerzen klagt, wennman auf die Schulterhöhe oder oberhalb des Schlüsselbeins einen Druck ausübt. Die Beinmuskeln sind entsprechend der übrigenKörpermuskulatur abgemagert, schlaff, kraftlos.
Pat. liegt fast den ganzen Tag zu Bett und steht nur des Nachmittags einige Stunden auf, um sich in einen Lehnstuhlniederzulassen, oder um einige Zeit in dem ihm zur Disposition stehenden Garten umhergeführt zu werden. Der Schlaf ist un-ruhig; Defäkation und Urinabsonderung sind bei massiger Aufnahme von Nahrung in Ordnung.