Druckschrift 
Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
Seite
430
Einzelbild herunterladen
 

430

X. Kapitel: Ki-iegs-Psychosen.

Band VII.

5 Kranke (XVII, XXII, XXIII, XXIV und XXVIII)

Hessen alsbald nach ihrer Rückkehr aus dem Kriege einepsychische Veränderung erkennen; bei 4 anderen (XIV,XV, XVI und XXYI) lag anscheinend zwischen dem Feld-zuge und dem Hervortreten der ersten psychischen Sym-ptome ein längerer Zeitraum.

Mit welchem Grade von Wahrscheinlichkeit die Ver-letzung als direkte oder indirekte Ursache der Geistes-störung anzusehen ist und welcher Art im Einzelfalle derZusammenhang gewesen sein mag, dürfte aus obiger Zu-sammenstellung und den Krankengeschichten selbst meistausreichend hervorgehen. Wenn schon bei einzelnen derin dieser Abtheilung untergebrachten Fälle (siehe ins-

besondere die Krankengeschichten XVI, XVII, XIX, XXII)Zweifel hinsichtlich des ursächlichen Zusammenhangeszwischen der Verletzung und dem späteren Irresein nichtausgeschlossen erscheinen, so dürfte bei den Fällen XLII,XL1V, XLV1I und XCV der Kasuistik, welche deshalbin anderen Abtheilungen dieses Kapitels untergebracht sind,ein solcher überhaupt nicht zu erkennen sein.

Eine Beobachtung über Geistesstörung im Ge-folge traumatischer Epilepsie nach peripherer Ver-letzung hat im ersten Kapitel dieses ßandes Aufnahmegefunden (Krankengeschichte No. LIII auf S. IG diesesßandes); desgleichen wäre allenfalls den in dieser Ab-theilung besprochenen Vorkommnissen der im dritten Kapitel

Kasu

Lau-fende

No.

1.

Charge.

Alter zur Zeit

des Krieges.

Civilberuf.

2.

Anamnestische Daten.

Hereditäre

und individuelle

prädisponirende

Momente.

3.

Ort, Zeit und Art der Verletzung.Bemerkungen zur Verletzung.

4.

Zeit,

zu welcher die

Geistesstörung

unzweifelhaft

hervortrat.

5.

XIV.

Lieutenantder Reserve.

25 Jahre.

Unbekannt.

Wurde in der Schlacht bei Wörth am 6. August 1870durch zwei Gewehrschüsse verwundet. Das eine Ge-schoss trat auf der 8. rechten Rippe, nach hinten von derAxillarlinie, ein und nach einem Verlauf von 7—8 cm nachvorn wieder aus, ohne den Brustkorb zu perforiren; dasandere drang rechts in der Höhe des hinteren oberen Darm-beinkammes ein, nahm seinen Lauf gegen den unterenAbschnitt der Lenden Wirbelsäule und trat an dieserheraus.

1880.

XV.

Lieutenant.26 Jahre.

Unbekannt.

Wurde in der Schlacht am Mont Valerien am 19. Januar1871 durch Gewehrschuss am rechten Oberarmschwer verwundet. Die Kugel drang vorn unterhalb desOberarmkopfes ein, zerschmetterte den oberen Theil desKnochenschaftes und trat hinten über der Achsel wiederaus. Die Heilung nahm bis zur Vernarbung der Wundemehr als ein Jahr in Anspruch. Erst Anfang April 1872war Patient soweit hergestellt, dass er den Dienst wiederübernehmen konnte. Vorn am Oberarm war in Folge Ver-lustes von Knochen- und Muskelsubstanz eine tiefe Grubezurückgeblieben; der Arm hatte an Kraft und Beweglichkeitverloren. Schmerzen in der Narbe und im Arm, sowiezunehmende Schwächedesletzteren wurden nach kurzerZeit Veranlassung zu erneuter Ausserdienststellung. Nachdreimonatlicher Kur in Wiesbaden war Patient jedoch imSeptember 1872 derart gebessert, dass er mit Ausnahmevon Turnen und Schiessen sich jeglichem Dienst unterziehenkonnte, und nach einer im Sommer 1873 unternommenenBadekur in Teplitz blieb sein Zustand so weit erträglich,dass er 5 Jahre hindurch ununterbrochen Dienst zu thunvermochte. Während dieser Zeit machten sich die Folgender Verwundung, abgesehen von den in Arm und Schulterzeitweise aber immerhin massig auftretenden Schmerzennur insofern geltend, als Patient den rechten Arm weder

Nach 1878.