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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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X. Kapitel: Kriegs-Psychosen.

Band VII.

Lau-fende

No.

1.

Charge.Alter zur Zeit

des Krieges.Civilberuf.

2.

Anamnestische Daten.

Hereditäre

und individuelle

prädisponirende

Momente.

3.

Ort, Zeit und Art der Verletzung.Bemerkungen zur Verletzung.

4.

Zeit,

zu welcher die

Geistesstörung

unzweifelhaft

hervortrat.

5.

XII.

Kanonier.24 Jahre.

Ruhiges Temperament.Gute Geistesanlagen.

Erlitt während des Krieges eine starke Gehirner-schütterung dadurch, dass er von einem Pferde,welches sich losgerissen hatte und von ihm ergriffen werdensollte, heftig gegen den harten Boden geschleudertwurde; auch erhielt er bei diesem Anlass einen Huf schlaggegen den Kopf. Das Bewusstsein schwand sofort, er-hebliche Blutmengen drangen aus Mund und Nase. Ob es sichum Schädelbruch oder nur um sehr starke Gehirnerschütte-rung gehandelt hat, war nicht definitiv festzustellen. ImLazareth kam er erst nach mehreren Tagen zu sich, gabdann vernünftige Antworten, ohne über die Art seiner Ver-unglückung Auskunft geben zu können; die Bewegungender anfangs lähmungsartig affizirt erscheinenden Extremi-täten wurden allmälig freier, der Mund aber zeigte sichnach rechts verzogen, die rechte Pupille weiter als dielinke, am rechten Augenlide geringe Ptosis, Schlund-bewegungen unmöglich, daher Ernährung mit der Schlund-sonde. Ende Juni 1871 Entlassung aus dem Lazareth, dadie Symptome bis auf einen geringen Grad von Benommen-heit im Kopfe und von Schwerhörigkeit geschwunden waren.

September 1871.

XIII.

Lieutenant.21 Jahre.

Aus gesunder Familie.

Lag während des Krieges 1870/71 in Folge vonGehirnerschütterung schwer danieder. Später um-fangreiche Eiterung am Unterkiefer in Folge vonCaries.

1874.

Die Auffassung, dass jede irgend erhebliche centraleoder periphere Verletzung von Theilen des Nerven-systems das gesammte Nervensystem in Mitleidenschaftziehen, dass demgemäss von jeder einzelnen Nervenfaseraus unter günstigen Umständen ebensowohl Seelenstörungwie Tetanus oder Epilepsie entstehen könne, ist in derpsychiatrischen Litteratur mehrfach ausgesprochen ') unddürfte theoretisch einem ernstlichen Widerspruche kaumbegegnen. Um so zweifelhafter wird es in der Praxishäufig bleiben, ob eine nach peripherer Verletzung ein-tretende Seelenstörung thatsächlich durch erstere herbei-geführt ist, sei es auf reflektorischem Wege 2 ), sei es durch

1 ) So insbesondere von Zeller, R. Hitzig u. A. Vergl. beiIlartmann a. a. O. S. 109.

2 ) Ein klassisches Beispiel von reflektirter Psychose nachperipherer Verletzung dürfte der Fall XIII bei Stoevesandt(a. a. 0. S. 19) abgeben: Bei einem belasteten Individuum stellte sieh

B. Nach anderweitigen

aufsteigendes Fortschreiten eines entzündlichen Vorganges.Solcher Zweifel wird um so eher Platz greifen, je längereZeit zwischen der Verletzung und dem Ausbruch der Geistes-krankheit verstrichen ist, je weniger durch früh auftretendeprodromale Symptome eine Kontinuität zwischen beidengenannten Zeitmomenten hergestellt wird, endlich je mehrandere körperliche oder psychische Einwirkungen sich nach-weisen lassen.

Zwischen der eigentlich traumatischen Psychose nachperipheren Verletzungen (d. h. derjenigen, welche wirklichauf einem der beiden eben bezeichneten Wege durch dieVerletzung als solche hervorgerufen ist) und einerGeistesstörung, welche lediglich einer Verletzung folgt,

nach einem Backenschuss und dadurch bedingter langwieriger Eite-rung Geistesstörung ein. Alle Krankheitserscheinungen ver-schwanden, als ein Knochensplitter herauseiterte. Patientblieb gesund.