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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
Seite
427
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Band VII.

I. Geistesstörung nach Verletzungen.

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Art und Verlauf der Geistesstörung.

6.

Ausgang.Bemerkungen.

Seit dem Sturze Klagen über Kopfschmerzen; später Erregungszustände. Noch imJahre 1871 stellten sich periodisch Schlaflosigkeit, Verfolgungsideen und Hallucinationenein, wobei Pat. auch aggressiv gegen Andere wurde, daher seine Aufnahme in eine Anstalt erfolgte.Nach einem Bericht aus dem August 1873 verhielt er sich ruhig, zeitweilig sogar apathisch; dazwischenhatte er Hallucinationen, war sich jedoch dessen bewusst. Anfänglich benahm er sich schlaff undenergielos, später beschäftigte er sich etwas mit Lesen, Musik etc.

Nach fünfwöchentlicher Behandlung kehrte Pat. zum Regiment zurück, klagte jedoch häufig übersehr heftiges Druckgefühl und dumpfen Schmerz im Kopf, sowie in der rechten Körperhälfte undüber Gefühl von Hitze. Auch litt er an Verdauungsstörungen und soll psychisch sehr erregtgewesen sein. Nach dem Kriege bildete sich deutlicher Verfolgungswahn aus. In solchem Zustandestürzte sich Pat. im Dezember 1874 zum Fenster hinaus und zog sich einen Querbruch der linken Knie-scheibe zu. Tobsuchtsanfälle wechselten mit Depressionszuständen. Dazwischen Zeiten an-scheinender Besserung. Im Herbst 1875 erneutes heftigeres Auftreten der psychischen Symptome:Verfolgungswahn, zuweilen Tobsucht, dann hochgradige geistige Verstimmung und Muth-losigkeit. Dabei rasende Schmerzen in der rechten Körperhälfte und bedeutende körperlicheSchwäche, Auswärtsschielen (besonders des linken Auges), Abmagerung der linken Körper-hälfte, unwillkürliche Zuckungen in einigen Kopf- und Gesichtsmuskeln, beginnende Lähmungnamentlich der Extensoren des linken Beines.

Am 6. Juni 1874 ge-bessert entlassen.

ParalytischerBlödsinn.

Tod im November 1877.

Nach Rückkehr des Patienten aus Frankreich bemerkte mau bald eine tiefgreifende Veränderungseines ganzen Wesens, er war still und misstrauisch, beklagte sich mit Unrecht, dass seine Frauihm nichts nach Frankreich geschickt habe, fing an arbeitsscheu und immer unzufriedener zuwerden, lief planlos auf das Feld, kam dann verstört zurück und maass seine Umgebung mit Blicken, diegleichzeitig Angst und Wuth verriethen; Gehörshallucinationen traten auf. Allmälig bildetesich völliger Verfolgungswahn aus, wobei Patient aggressiv gegen seine Umgebung wurde in derMeinung, dass man ihm zu Leibe wolle. Am 27. Februar 1877 Aufnahme in eine Irren-Anstalt. Manfand daselbst auf der Stirn über dem rechten Auge eine V-'Zoll lange, anscheinend mit dem Knocbenverwachsene Narbe. Der Gesichtsausdruck war auffallend starr; kein Mienenspiel, keineLähmung. Er sprach gar nicht, zog nur bei jeder Frage und auch ohne solche die Schultern hoch.Wurde er zu Bewegungen aufgefordert, so führte er diese korrekt und mit militärischer Strammheit aus.Flexibilitas cerea. Er betete in der Anstalt wie schon vorher- viel, zeigte grosse Neigung,einen bestimmten Platz aufzusuchen und dort zu stehen, bis er auf einen Stuhl niedergedrückt wurde.Einmal angefangene Bewegungen gab er schwer wieder auf, lief stundenlang auf dem Korridor oder inengem Kreise umher. Wie aus einem eigenthümlichen Schütteln oder Nicken bei einigen an ihn gerichtetenFragen hervorging, verstand er das Gesagte. Im August schrieb er einige Zeilen auf ein Stück Papier,in welchen er sich über seine Mitkranken beklagte; später bellte er einen ganzen Monat hindurchwau! wau!", dann gab er trompeteuartige Töne von sich, dann einen gurgelnden Gesang, schliesslichfing er an erst stotternd, dann geläufiger das Vaterunser zu beten, sprach auch sonst, gab aberauf die gleichgiltigsten Fragen keine Antwort,weil es Geheimniss sei" etc.

Am 19. Dezember1877 für blödsinnigerklärt.

Schon im Lazareth trat geistige Schwäche, namentlich des Gedächtnisses, hervor. Patientwurde der Ersatz - Eskadron seines Regiments überwiesen, konnte jedoch seinen Dienst nicht mehrmit der erforderlichen Präzision versehen. Aeusserlich sichtbar war eine Schrumpfung der linkenOhrmuschel in Folge einer durch den Sturz erlittenen Quetschwunde. Das Gehör auf dem linkenOhre wesentlich verschlechtert. Bei körperlich gutem Ernährungszustande war der Kranke un-besinnlich, unorientirt über Dinge, welche ihn nahe angingen, zeigte überhaupt wesentlich ver-minderte Intelligenz.

Als ganzinvalide ent-lassen.

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