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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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Band VIT.

I. Geistesstörung nach Verletzungen.

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als konstant bezeichneten, daher wesentlichen Symptomedieses alsSpannungs-lrresein" demLähmungs-Irresein"(Paralyse) gegenübergestellten Bildes finden in der er-wähnten mit terminalem Blödsinn schliessenden Kranken-geschichte sich wieder, insbesondere die Stummheit undUnbeweglichkeit (auch Flexibilitas cerea), die Gleich-artigkeit und häufige Wiederholung derselbenWorte (Verbigenation) und Bewegungen etc.

Betreffs de^ Ausganges handelt es sich 3mal (V, VI,IX) um progressive Paralyse (wenn auch bei V woldnicht um die eigentlich klassische Form), 4 mal (X und XII,wohl zweifellos auch Yll und XI) um Verblödung; ge-heilt wurden zwei Kranke (I und XIII), die übrigen theilsgebessert (VI11), theils ohne Erfolg behandelt (IV);bei zweien (II und 111) ist der Ausgang unbekannt.

Schwinden des Bewusstseins für längere oderkürzere Zeit ist nur in 4 Fällen (I, II, V, XIII) nichtausdrücklich konstatirt.

Als begünstigende Momente zur Entstehung derPsychose wirkten nachweislich mit: 2mal hereditäre Be-lastung (Yl und X), 2mal individuelle prädisponirendeMomente, und zwar in einem Falle (11) hartnäckige Leibes-verstopfung mit hypochondrischer Verstimmung,in einem andern (IV) von Jugend auf bestehende Geistes-schwäche. Eine spezielle nachweisbare Ursache, welche,nachdem die Disposition zur Psychose durch das Traumagesetzt war, okkasionell den Ausbruch des Irreseins be-

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dingt zu haben scheint, ist nur für einen Kranken (XI11)zu registriren. Bei diesem wurde nach einer im Kriegestattgefundenen Gehirnerschütterung die Geistesstörung erstdann manifest, als umfangreiche Eiterung am Unterkieferund eine typhöse Erkrankung eingetreten war.

Bei den übrigen acht Kranken sind weder ererbteoder individuell vorbestellende, noch abgesehen vomKriegslebenspätere begünstigende Momente nachgewiesen.

Ausser den nachstehend aufgeführten 13 Fällen gehörenhierher einige im ersten Kapitel dieses Bandes unter-gebrachte Krankengeschichten, insbesondere Fall XXX111,XXXIV, XXXV und XL (S. 12 und 13 dieses Bandes),bei welchen es sich um Reflexepilepsie mit periodischenAufregungszuständen (psychische Epilepsie) handelt,eventuell auch diejenigen Kranken, bei denen sich in Folgevon Epilepsie nach Kopfverletzung geistige Schwäche ent-wickelte (vergl. insbesondere S. 3, Fall IV und VIII, des-gleichen. 8. 31, Fall LX1X).

Auch bei den in der 1JI. Abtheilung' dieses Kapitelsunter No. LVII, LVIII, LIX mitgetheilten Krankenge-schichten hat möglicherweise eine Gehirnerschütterungdie Schreckwirkung unterstützt.

Vereinzelte andere Fälle von Geistesstörung nachKopfverletzung bei Deutschen Heeresangehörigen aus demKriege 1870/71 sind in den bereits erwähnten Veröffent-lichungen von Jolly (Fall IV), Dick, Hartmann(Beobachtung XL1U) enthalten.

Art und Verlauf der Geistesstörung.

6.

Pat. nahm nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst das Böttchergewerbe wieder auf, be-merkte jedoch dabei sogleich, dass er beim Bücken Schmerzgefühl im Kopf und Schwindel ver-spüre, glaubte auch zuweilen, es habe ihn Jemand gerufen, ohne dass dies der Fall war.Im Frühjahr 1872 war er mehrere Tage arbeitsunfähig, klagte über Gefühl von Völle im Kopf, zeigtesich dabei zornesmuthig. Am 14. Oktober 1872 wurde er völlig geisteskrank seinen Eltern über-bracht und am 18. Oktober 1872 einer Anstalt übergeben. Hier traten in unregelmässigen IntervallenZustände von Exaltation ein, denen jedesmal ein stechender, bis zur Unerträglichkeit sich steigernderSchmerz in der Schläfengegend voranging. Dann folgten Gesichts-und Gehörs- Hailucina tionen.Mit dem Eintritt ruhigen Schlafes hörte der Anfall auf. Anfangs in den Intervallen geringer Gradmelancholischer Depression. Die Anfälle nahmen unter Morphium-Behandlung an Häufigkeit ab:das Gedächtniss blieb ungetrübt; Patient zeigte offenes Wesen, deutliches Krankheitsbewusstsein.Seit dem 1. April 1873 kein Anfall. Als Ursache der Geistesstörung wurde die Verletzung der vor demOhre befindlichen Zweige des n. trigeminvis angenommen, deren spätere Hineinziehung in dasNarbengewebe einen peripherischen Reiz bedingte und damit die Veranlassung zur reflektirtenPsychose abgab.

Ausgang.Bemerkungen.

Am 5. Juli 1873 ge-heilt aus der Anstaltentlassen.

Dieser Fall ist identischmit dem in das erste Ka-pitel dieses Bande3 (S. 31)unter No LXXI11 auf-genommenen. Derselbe istbereits von AVendt aufder 18. ordentlichen Ver-sammlung des psychia-trischen Vereins zu Berlinam 15. Dezember 1873(A11-gem. Zeitschr. f. Psychia-trie, Bd. 31, 8. 80) be-

sprochen und seitdem inLehrbücher (Schule u.A.)

und Abhandlungen (Beobachtung 57 bei Hartmann, a. a. 0.) als klassisches Beispiel traumatischer Reflexpsychose übergegangen. Wegendieser ihm beigelegten besonderen Bedeutung ist ein Auszug aus der auf Seite 31 dieses Bandes ausführlicher mitgetheilten Krankengeschichteauch an dieser Stelle abgedruckt.