Band VII.
I. Geistesstörung nach Verletzungen.
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nach Kopfverletzungen in drei Gruppen.
scheidet
Er unter-
1) Fälle, in welchen die Seelenstörung die direkteunmittelbare Folge der Verletzung ist;
2) solche, bei denen ein Stadium prodromorum untervorwaltenden Erscheinungen gestörter Funktionder Sensibilität mit beginnender Aenderung desCharakters den Zusammenhang vermittelt;
3) solche, bei denen eine Gehirnerschütterung nureine Prädisposition zu psychischer Erkrankunghinterlässt und ein Gelegenheitsmoment erst diePsychose zum Ausbruch bringt.
Bei den Kranken der ersten Gruppe fand er ausnahms-los das Bild primären Blödsinns mit grosser Bewusst-seinsstörung, Reizbarkeit und hochgradiger Reduktion derpsychischen Funktionen. Die Erscheinungen besserten sichim weiteren Verlauf entweder bis zu einem gewissen Grade,oder das Leiden schritt vorwärts bis zu den äusserstenGrenzen des apathischen Blödsinns. Melancholie wurdeals unmittelbare Folge einer Gehirnerschütterung niebeobachtet. Es wird hier eine Herabsetzung der Hirn-vitalität durch die Erschütterung gesetzt; schliesslich kannder pathologisch-anatomische Prozess als Atrophia cerebriablaufen.
Bei der zweiten Gruppe gehen dem Ausbruch desIrreseins Prodrome voran, welche sich namentlich durchheftigen Kopfschmerz, zornigen Affekt kundgeben, dannmeist zu maniakalischen Zuständen sich steigern und oftmit terminalem Blödsinn schliessen. Pathologisch-anatomischhat man bei dieser Gruppe (sofern es sich eben nicht etwaum Reflexpsychosen handelt) an Prozesse zu denken, beiwelchen durch das Trauma herdartige Veränderungen be-wirkt werden, von denen die weitere diffuse Erkrankungdes Hirns und seiner Häute den Ausgangspunkt nimmt.
Bei der dritten Gruppe wird durch das Trauma dieHirnvitalität so weit herabgesetzt, dass eine wesentlicheBeschränkung der Widerstandskraft gegen spätere acci-dentelle Einflüsse, welche zur Erregung von Geistes-störungen geeignet sind, zu Stande kommt. Die klinischeForm der Psychosen scheint für solche Fälle eine variablezu sein.
Neuerdings hat Wille 1 ) daraufhingewiesen, dass dieseEintheilung nicht alle Arten traumatischen Irreseins umfasst;auch hält er auf Grund einiger glücklich verlaufener Fälledie Prognose des Irrsinns nach Kopfverletzung für günstiger,als v. Krafft-Ebing.
Die Frage, ob die traumatische Psychose, speziell die-jenige nach Kopfverletzungen, eine besondere klinische
') Wille, Ueber traumatisches Irresein (Archiv für Psychiatrieu. Nervenkrankh., VIII. Band, S. 219).
Form darstelle, ist seit Schlager 1 ) mehrfach erörtertworden (insbesondere durch Skae 2 ) und v. Krafft-Ebing 3 ),)im Zusammenhange damit namentlich die weitere Fragenach der Bedeutung der Kommotionserscheinungen sowiedes Sitzes einer Kopfverletzung für die Entstehung psy-chischer Störungen und nach der Prognose. In einerresümirenden Arbeit über „Geistesstörungen nach Kopf-verletzungen" 4 ) gelangt Hart mann auf Grund der bisherveröffentlichten Fälle und Erörterungen zu dem Resultat:
1) dass das traumatische Irresein keine spezifischenosologische Form darstelle, jedoch gewissep]igenthümlichkeiten in Verlauf und Aus-gang besitze; Exaltationszustände und dieverschiedensten Grade der Demenz, rein oderkombinirt, werden am häufigsten beobachtet;
2) die primäre traumatische Psychose äussere sichals primäre Demenz, primäre Tobsucht oder Manie,periodisch oder kontinuirlich, oft mit Krämpfen;die sekundäre trage meist von vornherein denCharakter psychischer Schwäche oder sie beginnemit einem melancholischen oder maniakalischenVorstadium, welches auffallend schnell in Demenzübergehe, meist mit dem Charakter der Paralyse;die sekundäre Psychose in Folge traumatischerEpilepsie verlaufe vorwiegend mit Exaltation,die reflektirte fast ebenso oft mit Depressions-zuständen;
3) die Prognose der primär-traumatischen und Reflex-Psychosen sei eine verhältnissmässig günstige, dieder übrigen ungünstiger; das Bestehen traumatischerEpilepsie trübe die Prognose;
4) Art und Ort des Traumas (am Kopfe) übe keinenEinfluss auf das spätere Irresein; Kommotions-erscheinungen seien nicht Vorbedingung für dasZustandekommen einer Geistesstörung, doch ver-grössere schwere Kommotion die Gefahr;
5) Kopfverletzungen hinterlassen noch auf viele .JahreInvalidität des Gehirns, besonders beim Vorhanden-sein lokaler Residuen.
Nach Pick u. A. 5 ) soll für traumatische Demenz dieSelbsterkenntniss des Kranken hinsichtlich der erlit-tenen psychischen Einbusse charakteristisch sein. Dies sowiedie eigenthümliche Form der psychischen Schwäche seiFolge der disseminirten Form des Prozesses.
*) Schlager, Die in Folge von Gehirnerschütterung sich ent-wickelnden psychischen Störungen (Zeitschr. d. Gesellsch. d. Aerztezu Wien, 1857, VII. und VIII.).
a ) David Skae, The Morisonian lectures on insanity (Journalof mental science). — Annales med.-psych., 1878, I., S. 289: Skae,La folie traumatique.
8) a. a. O.
*) Archiv für Psychiatrie u. Nervenkrankh., XV. Band, S. 98 ff.
B ) Siehe bei Hart mann a. a. 0.
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