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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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Band VIT.

Vorbemerkung: Häufigkeit und Charakter der Kriegs-Psychosen. Veröffentlichungen über Geisteskranke.

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den häufigen Ausgang bildete, wurde auch von Arndt, 1 )Weyert, 2 ) Schwaab, 3 ) Loechner 4 ) u. A. hervorgehoben;andererseits erklärt sich Jolly 5 ) die günstigen Heil-resultate bei 11 von ihm behandelten Kranken aus demUmstände, dass er es mit Leuten zu thun gehabt habe,welche noch im Kriege selbst akut erkrankten, währendbei Nasse's Patienten eine langsame Entwicklung derPsychose und spätere Aufnahme in die Anstalt statt-gefunden hatte.

Die oben aufgeführte beträchtliche Zahl der aus Feld-lazaretten geheilt Entlassenen spricht jedenfalls dafür, dasswährend der Dauer des Krieges neben einer Anzahlschwererer Formen, welche gleich den nach dem Kriegezum Ausbruch gekommenen Fällen frühzeitig psychischeSchwäche und paretische Erscheinungen erkennen Hessen,eine weit grössere Zahl leichter, rasch und günstigverlaufender geistiger Störungen zur ärztlichenKenntniss gekommen ist.

Als Uebergang von den im Verlaufe des Feld-zuges ausgebrochenen Psychosen zu den später ent-standenen und als erklärendes Moment für letztere darfder neuropathische Zustand betrachtet werden, welcherwährend des Krieges und nach demselben bei vielen Treu-nehmern am Feldzuge zu Tage trat, ohne dass wirk-liches Irresein sich ausbildete. Denselben charakterisirtArndt (a. a. 0.) in treffender Weise:Leichte Ermüdbar-keit, Unaufgelegtheit, Abgespanntheit, Unfähigkeit, in derfrüher gewohnten Weise zu arbeiten, in Folge dessen Dh-zufriedenheit mit sich und der Welt, Schlafsucht undSchlaflosigkeit, grosse Reizbarkeit, Schreckhaftigkeit, leich-tes Eintreten von Beängstigungen, trübe, düstere Gedanken.bisweilen Selbstmordgedanken."

Dieser Zustand mag theils mit der auf S. 168 diesesBandes berührten Fatigatio sich decken, theils eine Fort-entwicklung derselben darstellen.

Gegenüber der Meinung Lunier's, dass erblicheBelastung für die Entstehung der Kriegs-Psychosen vonverhältnissmässig untergeordneter Bedeutung sei, wird vonWitkowski (a. a. 0.) darauf hingewiesen, 1) dass der vonLunier gefundene Prozentsatz (24) immer noch den in

i) a. a. 0.

B ) Vierzehnte ordentliche Versammlung des psychiatr. Vereinszu Berlin am 15. Juni 1872. (Allgem. Zeitsohr. für Psych. Bd. 29,S. 600.)

3 ) Schwaab, Versorgung der geisteskranken Invaliden desKrieges 1870,71. (Allgem. Zeitschr. für Psych. Bd. 39, S. 630.)

') a. a. 0.

"') Jolly, Klinische Mittheilungen über einige in Folge desFeldzuges 1870/71 entstandene Psychosen. (Archiv für Psych, undNervenkrank». III. Bd., S. 442.)

mancher Friedensstatistik sich ergebenden übersteige, 2) dasssichere anamnestische Erhebungen bei den in KriegszeitenErkrankten muthmaasslich besonderen Schwierigkeiten be-gegnet seien.

Kasuistische und statistische (meist auf sehrkleinen Zahlen beruhende) Mittheilungen über Psychosen,welche bei Deutschen Ileeresangehörigen während desKrieges oder nach demselben beobachtet wurden, rindensich ausser in den bereits erwähnten Vorträgen und Abhand-lungen von Nasse, Arndt, Jolly, Koster, Loechner.Schwaab 1 ) diesseitigen Wissens namentlich noch beiIdeler. 2 ) Schroeter, 3 ) Stoevesandt 4 ) und Dick 5 ).

In Nachstehendem werden 10U, mit Ausnahme vonNo. I und XLY1 noch nicht veröffentlichte Kranken-geschichten solcher von psychischen Leiden Ergriffenenmitgetheilt, welche entweder den Deutsch-FranzösischenKrieg bei einem mobilen Deutschen Truppentheile mit-gemacht haben (i)7), oder in der Mobilinachungsperiode (2)oder endlich bei einem immobilen Truppentheil (1) erkranktsind und bei denen amtlicherseits ein ursächlicher Zu-sammenhang zwischen der Entstehung bezw. dem Ausbruchder Geistesstörung und den kriegerischen Ereignissen an-genommen worden ist.

Bei Einigen derselben trat die Affektion noch währenddes Krieges zu Tage, bei der überwiegenden Mehrzahl erstkürzere oder längere Zeit nach dem Friedensschluss. 0 ) Diehauptsächlichste Quelle bildeten die Invalidenakten, danebendie Belichte der Feldärzte. Werth volle Notizen über dasweitere Schicksal eines beträchtlichen Theiles der Krankensind den Irrenanstalten zu verdanken, mit welchen sich zudiesem Zwecke im Jahre 1878 ein Militärarzt in dienst-lichem Auftrage in Verbindung zu setzen hatte

1 ) Ausser dem bereits erwähnten Vortrage Schwaab'sVer-sorgung der geisteskranken Invaliden des Krieges 1870,71" siehe auchdessen BemerkungenUeber das häufige Auftreten von Geistesstörungenbei Reservisten nach dem Kriege 1870/71". (Allgem. Zeitschr. f. Psych.Band 36, S. 479.)

2 ) Ideler, Mittheilungen über Psychosen bei Militärpersonen.(Allgem. Zeitschr. f. Psych. Band 29, S. 598.)

:l ) Schroeter, Psychiatrische Bemerkungen aus dem Felde.(Allgem. Zeitschr. f. Psych. Band 28, S. 343.)

4 ) Stoevesandt, Beitrag zur Kasuistik der in Folge der letztenKriege entstandenen Psychosen. Dissert. inang Halle 1871.

') Allgem. Zeitschr. f. Psych. Band 30, S. 254.

') Pas betreffende Zahlenverhältniss siehe in derRekapitulation"am Schlüsse dieses Kapitels. Schlüsse hinsichtlich der Häufigkeitder Psychosen bei verschiedenen Chargen lassen die mitgetheiltenKrankengeschichten nicht zu, weil aus äusseren Gründen das diehöheren Chargen betreffende Aktenmaterial ausgiebiger verwerthet ist.

Sanitäts-Berielit über die Deutschen Heeve 1870 71. VII. Bd.

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