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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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Band VII.

III. Abschnitt: Verlauf, Behandlung und Ausgang.

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1873 ergali eine erneute Untersuchung eine wesentlicheVeränderung zum Guten, was die Anerkennung einerdauernden theilweisen Erwerbsunfähigkeit zur Folge hatte.Gelegentlich einer im Jahre 1884 vorgenommenen Besich-tigung des Invaliden war Verfasser ausser Stande, auchnur leise Andeutungen an eine frühere Tabes aufzufinden.Keine Ataxie, keine Sensibilitätsstörungen, keine Augen-symptome, kein Westphal'sches Zeichen! Die Fälle er-innern an die im Jahre 1881 von Berg er beschriebenenheilbaren, der Tabes ähnlichen Zustände, welche er nichtgerade vortheilhaft als Pseudotabes bezeichnete.

Lässt man den Fall XX als geheilten gelten, so ent-spricht der Prozentsatz der Heilungen dem von Eulen-burg bei seinen Kranken gefundenen, denn er zählteunter 500 Fällen fünf genesene. Ein wesentlicher Unter-schied von diesen liegt aber darin, dass bei dem Feldzugs-kranken, gleichwie in dem oben erwähnten Falle Rumpfs,auch die Sehnenreflexe zurückgekehrt waren. Wennes auch erlaubt erscheinen mag, den Begriff der Heilungnur in klinischem Sinne resp. im Sinne des Kranken zugebrauchen, so verdient doch der Standpunkt, welcher zu-gleich das Rückgängigwerden des pathologisch-anatomischenProzesses in ihn einschliesst, die grössere Berücksichtigung.Der bekannte und oft citirte Fall F. Schultze's, inwelchem schwere und lange bestehende tabische Erschei-nungen bis auf eine Lähmung und einen Katarrh derBlase, sowie auf die fehlenden Patellarreflexe geschwundenwaren, die Autopsie aber eine Degeneration der verschie-denen Abschnitte der Hinterstränge im ganzen Rücken-marke nachwies, kann unmöglich ein geheilter genanntwerden. Die beiden ersten Genesungsfälle Eulenburg'sstammen aus einer Zeit (1867 und 1872), in welcher dasWestphal'sche Zeichen in die Symptomatologie der Tabesnoch nicht eingeführt war; in dem dritten wurde erstnach der Heilung das Vorhandensein des Kniephänomens,dagegen der Verlust desselben während der Krankheitnicht konstatirt, was nicht ausschliesst, dass es sich dennochnach der gegebenen genauen Schilderung um Tabes ge-handelt hat. Von den neuerdings durch ihn beschriebenenbeiden Heilungen 1 ) ist der Erfolg in dem einen Falle(No. XXII a. a. 0.) anscheinend einer viermonatlichen

i) Virchow's Archiv 1885, Band 99.

Eulen bürg, Beiträge zur Aetiulogie und Therapie der Tabesdorsalis, namentlich über deren Beziehungen zur Syphilis.

Statt des Falles XXXIV ist wohl der Fall XXIII gemeint.Ausserdem findet sich in der Kasuistik noch die Beobachtung XLI:»Tabes incipiens", durch längere elektrische Behandlung und denGebrauch des Argent. nitric, den Rückenschlauch und warme See-bädervollständig andauernd geheilt* ohne Kecidiv.

Behandlung mit dem konstanten Strome und Strychnin-injektionen zu verdanken. Der Kranke wurde wieder soleistungsfähig, dass er täglich 10 bis 11 Stunden im Stehenarbeiten konnte, Ataxie war nicht mehr vorhanden, dieSensibilität normal, aber das Westphal'sche Zeichenblieb fortbestehen, daneben noch eine geringe Unsicherheitbeim Gehen im Dunkeln resp. mit geschlossenen Augen.Bei dem andern Kranken (No. XX1I1 a. a. ü.) sind dieSymptome weniger ausführlich mitgetheilt; der syphilitischePatient wurde durch eine Inunktionskur und den internenGebrauch von Jodkalium geheilt und die dann noch zurück-bleibende leichte Inkontinenz durch Strychnininjektioncnbeseitigt.

Von den 100 kriegsinvaliden Tabikern sind nachweis-lich 23 (XIV, XV, XVI11, XIX, XXVI, XXX, XXXU,XXXIV, XXXVIII, XL, XLI1, LH, LXX1I, LXX1V,LXXVI11, LXXXI1, LXXXI11, LXXX1V, LXXXVJ,LXXXV1II, XCI1, XCVI, XCV1I1) gestorben. DirekteTodesursache wurde in zwei Fällen (LXXVI1I, XCVII1)Lungentuberkulose, in einem dritten (LXXXV1) dieOperation eines eingeklemmten Bruchs; die übrigbleiben-den 20 Todesfälle fielen lmal (XXX) in das dritte,lmal (XIV) in das vierte, 3mal (XVIH, XL1I, LH) indas sechste, lmal (XXXIV) in das siebente, 2mal (XV,XXX11) in das achte, lmal (XCVI) in das neunte, 5mal(XXVI, LXXX111, LXXXIV, LXXXV11I, XCD) in daszehnte, lmal (XL) in das elfte, lmal (XXXV1I1) indas zwölfte, lmal (LXX1V) in das dreizehnte, 2mal(XIX, LXXXI1) in das vierzehnte, lmal (LXXII) in dasfünfzehnte Krankheitsjahr. Einen ungewöhnlich bedeutendenProzentsatz an Todten wies hiernach das zehnte Krank-heitsjahr nach. Unter den Gestorbenen findet man jenevier an paralytischem Irresein erkrankten Tabiker wieder,die 4, 6 und 10 Jahre nach Beginn ihres Leidens erlagen.Zwei weitere geistig gestörte Kranke gingen im achten resp.zehnten Jahre der Tabes zu Grunde. Nach Abrechnungder an Komplikationen (Lungentuberkulose, Bruchoperation)und der nach Hinzutreten psychischer Alteration letalendenden Fälle, deren im Ganzen sechs (XIV, XXVI,XXXII, XLII, LXXXVIII, XCI1) namhaft gemacht werden,ging dem Tode unter 14 Beobachtungen 7mal Sehnerven-erkrankung meist bis zur völligen Erblindung voran. Einesplötzlichen Todes wird in den Fällen XXXII und LXX1Vgedacht. Der Mortalitätsprozentsatz ist offenbar durch dieangegebene Zahl nicht erschöpft. Die vorgeschritteneKrankheit in den Fällen XIII, XXIV, XLI1I, XLIV, XLV,LIII, LV, LVI, LVI11, LXVIII liess ein nicht zu fernesEnde erwarten, an welches nur die Kürze der Beobachtungs-zeit nicht heranreichte.

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