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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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Band VII.

III. Abschnitt: Verlauf, Behandlang und Ausgang.

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Dritter Abschnitt.Verlauf, Behandlung 1 und Ausgang.

Die sonst fast allgemein gültige Regel, dass die ein-zelnen taltischen Symptome sieh nach und nach ent-wickeln, erlitt in der Feldzugskasuistik mehrere Ausnahmen.Im Falle XLIII, der mit Schmerzen im Rücken und darauf-folgenden lähmungsartigen Erscheinungen in den Füssenbegann, wurde schon im August 1871 einvorgeschrittenesStadium der Tabes" konstatirt. Der Kranke LVT, welchersein Leiden auf die schädlichen Witterungseinflüsse bei derBelagerung von Metz zurückführte und zunächst überreissende Schmerzen in den Unterextremitäteu und imRücken klagte, zeigte bereits im Dezember 1870 Rom-berg's Symptom und Ataxie, so dass an der Diagnosekein Zweifel sein konnte. Eine ganz rapide Entstehungder für die spinale Erkrankung charakteristischen Merk-male inuss, sofern die Aetiologie nicht zu beanstanden ist,namentlich im Falle LXXIII vorausgesetzt werden, da mansechs Tage nach der erlittenen Erkältung im Garnison-lazareth zu Bremen die durch spätere Untersuchung ver-bürgte graue Entartung der Hinterstränge richtig erkannte.Im November 1870 fanden sich Brach'sches Zeichen, Ab-nahme der Sensibilität an den Unterextremitäten, lanziuirendeSchmerzen, Inkontinenz, daneben im Jahre 1882 Verlustder Patellarreflexe, Myosis, reflektorische Starre, Analgesieund verlangsamte Leitung.

Auch diejenigen Fälle, welche bis 1872 diagnostischsichergestellt wurden, weichen bezüglich der üblichen zeit-lichen Folge in den Krankheitssymptomen von der Regelab, denn es vergingen vor der Westpkal'schen Entdeckungvon der Bedeutung der Sehnenreflexe gewöhnlich Jahre,ehe eine zweifellose Erkennung der Tabes möglich war.Die Erscheinungen blieben meist eine lange Zeit isolirtund konnten früher nur allmälig durch neue derart ver-vollständigt werden, dass sie den Krankheitssitz mit Be-stimmtheit zu verrathen vermochten. Eine derartige rascheEntwickelung der Tabes sieht man in den Kranken-geschichten II, XIV, XVIII, XXIV, XXX, XXXII, XXXIV,XL1I, L1II, LVIII, LXXVI1I, XCIII, XCVI.

Für den im Verlaufe der Tabes eintretenden perio-dischen Stillstand der Krankheit ohne und mit therapeu-tischen Eingriffen enthält die tabellarische Uebersicht eineganze Reihe von beweisenden Beispielen. Eine wesent-liche Besserung von langem Bestände erfuhren die unterNo. XXXVI und XC aufgeführten Kranken. Der erste,

Sanitäts-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. VII. Bd.

bei welchem bereits bald nach dem Feldzage auf Grundder Ataxie, des Schwankens bei geschlossenen Augen, derlanzinirenden Schinerzen und Parästhesien sowie der objek-tiven Sensibilitätsstörungen die Diagnose gesichert erschien,erfreute sich vom Jahre 1875 ab einer solchen Abnahmeder Krankheitserscheinungen, dass er sich anbauen konnte;der zweite, von dem der Status des Jahres 1871 Gürtel-gefühl, Kribbeln und Ameisenkriechen in den Händen undFüssen, Anästhesie, Ataxie, Brach'sches Symptom, Seh-schwäche, Inkontinenz und Blasenkatarrh anführt, warwährend der Jahre 1876/77 in einer so vorteilhaftenVerfassung, dass er am Stocke gehen und Gartenarbeitenverrichten konnte. Mehrere ähnliche, in den Invaliden-akten aufgefundene Fälle sind, da sie einer vollständigenUntersuchung, namentlich auch der Angaben über dasVerhalten der Sehnenreflexe entbehren, in diesem Kapitelnicht verwerthet worden. So zeigten sich bei dein Wald-hornisten 0. gleich nach dem Kriege Gürtelgefühl, Störungender Koordination und der Sensibilität und Schmerzanfälle,die in der Folge noch zunahmen und ihn gänzlich erwerbs-unfähig machten. Vom Jahre 1874 ab trat aber eine ent-schiedene und anhaltende Besserung ein, das Gehvermögenwurde ein gutes, die Schmerzparoxysmen hörten auf, dieParästhesien schwanden. Ein Trainsoldat N., der währendeiner längeren Lazarethbehandlung während des Feldzugesals Iiauptkrankheitszeichen Schmerzen im Kreuz, Ameisen-kriechen, Gefühllosigkeit in den Fusssohlen, Schwankenbeim Stehen und schleudernden ataktischen Gang dargebotenhatte, wurde nach mehrjähriger Dauer dieser Symptome so-weit hergestellt, dass er seinem Erwerbe nachgehen konnte.Da beide Patienten noch heute am Leben sind, ohne vonNeuem eine Rückversetzung in die ursprüngliche Pensions-klasse beantragt zu haben, so darf angenommen werden,dass die Besserung von Bestand geblieben ist. Vorüber-gehende Veränderungen günstiger Art entweder einzelnerSymptome oder des gesammten Krankheitsbildes sind inden Fällen der Kasuistik wiederholt anzutreffen, ganz ab-gesehen von denjenigen Erscheinungen, welche, wie dieAugenmuskellähmungen, durch ihr Kommen und Schwindenetwas Charakteristisches für die Tabes haben. Auf derandern Seite illustriren die Fälle LXXVII, LXXXIV,XCIII die akute Verschlimmerung der schon bestehen-den Tabes durch die Kriegseinflüsse.

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