Band VII.
II. Abschnitt: Krankheitserscheinungen.
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Was den Zustand der Pupillen anlangte, so wurde bei dertaljischen Amblyopie 2 mal Myosis, 3 mal Mydriasis, 1 malPupillendifferenz, bei der tabischen Amaurose 3 mal Er-weiterung, 2 mal Verengerung, 2 mal normale und 3 maldifferente Weite notirt. Wiederholt konnte man beobachten,dass bei völliger Atrophie der Optici die Reaktion derPupillen auf akkommodative Impulse wohl erhalten war.
Von Ataxie der Augenbewegungen in Form vonNystagmus bei Tabes liegt aus dein Feldzuge kein Fallvor. Selbst bei forcirten Blickrichtungen trat bei den vomVerfasser in den letzten Jahren untersuchten Tabikern einZittern des Bulbus nicht auf.
Nachdem Ormerod unter 21 Fällen von Tabes6 mal Gehörsstörungen gefunden hat, sollte man denken,dass früher die tabischen Akustikusaffektionennicht mit der nöthigen Aufmerksamkeit untersuchtseien. Wo sich die Gelegenheit bot, wurde daher inder Feldzugskasuistik auf dieselben geachtet. Leider sindalier genaue auf den Grund der Schwerhörigkeit gerichteteUntersuchungen in keinem einzigen Falle angestellt, sodass der Zusammenhang mit der spinalen Erkrankung allen-falls nur mit Wahrscheinlichkeit abstrahirt werden kann.Dass die Abnahme der Ilörschärfe bei Tabikern vielfachauf einen krankhaften Prozess des Mittelohrs ohne direkteBetheiligung des Akustikus zurückgeführt werden muss,lehren die Befunde von Marie und Walton (Revue de Med.1883). Im Falle IV der Uebersicht könnte man versuchtsein, die im Jahre 1884 auftretende Abschwächung desGehörs auf dem linken Ohre in direkte Abhängigkeit zurTabes zu bringen, da die hervorragendsten Krankheits-symptome gleichfalls hauptsächlich links lokalisirt waren.Noch mehr spricht in den Fällen XV, XVII, LXX, LXX1X,XCII1 für eine komplikative Affektion des Akustikus diegleichzeitige Betheiligung anderer Kopfnerven an der Tabes.Dagegen wäre es möglich, dass das Ohrensausen und dieSchwerhörigkeit der Kranken L1X und XCV1I durchaccidentelle Prozesse vermittelt seien, ohne dass sich jedochfür eine solche Voraussetzung irgend ein Beweis beibringenlässt. Die zuletzt genannten französischen Autoren kon-statirten bei 17 unter 24 Tabikern Ohrensausen und Schwindel,und Pierret giebt an, dass alle möglichen Gehörsleiden inallen Stadien der Hinterstrangsklerose, ja als Prodromaler-scheinungen auftreten könnten. Einen positiven Beweis fürdie atrophische Degeneration des Akustikus bei Tabes hat ineinem Falle von vollkommener Taubheit Strümpell ge-liefert. Die graue Entartung der Hörnerven nimmt scheinbareinen äusserst langwierigen Ablauf, so dass es erst spät zumVerlust jeder Gehörsperzeption kommt. Der unter XVIInäher bezeichnete Invalide klagte schon im Jahre 1874 überSausen in den Ohren und beginnende Schwerhörigkeit undhatte 10 Jahre später das Gehörsvermögen doch noch nichteingebüsst. Die Einseitigkeit der Gehörsstörung ist nurim Falle IV hervorgehoben.
Störungen des Geschmacks und Geruchs auftabischer Basis gehören zu den Seltenheiten, entgehen auchvielleicht ihrer untergeordneten Bedeutung wegen häufigerder Beachtung. Unter den Tabikern aus dem Feldzugefindet sich allein im Falle XV neben der Gehörschwächeeine Abstumpfung des Geschmacks und Geruchs erwähnt.Der Krankheitsvorlauf war in diesem Falle unter Mitbe-theiligung der Sinneswerkzeuge ein äusserst stürmischer.Topinard sah in 102 Tabesfällen 2 mal eine Abschwächungbezw. einen Verlust der Geschmacksempfindung: in einemFalle war sie unter gleichzeitiger Anästhesie der Mund-schleimhaut nur einseitig verschwunden.
Inkoordination der Sprachmuskeln kommt beiTabikern noch seltener zur Beobachtung. Durch dieselbeerleidet die Artikulation mehr oder weniger bedeutende!Störungen, zuweilen so hochgradige, dass die Sprache ganzunverständlich wird. Friedreich und Topinard warenin der Lage, mannigfache Beispiele zu beschreiben. Derletztgenannte Autor fand bei 102 Tabikern 20 mal Sprach-beschwerden. Einen reinen Fall von Ataxie der Sprach-muskulatur hat die Feldzugskasuistik nicht aufzuweisen.In der dritten Beobachtung, welche ihrer komplizirendenBulbärparalyse wegen schon einmal der Besprechung unter-zogen wurde, beruhte die Sprachveränderung — stockendeSprache, Silbenstolpern — auf einer Kernaffektion in derMedulla. Sonst beziehen sich die positiven Angaben inder Tabelle auf Tabesfälle, die mit progressiver Paralyseverbunden oder durch interkurrente apoplektiforme Anfällebemerkenswert!!, waren. Ueber die unter diesen Umständenaufgetretenen Sprachstörungen wird an geeigneter Stelledie Rede sein.
Der n. facialis nimmt ebenfalls nur ausnahmsweisean der tabischen Erkrankung Theil und befindet sich danngewöhnlich im Zustande vorübergehender unvollkommenerLähmung. Auch die beiden Fälle aus dem Feldzuge(XX, XXX11), von denen übrigens der erstere seinerNatur nach zweifelhaft ist, zeigten eine Parese des linkenGesichtsnerven. In einem dritten Falle (LXX) bestandenReizerscheinungen im Gebiete des Facialis.
Die im Verlaufe der Tabes zu beobachtenden An-fälle von Schwindel, sofern sie nicht mit einer Er-krankung der Augenmuskeliiervcn oder der Nerven derhalbzirkelförmigen Kanäle in Verbindung stehen, desgleichendie sogenannten apoplektiformen Anfälle mit oder ohneBewusstseinsverlust, mit oder ohne Sprachstörung sindmöglicherweise nur dem Grade nach verschiedene, aberauf dieselbe Ursache zurückzuführende Symptome. Vonder leichteren Art findet man in den KrankengeschichtenII, LVI, LXX1X, XCI Beispiele. Eine grössere Bedeu-tung besitzen die plötzlich auftretenden, meist halbseiti-gen Lähmungen und die aphasischen Zustände. Four-nier bringt sie mit der Syphilis in Konnex und behauptet,dass eine energische antisyphilitische Behandlung sie heile,wenn auch die Tabes sonst fortschreite. Lecoq, welcher