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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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Band VII.

II. Abschnitt: Krankheitserscheiiraugen.

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geräuschen verschieben liess. Eine Konsolidation, die sonstbei den tabischen Frakturen bald unter ungewöhnlich reicherKallusbildung, bald in normaler Weise von statten geht,war nicht erfolgt. Ausser dieser Beobachtung dürfte nurnoch im Falle IV ein neurotischer Knochenbruch in Fragekommen. Der ataktische Kranke glitt beim Herabsteigeneiner Treppe aus, fiel 3 Stufen hinab und beschädigte sich,wie aus dem vernehmbarenKnacken" hervorging, dieLendenwirbelsäule. Bald darauf konstatirte man eineSpondylolistkese. Darf ein kongenitaler Bildungsdefektausgeschlossen werden, so ist die nächstliegende Annahmewohl die, dass bei einer tabischen Arthritis des Sacrolum-balgelenkes durch den Insult eine Fraktur des Wirbelbogensund demnächst das Vorwärtsgleiten des Wirbelkörpers ein-trat. Eine ausführliche Schilderung des seltenen Krank-heitsfalles hat Krönig a. a. 0. gegeben.

Unter dem Einfluss der Tabes erleiden die Knochenbisweilen so hochgradige Ernährungsstörungen, dass sie ingrösserer Ausdehnung der Nekrose verfallen und ab-gestossen werden. Ein eklatantes Beispiel dieser Art siehtman in dem Falle LXXXVII der Kasuistik, bei welchemnach zwölfjähriger Krankheitsdauer im Sommer 1882 untervoraufgegangenen entzündlichen Erscheinungen die vierteZehe des rechten Fusses nekrotisch wurde und exartikulirtwerden musste. Man darf diese trophische Knochen-erkrankung in Vergleich stellen mit dem von Vallet beiTabikern gefundenen Zahnverlust und der Ausstossung desAlveolarfortsatzes.

Auch Haut und Weichtheile bleiben nicht verschont.Das Auftreten von Ausschlägen an der Haut, besondersvon Herpes und Pemphigus, ist durchaus nichts Ungewöhn-liches. Diese Eruptionen pflegen, wie die übrigen trophischeuSymptome, vielfach unter Zunahme der Schmerzen zu er-scheinen und zu Rezidiven zu neigen. So erzählt Buzzardvon einem Kranken, welcher im Laufe von 20 Jahren mehrals 200 Herpesanfälle gehallt hatte. Wiederholt zeigtesich der Bläschenausschlag auch bei dem Tabiker desFalles XCVII aus dem Feldzuge, und die kleineren Geschwürean Hals und Brust des Kranken XVII kehrten zufolge derGeschichtserzählung häufiger wieder. Von den in dieWeichtheile dringenden Geschwüren wird neuerdings dasUlcus perforans pedis (mal perforant du pied) in naheBeziehungen zur Tabes gebracht. Mour macht darauf auf-merksam, dass es gelegentlich das erste Zeichen der spinalenErkrankung sein könne, undBernhardt sah einen 33jährigenMann, bei welchem in den Plantarflächen beider grosserZehen um sich greifende Verschwärungen eintraten, erstspäter an ausgesprochenen tabischen Erscheinungen er-kranken. Eine symmetrische Geschwürsbildung lenktnatürlich den Verdacht an eine Affektion des Nervensystemsviel eher auf sich, als die Einseitigkeit des perforirendenFussgeschwürs, wie sie jedoch ebenso oft im Initial-stadium der Hinterstrangsklerose beobachtet ist. Pagekam sogar auf den Gedanken, das Mal perforant als Ur-

Saiiitäts-Bericht Über die Deutschen Heere 1870/71. VII. Bd.

sache, nicht als Folge der Tabes zu betrachten. Im Vor-leben des Kranken IX der Tabelle, nicht fern von demdeutlicher entwickelten Bückenmarksleiden, findet sich dieAngabe, dass Patient an akutem Magenkatarrh und Fuss-geschwür, später noch einmal an Diarrhöe behandelt sei.Diese Symptome nun auch direkt als prodromale oderinitiale der späteren Tabes hinzustellen, wird schwerlichJemand ohne näherliegende Gründe sich veranlasst fühlen. Ge-schwüre mit dem Charakter der chronischen Unterschenkel-geschwüre traten im Falle I zuerst an einem, später aucham anderen Unterschenkel auf, ohne dass etwa eine Dis-position durch Varikositäten bestanden hätte, die bei derUntersuchung vom Verfasser nicht entdeckt werden konnten.Für eine vasomotorisch-trophische Störung ist hier bereitsan einer früheren Stelle das periodisch sichtbare üedemum die Malleoleii in Anrechnung gebracht worden.

Das Hinzutreten von progressiver Muskelatrophiein der Duchenne-Aran'schen Form zur Tabes ist imGanzen selten und nur in den späten Krankheitsstadiennachgewiesen. Nach den Untersuchungen von Charcot,Leyden u. A. nehmen unter diesen Umständen die grauenVorderhörner an der Erkrankung Theil. Die Affektionbeginnt in der Begel an den kleinen Handmuskeln. Einexquisiter Fall dieser Alt, der zufällig einen tabischenKriegsinvaliden betraf, wurde kürzlich von Eulenburgbeschrieben. Soweit er die Muskelaffektionen angeht, hat dervon ihm erhobene Befund, vor anderen besonders ausgezeich-net durch die genauen Angaben über die Ergebnisse der elek-trischen Prüfung, in der Kasuistik dieses Kapitels (LX1) Auf-nahme gefunden. Man sieht daraus, dass im 14. Jahre derTabes eine A trophie 1 leider Dauinenballen begann, um sich dannweiterhin sehr rasch über die Zwischenknockemnuskelii, dieMuskeln des Kleinfingerballens und die Streckmuskeln derHände zu verbreiten. Der Eulenburg'schen Beobachtunggegenüber sind die übrigen Mittheilungen der Kasuistik nuräusserst lückenhaft. Sie entbehren meist jeder ausführlichenBeschreibung, so dass man dieses Mangels wegen kein be-stimmtes Urtheil gewinnt, ob die Atrophien stationär oderprogressiv waren, ob sie mit fibrillären Zuckungen einher-gingen oder ohne dieselben, ob sich Entartungs-Reaktionnachweisen liess oder nicht. Man findet ihrer noch acht.Unter denselben scheint der Fall III ein durchaus ver-bürgter zu sein und in der That zu der gedachten Formder progressiven Muskelatrophie zu gehören. Abgesehendavon nämlich, dass das Leiden, dessen Anfänge imJahre 1883 an den Muskeln des Daumens und den luter-osseis der rechten Hand kenntlich waren, ein Jahr nachhermit dürren Worten als progressive Muskelatrophie benanntwird, deutete auf eine Vorderhorn-Erkrankung das baldigeUebergreifeii auf die andere Hand und die fibrillärenZuckungen. Auch die Kerne des Bulbus mussten affizirtsein, mindestens die des Hypoglossus, denn gerade dieZunge zeigte das Muskelblitzen und die Sprache warverändert. Demnach ist es wahrscheinlich, dass sich hier

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