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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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Band VII.

II. Abschnitt: Krankheitserscheinungen.

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fassung eine rarefizirende Ostitis, welche herdartig balddie Diaphyse, bald die Epiphyse der Knochen befällt undhier zur Arthropathie, dort zur Fraktur führt. Hiernachwäre das Gelenk schon vorher krank, ehe der artikulareErguss und das periartikuläre Oedem erfolgt. Von dermalignen Form werden in der vorstehenden Tabelle 5 Fälle(V, XIII, LXV, LXXV1I, LXXXVII) beschrieben. IhreEntstehungszeit fällt 1 mal in das 6. (LXXXVII), 1 mal indas 8. (LXXVII), 1 mal in das 10. (XIII), 1 mal in das 14.(LXV) und einmal in das 20. (X) Jahr der Tabes. Diesezeitliche Entwickelung stehtnicht mit den AngabenCharcot'sim Einklang, welcher die Gelenkleiden in der Regel früh amEnde der Schmerzperiode vor Eintritt der Ataxie sali.Ebensowenig wird durch die Feldzugsrälle der Erfahrungs-satz des französischen Gelehrten bekräftigt, dass heim Auf-treten des Hydrarthros in den späten Stadien der Tabeshauptsächlich die Gelenke der oberen, bei wenig vorge-rückter Krankheit aber vorzugsweise die Gelenke derunteren Extremitäten befallen werden. Die AfFektion hatteihren Sitz in den grösseren Gelenken und zwar 3 mal(Y, VII, LXXXVII) im Knie-, 1 mal (XIII) im Schulter-und 1 mal (LXV) im Ellenbogengelenke, war in 2 Fällen(V, LXXXVII) rechtsseitig, in 2 Fällen (LXV, LXXVII)linksseitig und in 1 Falle doppelseitig. Dass fast aus-nahmslos die grossen Gelenke und am häufigsten das Kniebetroffen werden, ist von verschiedenen Seiten, unter anderenneuerdings von Westphal, hervorgehoben. Nach Althaushält die artikulare Erkrankung der Häufigkeit nach folgendeOrdnung inner Knie, Schulter, Ellenbogen, Hüfte und Hand-gelenk. In einem Falle (LXXXVII) entstand beim Kasten-springen, ob durch eine direkte Verletzung oder durchdie blosse Erschütterung des Beines beim Aufspringen aufdie Erde, hat die Krankengeschichte nicht ausgeführt,eine Distorsion des rechten Kniegelenks mit folgenderbleibender Schwellung. Der Kranke erlitt dann 8 Jahrespäter im ataktischen Stadium durch Fall auf den Bodeneinen Bluterguss in das Gelenk. Auch bei dem Haupt-mann v. Z. (LXXVII) war der Schwellung des ganzenlinken Beins, welche ihn im Jahre 1874 bettlägerig machteund einen bedeutenden Erguss ins Kniegelenk hinterliess,ein angestrengter Gebrauch der Unterextremitäten, vondenen überdies die befallene linke schon 3 Jahre vorherdurch Ueberschlagen mit dem Pferde eine Quetschung da-vongetragen hatte, in der Manöverzeit voraufgegangen. ImHinblick auf diese beiden Fälle gewinnt es fast den Anschein,als ob mechanische Schädlichkeiten doch nicht ganz sounschuldig an dem Zustandekommen der Gelenkergüsseseien, wie man bisher glauben mag. Auch der Fall LXVunterstützt diese Ansicht, obwohl erst 6 bis 8 Wochen nachdem Trauma eine Geschwulst am verletzten Gelenke sichzu entwickeln begann. Er unterscheidet sich von anderenBeobachtungen noch durch die allmälige Zunahme derFlüssigkeitsansammlung im Ellenbogengelenk und daslangsame Anwachsen des Oedems um dasselbe, wie beides

unter den Augen des Verfassers zu Stande kam. Wieder-holt hat man erfahren, dass die Arthropathien dann ent-stehen, wenn die lanzinirenden Schmerzen in den betreffendenGliedmaassen durch heftigere Paroxysmen den Zustand derKranken verschlechterten. Vor Ausbruch des Gelenkleidenswar auch der Kranke im Falle XIII von furchtbarenSchmerzen in allen Gliedern gequält und fast andauerndans Bett gefesselt. Die Zahl der gutartigen Fälle mitsolchen Gelenkaffektionen, bei denen nur eine Erschlaffungder Bänder vorlag, oder bei denen nach Resorption desFlüssigkeitstranssudats eine anatomische Destruktion durchdie manuelle Untersuchung nicht, oder nur in anbedeutendemGrade nachweisbar war, belauft sich bei den Tabikern derUntersuchungsreihe aus dem Kriege auf 14 (IV, VII, XI,XXV, XXVI, XXXIII, XXXVI11, XL, LVI, LVIII, LXIV,LXVI, LXV1I1, LXX1X). An ein bestimmtes Stadium derTabes soll diese Form der Gelenkveränderung nicht ge-bunden sein, da sie in den frühesten und spätesten Krank-heitsperioden gefunden wurde. Hier fällt aber ihr über-wiegender Prozentsatz in die erste Krankheitsperiode.Als Initialerscheinung wurde sie 4 mal (XI, XXXIII, LVI,LXIV), nach 1 jähriger Krankheitsdauer ebenso oft (VII,LVIII, LXXIX), nach 2 jähriger (XXXVIII, LXVJ) und4 jähriger (XXVI, XL) je 2 mal, nach 6 jähriger 1 mal(XXV), nach 14 jähriger 2 mal (IV, LXVIII) konstatirt.In den beiden letzten Fällen ist nur von einer Kapseler-schlaffung die Rede. Ein Avesentlicher Unterschied zwischender benignen und malignen Art der tabischen Gelenkaffektionscheint darin zu beruhen, dass die gutartigen Schwellungensich fast immer gleichzeitig in verschiedenen Gelenkenlokalisiren, die bösartigen nur selten und dann gewöhnlichin symmetrischen. So waren im Fall XXXIII beide Knie-gelenke und das linke Hüftgelenk, im Fall XXXVIII, dieHand-, Fuss- und Hüftgelenke, im Fall LXVI die Hand-,Knie- und Fussgelenke erkrankt. Ueberkaupt trat mitAusnahme von 2 Beobachtungen (IV und VII) die Multi-plizität der Gelenkläsionen bei den benignen Formen stetszu Tage. 2 Krankengeschichten (XL, LVIII) machen überden Sitz der Erkrankung gar keine näheren Angaben;gemäss der übrigen waren Knie- und Fussgelenke bei je6 verschiedenen Patienten, Hand- und Hüftgelenke in "2Fällen, Schulter- und Ellenbogengelenk, das linke Kiefer-gelenk und die kleineren Gelenke des rechten Fusses beije einem Tabiker in Mitleidenschaft gezogen. Die Literaturbringt nur spärliche Mittheilungen über hierher gehörigeVeränderungen an den kleineren Gelenken der Händeund Füsse, so dass die Seltenheit ihrer Betheiligung an dertabischen Arthropathie unumstösslich wird, doch ist sowohlvon Paget als von Westphal 1 Ausnahmefall bekannt.Auch G. Fischer hatte einmal Gelegenheit, im Initial-stadium mehrfache Gelenkentzündungen an der grossenZehe zu beobachten. Dass die Gelenkläsion ohne erkenn-bare Residuen rückgängig wird, selbst wenn, wie im FalleXXV, die Schwellungen wiederkehren, noch dazu in Gelenken,