Band VIT.
II. Abschnitt: Krankheitserscheinungen.
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frühestes Symptom unter dem Bilde einer Gallensteinkolikauf, ein anderes Mal (XC1) war sie von schleimigem Durch-fall begleitet. 7 Kranke litten nur an Diarrhöen, 3 vonihnen (XXIII, XXIX, XCV) schon ehe das Leiden manifestwar, der letzte unter Mitwirkung gastrischer Krisen, dochlag einmal (XX1I1) eine direkte Veranlassung zu ihrerEntstehung vor, indem ein Fall ins Wasser und ein längeresVerbleiben in demselben eine unmittelbare starke Ab-kühlung des Leibes und darauf unter Fiebererscheinungendie Darmaffektion herbeigeführt hatte. 2 Kranke (XXVII,LXXI1) klagten zuerst um das Jahr 1874, 2 andere (LXVIII,LXXXVI1) in einem noch späteren Stadium (1880 bezvv.1884) über Durchfälle. Die Seltenheit derartiger Zuständewird auch von anderen Autoren bestätigt. Bernhardtnotirte sie unter 58 Fällen 3 mal und weist dabei auf diejedesmalige Verschlechterung des Allgemeinbefindens derTabiker hin.
Noch weniger häutig sind die tabischen Krampf-hustenanfälle, welche zuerst von Fereol gewürdigt sindund von ihm die Bezeichnung „crises laryngees" erhaltenhaben. Aus den bisherigen Erfahrungen erhellt, dass siein verschiedener Intensität bald als leichte unmotivirterasch aufeinander folgende Hustenstösse, bald als schwereLarynxkrämpfe mit Verschluss der Glottis und Stillstandder Athmung zu Stande kommen. Von jeder dieser beidenArten, welche durch Anfälle mittlerer Schwere in einanderübergehen können, findet sich in der tabellarischen Ueber-sicht ein Beispiel (VI, XCVIII). Hierzu kommt noch eindritter Fall (XXI), bei welchem im Jahre 1884 möglicherWeise ein periodischer Glottiskrampf vorlag. Unter derangegebenen Krankenzahl Bernhardt's waren Larynxkrisennur bei einem seit 2 Jahren leidenden Manne zu konstatiren.Pathologisch-anatomische Untersuchungen, wie sie vonCruveilhier, Landouzy und Dejerine angestellt sind,scheinen zu beweisen, dass die Ursache der Anfälle in einerReizung des Vaguskernes durch die ihn erreichende Degene-ration zu suchen ist. Althaus glaubt, dass die Kehlkopf-krisen in Frankreich öfter als anderswo zu beobachten seien,und erinnert an einen Fall Cherchewsky's, in welchemder Krampfhusten allen anderen tabischen Erscheinungen13 Jahre vorausging.
Ob das im Fall XII als zusammenschnürendesGefühl des Schlundes bezeichnete und nach 2jährigerKrankheitsdauer notirte Symptom ebenfalls von einerReizungder zum Pharynx gehenden Vagusfasern abhängig ist, er-scheint zweifelhaft, zumal gleichzeitig heftige Herzpalpi-tationen vorhanden waren. Behinderungen des Schlingaktes,welche zum Regurgitiren der Speisen und Getränke führen,sowie Schlundkrämpfe, die das Schlucken ganz unmöglichmachen und mit Schmerzen verbunden sind, komplizirenim übrigen nur ausnahmsweise die Tabes und werden voneinzelnen Fachmännern auf eine Mitbetheiligung des ge-nannten Nervens zurückgeführt.
Rektal- und Urethralkoliken, auch wohl alsBlasen- und Mastdarmkrisen bekannt, gehören ihrergrossen Schmerzhaftigkeit wegen zu den gefurchtetstenSymptomen der Tabes. Nach dem Ergebniss der Unter-suchung in den Beobachtungen aus dem Feldzuge müssensie ziemlich selten sein, denn sie werden nur in G Fällen(VIII, L, LH, LXXX, LXXX1V, XC1X) angeführt. Dassdie Schmerzanfälle bei der Entleerung der Blase und desDarms gelegentlich als früheste Erscheinung den Befal-lenen ihre Erkrankung zuerst zum Bewusstsein bringen, istein wichtiger Erfahrungssatz. Mitunter nehmen die Schmerzenvon der Lendengegend aus ihren Verlauf die Harnleiterentlang über das Perineum bis an die Innenfläche derOberschenkel und entsprechen so vollkommen Nierenkoliken.Das galt Raynaud Veranlassung, die so beschaffenen Pa-roxysmal als „crises nephro tiques" in den Symptomen-komplex der Tabes einzureihen. In den Feldzugsfällen hatVerfasser sich vergeblich nach ihnen umgesehen.
Zu den nervösen Krisen dürfen endlich auch die perio-dischenllerzpalpitationen gerechnet werden, welche in denFällen XII, XXXVI, LXXXV1 und XCIV der tabellarischenUebersicht erwähnt sind. Steigerungen derPulsfrequonz,unabhängig von gastralgischen Anfällen, Hustenparoxysmenund anderen sogenannten Krisen konnten schon M. Rosen-thal und Kahler nachweisen. Von einzelnen Autorenwird sogar eine Beschleunigung des Pulses als einekonstante Erscheinung betrachtet. Dem widersprechen aber,soweit es sich um ein vorgeschrittenes Stadium der Tabeshandelt, die Untersuchungen des Verfassers, die sich aufeinen bedeutenden Theil der vorstehenden Fälle erstrecken,denn nur im Falle XCV1I liess sich im Jahre 1882 eineandauernd hohe Pulsfrequenz konstatiren.
Um die Erscheinungen am Gefässapparat zu vervoll-ständigen, muss darauf hingewiesen werden, dass durch dieAuskultation bei den Kranken LA 7 II und LXX im Jahre 1884an der Herzspitze ein ziemlich lautes systolisches Ge-räusch festgestellt wurde, ohne dass aber irgend einzweites physikalisches Zeichen für eine Klappenerkrankungsich darbot. Dagegen lag ganz unzweifelhaft in den FällenL XXI 11 und C eine Aorteninsuffizienz vor. Als Beweishierfür sind in der letzten Krankengeschichte die vorge-fundenen Symptome des Klappenfehlers kurz vermerkt. Diegleichen dürfen bei dem im Berliner Städtischen Kranken-hause Friedrichshain, ebenfalls vom Autor untersuchtenKranken (LXXIII) ohne Bedenken nachgetragen werden.Auch hier sicherte die nachweisbare Elongation und Dila-tation des linken Ventrikels, das laute systolische unddiastolische Geräusch am linken Sternalrand, über derAorta und in abnehmender Stärke an der Spitze, die Be-schaffenheit des Pulses in den grossen Gefässen und inden Endarterien die Diagnose mehr als hinreichend. Ueberdie zeitliche und ursächliche Entwickelung des Klappen-fehlers liess sich nicht viel ermitteln, doch legt der FallLXXlll bei dem erwiesenen chronischen Alkoholmissbrauch