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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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IX. Kapitel: Graue Entartung der Hinterstränge. (Tabes dorsalis.)

Band VII.

Leitungsverlangsamung, meist der abgestumpftenSchinerzempfindung, im Falle LXV als sehr bedeutend undim Falle LXXXII in der Dauer von 2 Sekunden beschrieben,wurde ebenfalls gelegentlich der jüngsten Untersuchungenbei 24 Tabikern der Feldzugskasuistik vorgefunden. Die iHäufigkeit auch dieses Phänomens ist in der Neuzeit umso-mehr erkannt, je mehr man darauf geachtet hat. G. Fischerwar überrascht, wie oft er es antraf. Es ist aber keines-wegs, selbst in relativ späten Stadien der Tabes, als kon-stant zu betrachten. Schon der Fall I der Uebersicht liefertden Beweis, dass Analgesie auch ohne verlangsamte Leitungtrotz langjähriger (17 Jahre) Krankheitsdauer sehr wohl zubeobachten ist. Bernhardt zählte unter 32 Fällen 11,welche mit Verspätung der Schmerzeindrücke einhergingen.Verlangsamung der Tastempfindung, wie sie im Falle XVIerwähnt wird, ist ungleich seltener. Dort, wo in derKasuistik bloss von verspäteter Leitung gesprochen wird,bezieht sich das Symptom stets auf die Schmerzempfindung.Auf die Häufigkeit anderer in der sensiblen Sphäre ab-spielender Phänomene, wie der Doppelempfindung im SinneE. Remak's, der Poliästhesie, der Nachempfindungen etc.einzugehen hat keinen Werth, da die gefundenen Zahlenin der Tabelle der Wirklichkeit nicht entsprechen würden.

Nachdem von französischer Seite um die Mitte der60er Jahre auf die alscrises gastriques" bezeichnetenund von der spinalen Affektion abhängigen gastrischenErscheinungen in der Tabes die Aufmerksamkeit gelenktworden war, stellte es sich alsbald heraus, dass gelegentlichauch einmal heftige Schmerzen in der Magengegend mitErbrechen als einziges und erstes Symptom den Ausbruchder Krankheit signalisiren konnten. Leyden hatte dies inmehreren Fällen zu beobachten Gelegenheit. Neuerdingsbestätigte es auch Bernhardt. Im Allgemeinen sahBuzzard unter 70 Tabikern 12 mit gastrischen Störungen,darunter 8 mit gastrischen Krisen. Man findet in der Feld-zugskasuistik bei 29 Kranken hierhergehörige Angaben.Wenn unter gastrischen Krisen Anfälle von Magenkolikverstanden werden sollen, die periodisch ohne direkte In-digestion zu Tage treten, mit Erbrechen verbunden sindund durch freie Symptomenlose Zwischenräume von einandergetrennt werden, so bestanden derartige Zustände in 24Fällen der Tabelle. Hierbei ist der unter No. LXXXVIIaufgeführte Patient mit eingerechnet, denn es darf wohlals blosse Selbsttäuschung aufgefasst werden, wenn er denGenuss eines harten Eis an den Magenkrämpfen und demErbrechen beschuldigte. In den übrigen 5 Krankenge-schichten ist nur von heftigen Schmerzen in der Magen-gegend die Rede. Indessen liegt es nahe, den Begriff dercrises gastriques nicht zu enge zu fassen, vielmehr dieAnnahme zu gestatten, dass es sich auch in diesen Fällenum eine Magenkolik gehandelt hat, bei der es zufällig nichtzum Erbrechen gekommen war. Im Falle XIII erfolgteumgekehrt Erbrechen ohne Kolik. Was die Zeit des Ein-tritts der gastrischen Krisen anlangt, so fiel dieselbe 8 mal

in die früheste Periode der Tabes. Sehr lehrreich darf dieXCV. Beobachtung genannt werden, in welcher die intesti-nalen Störungen von Anfang an das ganze Krankheitsbildvollkommen beherrschten und jahrelang zu der irrthümlichenDiagnose eines ulcus ventriculi Veranlassung gaben. Auchüber solche Zweifel in der Diagnose hilft das Westphal'scheZeichen am schnellsten und einfachsten hinweg. Die An-gaben über das zeitliche Auftreten der gastrischen Krisenbei den anderen Kranken sind als durchaus verbürgte nurfür das Jahr 1884 anzusehen, da sie hier durch nachträg-liche eingehende Anamnese gewonnen wurden. Demnacherschienen sie ungefähr 14 Jahre nach dem supponirtenKrankheitsanfang in 7 Fällen. Aus den Bemerkungen derUebersicht lässt sich sonst nichts weiter schliessen, als dassgastrische Krisen nach 2jährigem Bestände der Tabes 3 mal,nach 4jährigem 6mal, nach 6jährigem 2 mal, nach lOjährigem3 mal constatirt wurden. Dass in den gastralgischen An-fällen bei der Tabes zuweilen Blut erbrochen wird, istbekannt. Gewöhnlich sind die Massen des frischen oder ge-ronnenen Blutes gering, und so dürfte es auch im Falle XCVder Kasuistik gewesen sein, welcher, wie oben erwähnt,durch die schweren Erscheinungen im Darmtraktus undnach jahrelangem Fortbestand der Magensymptome durchzeitweiliges Blutbrechen gekennzeichnet war. Aber einzweiter Kranker (LXXX), nach einer Schussfraktur deslinken Unterschenkels zuerst von Schmerzen und Schwächeim verwundeten Bein und bald nachher von gastrischenKrisen heimgesucht, wurde im Jahre 1872 von einerabundanten Magenblutung befallen. In unregelmässigenIntervallen, in welchen sich keine Spur eines Magenleidenserkennen liess, Appetit und Verdauung gut waren, kehrtendie Blutungen auch in der Folge wieder und konnten zu-letzt im Jahre 1883 nachgewiesen werden. Eine ganzeReihe von Kranken (IV, V, VIII, XX, XXIX, LVII,LXXI, LXXVI, C), welche bis in die Neuzeit verfolgtw T urden, verspürten während der langen Krankheits-dauer niemals gastrische Beschwerden. Auf dasvor einigen Jahren von Erlenmeyer hervorgehobene undvon anderer Seite bestätigte Symptom eines chronischenMagenkatarrhs resp. dyspeptischer Erscheinungen im Pro-dromal- und Initialstadium der Tabes ist in den Feldzugs-fällen nicht genügend geachtet worden. Die Relationender gastrischen Krisen zu den tabischen Arthropathienwerden später besprochen.

Seltener als die gastrischen Anfälle lassen sich im Beginnund im Verlauf der Tabes heftige kolikartige Schmerzenim Untejrleib beobachten, die zuweilen mit Verstopfung,häufiger mit Diarrhöe einhergehen. Auch wässerigeDarmentleerungen ohne alle Schmerzen erfolgenmanchmal, entweder im Vorstadium, oder neben anderenprimären Zeichen, oder in der schon entwickelten Krank-heit. Roger hat dieselben alscrises ente"rorrheiques"beschrieben. Unter 3 Fällen (XVII, LXXXV, XCI) derFeldzugskasuistik trat die Darmkolik einmal (LXXXV) als