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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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Band VII.

II. Abschnitt: Krankheitserscheinungen.

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Gelenk-Veränderungen zu

auf Licht, die Augenmuskellähmung, die Inkontinenz, diegastralgischen Anfälle und dieGunsten einer Tabes.

An der Spitze der subjektiven Symptome des Initial-stadiums standen der Häufigkeit nach die lanzinirendenSchmerzen. Nur 7 mal unter sämmtlichen ICO Fällen istihrer im Beginn der Erkrankung keine Erwähnung ge-schehen (VIII, XV, XVI, XXVHI, L, LXVI, XCI), darunterwird dreimal (XV, XVI, L) ihre völlige Abwesenheit be-sonders betont. Bei 56 Beobachtungen Erb's fehlten sie5 mal, bei 44 Fällen Bernhardt'» 9 mal, bei 104 KrankenTopinard's 22 mal. Mit Ausnahme des Falles XV, welcherüber die subjektiven Empfindungsstörungen bis zu dem imJahre 1878 erfolgten Tode des Kranken gar keine Angabenenthält, traten im weiteren Verlauf die eigenthümlichenSchmerzanfälle aber auch dann, wenn sie Anfangs vermisstwaren, stets zu den Krankheitserscheinungen hinzu. Nichtimmer erschienen sie in der Entwickelungsperiode vonheftigerArt oder paroxysmenweise exacerbirend, sie werdenz. ß. in den Fällen XXII, XXX, XXXVI als massige odergelinde beschrieben. Schon die Bezeichnungrheumatoide"Schmerzen, die ihnen oft (II, III, IX, XIII, XVIII, IXX,XXI, XXII, 1XXX, XXXVII, XLV, XLVI, XL VIII, LI, LV,LXIV, LXV, LXXVI, LXXV11, LXXXV, LXXXVI) beige-legt wurde, deutet darauf hin, dass frühzeitig ihre spinaleHerkunft häufig nicht erkannt wurde, sie täuschten einenRheumatismus um so eher vor, als sie nicht selten ihrenSitz in den Gelenken hatten oder gar hin und wieder mitGelenkschwellungen verbunden waren. Einen neuralgischenresp. neuritischen Charakter bewahrten die Schmerzen nurwenige Male. Im Falle XCIX lokalisirten sie sich auf dasGebiet des linken n. ischiadicus, so dass eine reine Ischiasvermuthet wurde, im Falle LXXXII strahlten sie von derWundnarbe am Thorax gegen die Wirbelsäule aus undlegten den Verdacht an eine ascendirende Neuritis mitkonsekutiver Markerkrankung nahe. An eine Neuralgie imHüftnerven dachte man auch im Falle IL. Der Kranke IXlitt mitten im Stadium der lanzinirenden Schmerzen an einerlästigen Supraorbitalneuralgie. Von grösserer Heftigkeitzeigten sich die Schmerzen schon während des Prodromal-stadiums in 22, und wenn mit dem Beiwortreissende"auch eine bedeutendere Intensität angedeutet sein soll, sogarin 49 Fällen. Am gewöhnlichsten waren die schmerzhaftenSensationen, unberücksichtigt ihrer Qualität, ausschliesslichüber die Unterextremitäten verbreitet. Während nämlich44 Krankengeschichten den Sitz der primären Schmerzenin die Beine verlegen, finden sich nur 5, welche von eineranfänglichen Lokalisation in den Armen sprechen. AufOber- und Unterextremitäten zugleich erstreckten sie sichbei 1(5, auf Rumpf und Unterextremitäten bei 17, auf Rumpfund sämmtliche Gliedmaassen bei 2, endlich auf den Rumpfallein bei 6 Kranken. Auch der Kopf war in den FällenX und XCH von Anfang an betheiligt, in 2 anderen Fällen(XLIX und LVI) schlössen sich Kopfschmerzen dem Reissen

in den Gliedern unmittelbar oder sehr bald an. Ucberhauptkamen dieselben im weiteren Krankheitsverlauf 20 mal zurBeobachtung, bald die Stirn, bald den Hinterkopf, bald beidePartien zugleich einnehmend. Halbseitig traten sie in denFällen IV, LX1, LXX1X, XOVIII auf und zwar 2 malrechts-, 2 mal linksseitig. Von Enlenburg wird bei derBeschreibung des LXI. Krankheitsfalles ausdrücklich her-vorgehoben, dass die halbseitigen Kopfschmerzen denCharakter der Migräne an sich trugen. Ein Gleiches istim Falle XCV111 angegeben. Hier fielen sie überdies indas Anfangsstadium der Tabes. Bergerund Oppenheimbehaupten, dass Hemikranie zuweilen den subjektivenInitialsymptomen lange voran- und direkt in gastrischeKrisen übergehe. Duchenne und Pierret fanden Zu-stände von Migräne und Erbrechen häufiger bei tabischenFrauen, selten nur bei tabischen Männern. Wahrscheinlichist auch in diese Kategorie der Fall XXXI der Tabelleunterzubringen, da hier im Jahre 1884 Kopfkolik, Würgenund Erbrechen konstatirt wurde. Erwähnenswerth er-scheint noch, dass die ursprünglichen Schmerzen in 20 Fällenvorwiegend auf die linke Seite des Rumpfes oder derExtremitäten sich erstreckten, nur 5mal (XXVI, LXVI1I,LXXVIII, XC, XCH) nahmen sie mehr die rechte Hälfteein. Dies Verhältniss blieb meist während der ganzenKrankheitsdauer bestehen. Alsdann traten, abgesehen vonden Sehnenphänomenen, gleichzeitig auch alle objektivenErscheinungen in grösserer Ausbildung einseitig hervor.Neben den Schmerzen bestanden abnorme Sensationen wiePelzigsein, Formikation, Taubsein, Gürtelgefühl schon inder ersten Zeit der Erkrankung in 19 Fällen. Späterhinwurden Parästhesien kaum vermisst.

Die Gründe, warum in den Krankengeschichten aus-führlichere und exaktere Schilderungen über objektiveSensibilitätsstörungen fehlen, sind bereits in der Vor-bemerkung erörtert. Die Sensibilitätsprüfungen gehörenohnehin zu den zeitraubendsten und ermüdendsten und ge-währen trotzdem nicht einmal die nöthige Sicherheit. Beiden militärärztlichen Erhebungen wachsen die Unsicher-heiten in dem Umfange, als die Angaben der Krankender Genauigkeit und Zuverlässigkeit entbehren. Am geeig-netsten erscheinen für die militärischen Zwecke noch diePrüfungen der Schmerzempfindung, da sie am leichtestenauszuführen sind und durch absichtliche Täuschung Seitensder Untersuchten in ihrem Werthe am wenigsten geschmälertwerden können. In den ausgebildeten Fällen von Tabesist Analgesie ein überaus häufiger, wenn auch nicht be-ständiger Befund. Erb konstatirte sie in 42 Fällen 29 mal,Bernhardt in 57 Fällen 18mal. Verlust oder Vermin-derung der Schmerzempfindung konnte bei der letztjährigenKontrole der in der Tabelle namhaft gemachten Tabikeraus dem Feldzuge 25 mal verzeichnet werden. An Be-deutung hat das Symptom gewonnen, seit es im Jahre 1878von Berger auch als ein sehr frühes kennen gelehrt ist.

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