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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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Band VII.

I. Abschnitt: Entstehungs-Ursachen.

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35 bis 38 Jahren, entsprechend der allgemeinen Abnahmeder Soldatenzahl, immer noch 4 mal verlegt werden musste.Ausserdem hatten die angeschuldigten Ursachen bei demgrösseren Prozentsatz sämmtlicher 97 Fälle von 1870/71

drei sind ihres besonderen Interesses wegen aus 18G4und 1866 entlehnt schon in früheren Feldzügen aberin jüngeren Lebensjahren eingewirkt, ohne Tabes zu er-zeugen. Wie aus der Tabelle ersichtlich ist, hatten nämlichwenigstens 55 Kranke bereits an dem Dänischen oderOesterreichischen oder an beiden Kriegen Theil genommen,und viele Berichte lassen die Möglichkeit offen, dass dieseZahl noch zu niedrig gegriffen ist.

Relativ häufig waren diean ein fixirbares Datumgeknüpften Vorgänge" in der Beobachtungsreihe Eulen-burgs, da sie sich unter jenen 48 auf atmosphärischeEinflüsse bezogenen okkasionellen Momenten 1213 malermitteln Hessen. Der von ihm in seiner Tabelle unterNo.XXXVHI gebrachte Fall aus dem Feldzug 1870/71, ineiner Privatmittheilung übrigens als zweifelhafter Naturbezeichnet, gehört in der That nicht unter die Tabes. Eshandelt sich um einen Patienten, der nach einer Durch-nässung bei Gelegenheit nächtlicher Alarmirung vor Parisvon einer febrilen Urticaria befallen wurde. Nach derselbenentwickelten sich vasomotorisch-trophische Störungen ander linken Hand und dem linken Vorderarm, die angeblichseit 11 Jahren stationär geblieben sein sollen. Die Haut-farbe der linken Hand ist bis zum Handgelenk, im Gegen-satz zur rechten Seite, von dunkelrother Farbe, ihre Fingererscheinen vollsaftiger und dicker. Der linke Handtellerschwitzt ungewöhnlich stark und fühlt sich kühl an. LinkerVorderarm an Umfang etwas geringer als der rechte,Händedruck links schwächer. Subjektiv besteht zuweilenlästiges Kältegefühl in der linken Hand. Arteria radial,sin. enger als dext., Puls niedriger. Sonst ist der Unter-suchte völlig gesund. Nirgends weiter Sensibilitäts- oderMotilitätsstörungen; die von Eulenburg notirte Ataxie,die ungleichen Pupillen, die cephalischen Störungen nichtmehr vorhanden. Pupillen gleich weit, von prompter Re-aktion, Augenmuskeln intakt. Sehnenphänomene deutlich.

Beispiele von Tabes nach einmaligen Erkältungen sindvon Leydeu, Althaus, G. Fischer und vielen anderenAutoren veröffentlicht, werden von Oppenheim als seltenbezeichnet, konnten neuerdings selbst unter dem Druckeder Fournier'sehen Lehre in einzelnen Fällen von Eisen-

lohr nachgewiesen werden. Am nachdrücklichsten vonAllen klagen, wie erwähnt, Rosenthal und Leydendie Erkältung als Ursache der Tabes an. Nachdem vonWestphal und Dejerine auf Verändeiungen an den peri-pherischen sensiblen Nerven bei Tabes aufmerksam gemachtworden ist, wird es vielleicht möglich sein, mehr Einsichtin die Wirkungsweise der Erkältung auch auf das Rücken-mark zu gewinnen als bisher.

Zum Schluss muss noch eines ätiologischen Faktorsgedacht werden, welcher, wenn wirklich vorhanden, geradeim Kriegsleben durch seine stete Wiederkehr befähigt ge-wesen wäre, den Grund zur Tabes zu legen, und dochnicht ein einziges Mal erwähnt wird. Aber die Geinüths-bewegungen, die depressiven Affekte, von denen dieRede ist, sind in ihrer nachtheiligen Wirkung auf dasNervensystem den Laien ganz unverständlich und fernliegend, so dass sie von ihnen spontan fast nie beschuldigtwerden. Unter 274 Fällen konstatirte Eulenburg dieseSchädlichkeit 33 mal. Viel seltener hatte Leyden Gelegen-heit, sie nachzuweisen. Reumont sah 2 und Ferry unter219 Fällen 5 im Anschluss an Gemüthsbewegungen. Dassdie Ereignisse von 1870/71 die Zahl der Tabeskranken inFrankreich sehr vermehrt haben, behauptet Duchenne.

Rekapitulation.

Prüft man die Feldzugserfahrungen im Verein mit denAngaben der Autoren, so darf nur das als feststehendangenommen werden, dass unter dem Einfluss einereinmaligen oder wiederholten Erkältung die erstentabischen Symptome manifest werden können,dass die Tabes im Allgemeinen eine Krankheiteines bestimmten Lebensabschnittes ist, dass siedarum in der aktiven Militärdienstzeit nur relativselten beobachtet wird, dass ihre Frequenz unterden Personen des Soldatenstandes erst zunimmt,wenn eine Altersdisposition geschaffen ist, dassdie Lues ihres depotenzirenden Einflusses wegendie Widerstandsfähigkeit des Nervensystems gegenbestimmte Angriffe herabsetzt und darum eineHilfsursache der Tabes wird, dass aber die eigent-liche Ursache der Tabes noch unbekannt ist.