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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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Band VII.

I. Abschnitt: Entstehungs-Ursachen.

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Erfolglosigkeit einer antisyphilitischen Therapie. AuchLandouzy und Ballet theilen die Ansichten Erb's nicht.Noch weniger M. Rosenthal, welcher, auf klinische That-sachen gestützt, der für spezifisch ausgegebenen Tabesjede Stellungsberechtigung in der Pathologie abspricht.

Ganz entschieden wird von pathologisch - anatomi-scher Seite der Gedanke einer direkten, durch dasVirus erzeugten strangförinigen Erkrankung der Hinter-stränge zurückgewiesen. Zunächst schon im Jahre 1879von Juillard. Nach ihm ist die spinale Lues aus-nahmslos diffuser Natur und breitet sich durch Entzün-dungsvorgänge, durch exsudative Prozesse und ihre Polgenzugleich über die Meningen, die Gefässe und ihre Scheidensowie über die Neuroglia bald in einfachen, bald inmultiplen Herden aus. Niemals ist sie eine System-erkrankung. Diesem Urtheil schloss sich alsbald Chauvetan. Greiff entschied sich nach einem selbst beobachtetenFalle,dass zwar für die Veränderungen an den Meningenund Gefässen der spezifische Charakter festgestellt erschien,dass aber der an der Rückenmarkssubstanz konstatirte Be-fund nur in seinem Zusammenhang und in seiner Abhängig-keit von dem primären Prozesse an Meningen und Ge-fässen als für die Rückenmarkssyphilis charakteristisch hin-gestellt werden kann." Sodann hat F. v. Rinecker her-vorgehoben, dass die spezifische Erkrankung des Rücken-marks sich unter dem Bilde der interstitiellen Entzündungund Geschwulstbildung darstellt und sich demgemäss indiffuser oder Herdform, nimmermehr aber unter derForm und mit dem Charakter einer Systemerkrankungoffenbart. Neuerdings setzte endlich Jürgens in einerVersammlung der Charite-Aerzte zu Berlin an der Handeiner grösseren Zahl von Sektionsbefunden auseinander,dass alle diejenigen Rückenmarkserkrankungen, die denCharakter rein parenchymatöser Affektionen an sichtragen und ohne wesentliche Betheiligung des inter-stitiellen Gewebes und der Gefässe einhergehen, nichtauf einer örtlichen luetischen Infektion beruhen können.Seine demnächst im 10. Jahrgang der Charite-Annalen er-scheinende Arbeit über Syphilis des Rückenmarks undseiner Häute wird die Anschauungen Juillard's undv. Rinecker's bestätigen. Er glaubt und stimmt darinmit Juillard überein, dass namentlich auf dem Wegeder Lymphbahnen die spezifischen Erkrankungs-Prozesse amRückenmarke sich ausbreiten. Ganz besonders macht erauf die häufige Kombination der Syphilis des Rückenmarksmit der des Gehirns aufmerksam, hält die letztere für einenfortgeleiteten Prozess, der durch seine deszendirende Ver-breitung zu der aszendirenden Erkrankung bei der Tabesin Gegensatz gebracht zu werden verdient. Für gewöhn-lich dringt von den Meningen, dem primären Sitze aus, dieInfektion längs der Gefässe und Nervenscheiden in dasinterstitielle Gewebe. Wie alle bisher veröffentlichtenFälle, so berechtigen auch seine eigenen zu dem Schlüsse,dass die luetische Affektion des Rückenmarks stets unter

dem Bilde einer diffusen, entweder einfachen oder mul-tiplen Herderkrankung, niemals aber als System-erkrankung verläuft.

Pathologisch-anatomische Untersuchungen bei den anTabes gestorbenen Kriegsinvaliden wurden viermal vor-genommen (XXXII, LXX1V, LXXXVIII, XC11). Diegeringen Anhaltspunkte in dem Sektionsbefunde desXXXII. Falles abgerechnet, sind für Lues charakteristischeProzesse irgend eines Organs nicht ein einziges Mal erwähnt.Wenn man sich auch nicht verhehlen darf, dass syphilitischeProdukte im Laufe der Zeit vollständig verschwinden undhyperplastische Veränderungen an den Häuten und deminterstitiellen Gewebe des Rückenmarks fortbestehen bleibenkönnen, während die früher gleichzeitig vorhandenen spe-zifischen Neubildungen und Gefässveränderungen längst ver-schwunden sind, so berührt doch ein etwaiger Zweifel inder anatomischen Diagnostik über ihre spezifische Naturdie Tabes um so weniger, als sie vorwiegend eine paren-chymatöse Erkrankung ist.

Ueber die Formen der voraufgegangenen Lues inden 5 sicher konstatirten Fällen der Feldzugskasuistik,lässt sich ebensowenig sagen, als über die geübten Be-handlungsmethoden. Eine geeignete Auskunft würde fürdie Anhänger Fournier's darum von Werth sein, weil erhauptsächlich leichte und ungenügend behandelte Lues alsUrsache der Tabes verantwortlich macht. Zwischen derstattgehabten Infektion und dem Auftreten der erstenTabessymptome lag ein Zwischenraum einmal von 9 (XXVI),einmal von 6 (XCVU), einmal von 2 (LXVII1) Jahren, inden beiden anderen Fällen (LXIV und LXXVI) konnte derBeginn beider Krankheiten als ein ungefähr gleichzeitigeroder unmittelbar aufeinander folgender betrachtet werden.Ex juvantibus et nocentibus auf die kausale Abhängig-keit der Tabes von der Syphilis gezogene Rückschlüssehaben bisher zur Lösung der schwebenden Streitfrage nichtviel beigetragen. Voraussichtlich wird man auf diesemWege auch in Zukunft nicht weit kommen; sind dochandere bekannte und wohlcharakterisirte spezifische Affek-tionen des Centralnervensystems auch heute noch häufigjeder Therapie unzugänglich. Fournier selbst äussertsich vorsichtig; die von ihm beobachteten beiden Heil-erfolge durch spezifische Kuren sind fraglich, da sienicht lange genug überwacht wurden. Dagegen kann ineinem Falle Rumpfs die Heilung eine vollständige ge-nannt werden, denn es waren alle objektiven und subjek-tiven Krankheitssymptome verschwunden, vor Allem liesssich, worauf besonderer Nachdruck gelegt werden muss,die Rückkehr der Sehnen- und Pupillarreflexe nachweisen.Auch die Diagnose dürfte in diesem Falle nicht zu be-anstanden sein. Ein klares, eindeutiges, klassisches Krank-heitsbild vor der Behandlung, ein Freisein von allen dieDiagnose bekräftigenden pathologischen Erscheinungen nachder Kur diese beiden Anforderungen sind dem Urtheilüber den Heileffekt eines jeden therapeutischen Verfahrens

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